22. Juni 2009
Deutsche Fabrikate schnitten in Pannenstatistiken zuletzt immer besser ab - ein Erfolg straffen Qualitätsmanagements. Doch in der Krise setzt die Branche den Rotstift an. Schlechte Aussichten für angehende Qualitätsmanager. Vorerst. Denn spätestens, wenn die Fehlerquote steigt, werden sie wieder gefragt sein.
Allerbeste Qualität - das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, mit der sich Autohersteller dauerhaft gegen die weltweite Konkurrenz behaupten können. Kein Wunder also, wenn Unternehmen viel Wert auf ein gutes Qualitätsmanagement legen und dafür ständig auf der Suche nach guten Leuten sind. So war es zumindest noch im letzten Jahr. Doch jetzt in Krisenzeiten ist plötzlich alles anders. Nachdem die qualitative Übermacht der japanischen Hersteller gerade erst gebrochen ist, setzen Hersteller und Zulieferer den Rotstift an. In den vergangenen vier, fünf Monaten hat sich die Lage total verändert, sagt Hans Weber, Geschäftsführer der Weber Consulting GmbH. Seine Personalberatung ist auf den Bereich Qualitätsmanagement spezialisiert und gilt als führend, wenn es ums Vermitteln von Fach- und Führungskräften im Qualitätswesen geht. Weber berichtet von Einstellungsstopps bei fast allen Zulieferern, Kurzarbeit und von Entlassungen. Teils würden Qualitätsabteilungen sogar ganz aufgelöst. Die Nachfrage nach Fachkräften tendiert aktuell gegen null, sagt er.
Für Absolventen sieht es besonders schlecht aus. Gerade in der Qualitätsplanung, wo es in der Vergangenheit die meisten Einstiegspositionen gab, wird massiv gekürzt, berichtet der Experte. Bisher analysierten die jungen Qualitätsplaner die Risiken künftiger Serienanläufe. Sie einzusparen berührt das Tagesgeschäft also kaum. Doch die Unternehmen treiben ein gefährliches Spiel. Man wird in drei bis vier Jahren mit Produkten in Serie gehen, die nicht richtig geplant sind, warnt Weber. In der letzten Rezession sei es ähnlich gelaufen. Danach hätten Reklamationen und Rückrufe massiv zugenommen. Zulieferer und Hersteller erlitten enorme materielle Schäden und der Ruf von Autos Made in Germany litt. Für den Berater ist unverständlich, dass die Branche die alten Fehler wiederholt. Zugleich ist er überzeugt, dass der Stellenmarkt für Qualitätsmanager schnell in Schwung kommt, wenn sich die Fehler häufen.
Doch wie sollen Absolventen die Übergangszeit überbrücken? Die Hersteller und Zulieferer setzen im Qualitätswesen vermehrt auf Praktikanten. Absolventen sollten solche Angebote in der aktuellen Situation nutzen, rät Weber. Einerseits könnten sie Berufserfahrung sammeln, die sich auszahle, wenn es wieder aufwärts geht. Andererseits sei das Wissen um die konkreten Aufgaben und Prozesse in Unternehmen wichtig, um sich gezielt weiterzubilden. Im Qualitätswesen gebe es viele Facetten. Für Nachwuchskräfte sei Weiterbildung und Spezialisierung im Augenblick eine vernünftige Lösung.
Ein strategisch wichtiges Zukunftsfeld ist das Risikomanagement, weil davon künftig Kredite abhängen werden. Mit der ISO 31000 steht eine neue Norm vor der Tür, deren Umsetzung die Industrie laut Weber im Qualitätswesen aufhängen wird. Wer sich hier qualifiziert, kann seine Chancen mit Sicherheit verbessern, erklärt er. Dagegen warnt der Experte vor einer Flucht in die Selbständigkeit. Es wimmelt von erfahrenen, freiberuflichen Beratern, sagt er. Die Honorare seien im Keller. Ohne seltenes Spezialwissen und Referenzen sei kein Auftrag mehr zu bekommen.
Bleibt die Frage, wie es nach der Krise weitergeht. Im Normalfall sind die Aufstiegschancen im Qualitätswesen sehr gut, wirbt Weber. Es gebe wenige Absolventen, die sich wirklich für Qualitätsfragen interessieren. Doch die Aufgaben sind gewaltig. Fehler toleriert die Branche im ppm-Bereich - also parts per million. Um liefern zu dürfen, müssen Zulieferer ausführliche Audits und unangekündigte Kontrollen über sich ergehen lassen. Tauchen Mängel auf, kann es den Lieferantenführerschein kosten. Mit diesem strengen Regiment haben die Hersteller mühsam Fehlerquellen in ihren globalen Lieferketten trockengelegt. Wenn die Branche die Missernte ihrer jetzigen Sparmaßnahmen einfährt, kann sich der Bedarf an Qualitätsplanern und -wächtern schlagartig erhöhen. Dann wird es schnell wieder einen Mangel an Fach- und Führungskräften geben, ist Weber überzeugt.
Wichtige Adressen
Infos, Jobbörse und Karrieretipps rund ums Qualitätswesen bietet das QM-Infocenter unter der Webseite http://www.qm-infocenter.de. Renommierte Weiterbildungsanbieter für Qualitätswesen sind neben TÜV und DEKRA die Deutsche Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ, http://www.dgq.de ), das Bureau Veritas ( http://www.bvtraining.de ) und die Vorest AG ( http://www.vorest-ag.com/de/ausbildungswelt ). Vielfältige Infos und Schulungen gibt es außerdem beim Qualitäts Management Center (QMC) des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) unter http://www.vda-qmc.de.