13. Oktober 2009
Die staatlichen Forschungsausgaben steigen. Mit ihnen wächst der Bedarf an engagierten Wissenschaftsmanagern. Neben Unis und Forschungsorganisationen bieten Projektträger interessante Stellen für Betriebswirte und Naturwissenschaftler mit Managementambitionen. Sie koordinieren geförderte Forschungsvorhaben, überwachen deren Qualität und sind als Förderberater aktiv.
Motivierte Führungskräfte mit Verständnis für Fördermechanismen und Interessenlagen im Wissenschaftsbetrieb werden immer wichtiger. Um Struktur in die zuletzt stark wachsenden Mitarbeiterapparate der Unis und Forschungsorganisationen zu bringen, um die benötigten Drittmittel einzuwerben und natürlich, um die Teilnahme an nationalen und internationalen Forschungs- und Förderprogrammen zu organisieren. Wissenschaftler müssen nicht nur fachlich am Ball bleiben, sondern auch organisatorisch den Überblick behalten. Es gehört zu ihren Aufgaben, Förderanträge zu schreiben, Unternehmen und Institutionen ihr Know-how anzubieten und Kooperationen einzuleiten. Kurz: Karriere im Wissenschaftsbetrieb machen heute vor allem fachlich exzellente Netzwerker, die Managementaufgaben übernehmen.
Wer in dieses Raster passt, hat gute Karrierechancen. EU, Bund und Länder sind sich einig, mehr in Forschung investieren zu müssen. Und sie machen Ernst. So gibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) dieses Jahr erstmals mehr als 10 Milliarden Euro aus - ein Drittel mehr als 2005. Die EU hinkt ihrem Lissabon-Ziel zwar hinterher, wonach nächstes Jahr 3 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) in Forschung und Entwicklung fließen sollen. Doch am Brüsseler Haushalt liegt es nicht. Das aktuelle Rahmenprogramm verfügt über 54,4 Milliarden Euro von 2007 bis 2013, was gegenüber dem Vorläufer auf eine Budgetsteigerung um satte 60 Prozent jährlich hinausläuft. Um das Lissabon-Ziel nachträglich zu erreichen, so rechnet die EU-Kommission vor, müssen die EU-Staaten ihre öffentliche Forschungsquote um durchschnittlich 6,5 Prozent jährlich steigern.
Doch Geld nützt nur, wenn es qualifiziert verteilt wird. Hier kommen Projektträger ins Spiel. Sie sind die Drehscheibe zwischen Förderern und Geförderten. Als Dienstleister erledigen sie für Ministerien die fachliche und administrative Ausgestaltung der Förderung. Wenn die Politik Akzente setzen will, stehen ihnen die Träger beratend bei, arbeiten die Programme mit aus und setzen sie um. Dazu gehören die Vorbereitung von Förderentscheidungen samt Ausschreibung, die Projektbegleitung und die Erfolgskontrolle. Zusätzlich beraten die Träger Antragsteller und lotsen Unternehmen und Hochschulen zu Förderangeboten. Das alles setzt hochqualifizierte Mitarbeiter voraus, die Forschungsvorhaben bewerten können und den nötigen Weitblick haben, um Programme weiterzuentwickeln.
Projektträger sind als wichtige Player in der Forschungslandschaft bekannt. Doch dass sie attraktive Arbeitsplätze für Naturwissenschaftler und Betriebswirte bieten, fällt oft unter den Tisch. Allein der Projektträger am Forschungszentrum Jülich (PtJ) hat 2008 100 Stellen für Naturwissenschaftler und Betriebswirte ausgeschrieben. Dieses Jahr haben wir bereits 60 Stellen besetzt und planen 30 weitere Einstellungen, erklärt Bernd Spindler, Leiter des Fachbereichs Personalentwicklung am Forschungszentrum Jülich. Von gut 450 Mitarbeitern des PtJ seien 230 Wissenschaftler und 150 betriebswirtschaftliche Mitarbeiter.
Der Jülicher Projektträger arbeitet für diverse Landes- und Bundesministerien und zunehmend für die EU. Unsere Mitarbeiter sind stets an vorderster Front des Forschungsgeschehens, wirbt Spindler. In ihrem Technologiebereich müssen sie auf Augenhöhe mit Experten aus Ministerien, Industrie und Forschung diskutieren. Der Umgang mit erfahrenen Antragstellern setzt Selbstsicherheit und fachliche Expertise voraus. Dennoch sind junge Bewerber gefragt. Wir sind heute groß genug, um eine gute Mischung aus Einsteigern und Berufserfahrenen rekrutieren zu können, sagt der Personalentwickler. Absolventen sollten einen Master oder eine Promotion und möglichst erste Erfahrung mit Drittmittelförderung mitbringen. Vor allem aber sind Spaß an Kommunikation und ein Hang zum Management gefragt. Sie sollten die Forschung lieber aus der Vogelperspektive beobachten, als selbst im Labor stehen zu wollen, erklärt er.
Um Naturwissenschaftler für den administrativen Part fit zu machen und bei Betriebswirten Verständnis für Forschungsthemen zu wecken, gibt es Einarbeitungsprogramme und interne und externe Entwicklungsprogramme. Einer unserer Mitarbeiter hat die Helmholtz-Akademie für Führungskräfte absolviert, berichtet Spindler (siehe Kasten). Er sei inzwischen Fachbereichsleiter.
Mit den steigenden staatlichen Forschungsausgaben entwickeln sich auch die Projektträger dynamisch. Einsteiger bei PtJ haben beste Aussichten, nach einer zweijährigen Befristung langfristig übernommen zu werden. Das ist bei uns anders als in vielen anderen Bereichen der Forschung die Regel, so der Personalentwickler. Das Gesamtpaket scheint zu stimmen. Laut einer aktuellen Mitarbeiterumfrage würden weit über 80 Prozent sofort wieder bei dem Träger anheuern. Dazu dürften auch die guten Aufstiegschancen beitragen: Jüngst haben die Jülicher ihr eigenes Programm für Nachwuchsführungskräfte aufgelegt. Es sind inzwischen so viele, dass sich diese Maßnahme lohnt, erklärt Spindler.
Wichtigste Projektträger auf einen Blick
Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt
Mitarbeiter: rund 730
Betreutes Fördervolumen: rund 750 Millionen Euro jährlich
Standort: Bonn
http://www.pt-dlr.de
Projektträger Jülich am Forschungszentrum Jülich GmbH
Mitarbeiter: gut 450
Betreutes Fördervolumen: circa 780 Millionen Euro jährlich
Standort: Jülich
http://www.fz-juelich.de/ptj
Projektträger Forschungszentrum Karlsruhe
Mitarbeiter: knapp 100
Betreutes Fördervolumen: über 100 Millionen Euro jährlich
Standort: Eggenstein-Leopoldshafen
http://www.fzk.de/ptka
Außerdem:
Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen Otto v. Guericke, Köln, Berlin
http://www.aif.de VDI Technologiezentrum GmbH, Düsseldorf http://www.vditz.de/pt
VDI/VDE Innovation + Technik GmbH, Berlin
http://www.vdivde-it.de
TÜV Rheinland Consulting GmbH - Forschungsmanagement, Köln
http://www.tuvpt.de
Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) mbH, Köln
http://www.grs.de/ptr
EuroNorm GmbH, Berlin
http://www.euronorm.de
Gesellschaft für Schwerionenforschung mbH, Darmstadt
http://www.gsi.de/gsi-pt
Projektträger DESY, Hamburg http://pt.desy.de
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V., Gülzow
http://www.fnr.de