20. Oktober 2008
Je knapper die Ölvorräte und je höher der Ölpreis, desto interessanter werden Hybridantriebe, Erd- und Autogasfahrzeuge oder Elektroautos. Kein Wunder also, dass es hinter den Kulissen der Branche brodelt. Autohersteller, Entwicklungsdienstleister und Zulieferer stehen vor einer Herkulesaufgabe und suchen Hochschulabsolventen, die den Umbruch unter dem heiligen Blech vorantreiben.
VW wächst und elektrifiziert
VW-Chef Martin Winterkorn ist entschlossen: Wir wollen als erster Hersteller eine abgasfreie, sichere und bezahlbare Großserienlösung anbieten. Voraussichtlich wird der neue Kleinwagen UP auch als Stromer zu haben sein. Hybride sind ebenfalls angekündigt. Nebenher treiben VW-Entwickler Erd- und Autogasantriebe voran, um die Vorteile dieser Kraftstoffe im effizienten Magerbetrieb auszuschöpfen. Auch synthetische Biokraftstoffe treiben die Forscher um. Mit neu designten Kohlenwasserstoffketten sollen sie die Hochzeit zwischen Diesel- und Ottotechnik möglich machen.

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Für solche Entwicklungsfelder braucht der Konzern Nachwuchs, den er früh kennenlernen möchte. Über 2.000 Praktika, Praxissemester, Diplomarbeiten und Doktorandenstellen jährlich bietet VW in Deutschland. Als Schmankerl gibt es neuerdings leistungsbezogene Boni. Praktikanten können bis zu 750 Euro monatlich verdienen, Doktoranden sogar bis zu 2.400 Euro. Letztere bildet Volkswagen an der eigenen Auto-Uni weiter.
Wir stellen dieses Jahr weltweit 2.650 Hochschulabsolventen und 3.000 Berufserfahrene ein, erklärt ein Unternehmenssprecher. Die Einsteiger starten als Trainees in zwei unterschiedlichen Programmen. StartUp Direct bietet Absolventen die Option, einen Fachbereich zwei Jahre lang an verschiedenen Standorten zu ergründen. Trainees im sechs Monate kürzeren StartUp Cross bearbeiten Projekte im In- und Ausland quer durch alle Konzernbereiche. Zielgruppe sind überdurchschnittliche Absolventen technischer und kaufmännischer Fächer. Beide Programme zielen auf bessere interne Vernetzung. Um seine hochgesteckten Wachstumsziele (beinahe Verdopplung der Fahrzeugproduktion bis 2018) trotz rasanter technologischer Umbrüche zu erreichen, will sich VW in hohem Tempo zu einer lehrenden und lernenden Organisation entwickeln.
Opel: Absolventen für Elektrik, Elektronik und Powertrain gesucht
Ein spannendes Elektrifizierungskonzept verfolgt GM/Opel. Der Volt ist ein Elektroauto mit etwa 60 Kilometern Reichweite. Um den Bewegungsradius zu erhöhen, dient ein kleiner Verbrennungsmotor an Bord als Notstromaggregat. Er läuft quasi stationär im optimalen Lastbereich, was Verbrauch und Emissionen minimiert. Um 2011 soll der Volt auf den Markt. Schon heute ist Opel führend bei Erdgasantrieben, die der Hersteller konsequent auf effizienten Gasbetrieb ausgelegt hat.
Aktuell hat Opel zahlreiche Ingenieurstellen zu besetzen. Wir stellen Berufserfahrene, aber auch viele Hochschulabsolventen ein, so Maria Zepper, Direktorin der Personalabteilung. Das Gros der Stellen gebe es im Bereich der alternativen Antriebe. Nach 100 Jahren Verbrennungsmotor erleben wir nun eine Phase technologischer Diversifizierung, in der sich neue Antriebskonzepte durchsetzen werden, sagt Martin Petermann vom Opel-Entwicklungszentrum Rüsselsheim. Für diesen Umbruch baue Opel primär in den Bereichen Elektrik, Elektronik und Powertrain Know-how auf. Entwickler arbeiten in weltweiten Netzwerken des Konzerns an Elektrofahrzeugen à la Volt, Brennstoffzellenfahrzeugen, Hybriden oder Gaskonzepten. Jungingenieure, die sich im Studium auf diese Bereiche spezialisieren, haben beste Einstiegschancen, so der Entwickler. Auf sie warte ein spannender Entwicklungsprozess mit Kollegen aus vielen Kulturen und Disziplinen. Diese global vernetzte Entwicklung mache Spaß, sei aber auch Herausforderung für jeden Einzelnen. Unsere Einsteiger lernen, über alle Distanzen hinweg zu überzeugen, sagt er.
