17. Dezember 2009

Hinter den Kulissen des WWW

E-Shopping boomt

Von Peter Trechow




14. April 2009 
Der Online-Handel wächst. Letztes Jahr stiegen die Online-Ausgaben für Waren um 23 Prozent, und erstmals gingen über die Hälfte aller Bestellungen im Versandhandel online ein. Hinter den Kulissen gibt es viel Arbeit für junge ITler.

„Keiner unserer Kunden ist in der Dotcom-Krise abgesprungen“, sagt Kerstin Baudisch, HR-Managerin der Intershop Communications AG. Im Gegenteil. Die Zahl der Online-Shops, die auf Intershop-Software laufen, steigt und steigt. Aktuell sind es über 300, darunter klingende Namen wie Otto, Tchibo, Telekom, BMW oder Quelle. Neben fünf deutschen Büros zeugen Standorte in Europa, den USA und Asien vom globalen Erfolg der Jenaer Softwareschmiede.

Laut Baudisch nimmt auch das Volumen der Aufträge zu, in denen Software oft nur noch den Kern bildet. Die Expertise und Erfahrung von Intershop ist auch beim Anbinden der Shops an vorhandene IT-Systeme, bei der Inbetriebnahme, beim Abwickeln der Bestellungen oder im Online-Marketing gefragt. Diverse Kunden lassen ihren E-Commerce komplett von Intershop abwickeln. „Und natürlich entwickeln wir unsere Software ständig weiter“, berichtet Baudisch.

Um alles das zu bewältigen, sucht Intershop an allen Standorten fachlich fitte und kommunikative Informatiker, die am besten auch noch unternehmerisch denken können. Gerade im Consulting-bereich, dessen Mitarbeiter die Software beim Kunden implementieren, brauchen Einsteiger neben fundiertem Fachwissen Spaß am globalen Projektgeschäft und am Dialog mit Kunden. „Über den reibungslosen Anlauf der Systeme hinaus erwarten unsere Kunden Vorschläge von uns, die ihr Geschäft voranbringen“, sagt die HR-Managerin und stellt noch schnell klar: „Ohne Java-Programmierung geht hier gar nichts.“

Geeignete Bewerber für dieses Profil sind rar. Darum gibt Intershop engagierten Absolventen Zeit, in den Beraterjob hineinzuwachsen. Ihr Weg führt über Produkttrainings, die Teilnahme an Projekten und eigene Teilprojekte, ehe sie Verantwortung bei Kunden übernehmen. Auch die lockere Atmosphäre hilft beim Einstieg. Bei Intershop lebt die New Economy noch: kein Dresscode, flache Hierarchien, ein sehr junges Team, Obst und Getränke umsonst und den obligatorischen Kicker im Freizeitbereich. „Wir haben hier 80 Prozent Hochschulabsolventen, super ausgebildete Leute, die auch ohne Schlips gut arbeiten“, begründet Baudisch die Firmenpolitik. Es gebe bei Intershop aber niemanden, der lockeren Umgang mit lockerer Arbeitsauffassung verwechsle. „Allen hier ist bewusst, dass sich unser Erfolg nur über hohes Engagement und technologische Innovation halten lässt.“

Anfang des Jahrzehnts setzten Börsianer völlig überzogene Erwartungen in den E-Commerce und seine Protagonisten. Es folgte ein ebenso übertriebener Absturz. Mittlerweile glänzt der Handel per Mausklick mit solidem Wachstum. Letztes Jahr legte der Umsatz um 23 Prozent zu und kratzte an der 20-Milliarden-Euro-Grenze. Im Versandhandel gingen erstmals mehr als die Hälfte aller Bestellungen online ein. Zwei Drittel der Mitglieder im Bundesverband des Deutschen Versandhandels rechneten im letzten Herbst mit einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage. Folgerichtig wollen 81 Prozent verstärkt in den E-Commerce investieren.

Otto, der erfolgreichste Online-Händler unter den alteingesessenen Versandhändlern, liegt voll im Trend. Erstmals verdienten die Hamburger 2008 jeden zweiten Euro im Internet, rund 100.000 Euro pro Stunde. Mit 38 Prozent Zuwachs war E-Commerce das belebende Element im Konzern. Und so soll es weitergehen. Otto will seine E-Shopping-Strategie forcieren und sucht dafür IT-Fachkräfte. Sei es in Design und Produktentwicklung, wo Gestaltung und Nutzerführung in den Online-Shops im Fokus stehen, sei es in der „Systemkoordination“, die zu Ausbau und Weiterentwicklung der Internetplattformen technisches Know-how beisteuert, oder der Bereich „Operations“, der die Webportale ständig aktualisiert und die dabei fälligen Programmierarbeiten übernimmt.

Auch im Bereich Software-Entwicklung und Infrastruktur sucht der Konzern Experten, die mit Stichworten wie Application- und Webserver, J2EE, Java, C++ oder CML etwas verbinden und es als Herausforderung sehen, Sicherheitslösungen in einer Großrechnerumgebung mit leistungsstarken Unix-Plattformen zu integrieren oder das Netzwerk zwischen den mehr als 1.000 Standorten des Konzerns im In- und Ausland zu betreuen. „Unsere Devise lautet: Teamwork statt Tunnelblick“, sagt Michael Picard, Direktor Personal. Wer sein Berufsleben im E-Commerce bei Otto starte, arbeite mit Kollegen verschiedenster Disziplinen und Abteilungen zusammen. Auch in technischer Sicht sieht er spannende Zeiten nahen. „Wenn es zur Verschmelzung von Web-2.0-Features und den Möglichkeiten des Semantic Web kommt, wird sich im E-Commerce viel verändern, dann bekommen wir eine ganz neue Qualität der Bedienerfreundlichkeit“, ist er sicher. Wer dabei mitwirken will, kann sich als Trainee, Direkteinstieger oder schon als Praktikant bei Otto bewerben. Für herausragende Praktikanten hat das Unternehmen ein spezielles Programm entwickelt, das weitere Praktika, eine Abschlussarbeit- und wenn es gut läuft - eine Karriere im Konzern vorsieht.

Wachstum im E-Commerce

Über 30 Millionen Deutsche kaufen online ein, so der Bundesverband des Deutschen Versandhandels. Der Umsatz mit Waren und Dienstleistungen im Internet erreichte 2008 fast 20 Milliarden Euro, der E-Commerce-Umsatz in Deutschland wächst seit Jahren zweistellig. Auch die Online-Werbung legt laut Branchenverband Bitkom rasant zu: 23 Prozent Umsatzplus sorgten 2008 für ein globales Marktvolumen von knapp 32 Milliarden Euro.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 101, 2009, Seite 35