Opel selbst tut seinen Teil, um Studenten auf die Anforderungen vorzubereiten. Wir bieten verstärkt Praktika und Diplomarbeiten an, sagt Zepper, und fördern im sogenannten PACE-Programm weltweit technische Hochschulen. Solche gezielten Kontakte sind zentrale Recruitmentstrategie. Daneben bietet Opel im neunmonatigen Graduate Programm auch Unentschlossenen die Chance, den Konzern kennenzulernen. Führungskräfte entwickelt Opel in der Regel aus den eigenen Reihen. Wer mit guter Leistung auffällt, bekommt gezielte Weiterbildungsangebote und definiert mit seinen Vorgesetzten künftige Ziele.
Li-Tec: Ein Batterie-Start-up macht mobil
Die Hoffnungen elektrischer Antriebskonzepte ruhen auf Lithium-Ionen-Batterien. Die Li-Tec Battery GmbH & Co. KG im sächsischen Kamenz entwickelt sie. Herzstück und Kernkompetenz des jungen Unternehmens ist eine hauchdünne Keramikmembran. Sie verhindert, dass die Hochleistungsbatterien überhitzen und explodieren. Li-Tec hat bereits über 100 Beschäftigte und liefert bislang Batteriezellen für Boote oder autarke Solaranlagen. Daneben ist sie in eine Allianz mit diversen Autoherstellern und Zulieferern eingebunden. Die Vorbereitungen für Fahrzeugeinsätze laufen auf Hochtouren. Kurzfristig könnte das moderne Kamenzer Werk zwei Millionen Batteriezellen jährlich fertigen - Erweiterungen sind in Planung.
Um die Batterien für die Autoindustrie zu qualifizieren und zu modifizieren, baut Li-Tec Personal auf. Wir suchen etwa 20 Hochschulabsolventen und Young Professionals jährlich, vor allem Ingenieure aus Elektrotechnik, Maschinenbau/Konstruktion, Automatisierungstechnik sowie Chemiker und auch Physiker, erklärt Tim Schäfer, Head of Strategic Coordination. Wie in kleinen Betrieben üblich, sind Multitalente gefragt. Sie sollten sowohl die Fähigkeit besitzen, in ihrem Bereich mehrere Bälle in der Luft zu halten, als auch betriebswirtschaftliches Verständnis und Organisationstalent mitbringen.
IAV - Entwicklungsgesellschaft mit geballter Hybrid-Kompetenz
Das frisch überarbeitete Karriereportal der Ingenieurgesellschaft Auto Verkehr (IAV) verkündet den ungebrochen hohen Personalbedarf des Entwicklungsdienstleisters. Rund 360 Stellen sind zu besetzen, rund 200 davon für Absolventen vor allem aus Mechatronik, Maschinenbau und Elektrotechnik. Das Unternehmen ist bei Hybrid-, Elektro- und Erdgasfahrzeugprojekten diverser Hersteller an vorderster Front dabei. Unsere Entwickler haben den Vorteil, dass sie sich voll und ganz auf fachliche Fragen konzentrieren können, erklärt Personalreferent Dr. Bernhard Hayn. Das trägt offensichtlich zu hoher Mitarbeiterzufriedenheit bei: 2 Prozent Fluktuation zeugen davon, dass die IAV mitnichten ein Durchlauferhitzer für Jungingenieure ist. Der Personalaufbau gründet auf zügigem Wachstum.
Im Bereich alternativer Antriebe baut die IAV mittlerweile auf 20 Jahre Erfahrung. Schon Ende der achtziger Jahre trieb sie Hybrid- und Elektrokonzepte voran. Die Entwickler von damals leiten heute die Fachbereiche und Entwicklungsprojekte. Auch das ist Programm bei der IAV. Führungspositionen, die sich angesichts des galoppierenden Wachstums häufig auftun, besetzt das Unternehmen vor allem aus den eigenen Reihen. Ambitionierte Mitarbeiter können sich ihrer persönlichen Neigung entsprechend zwischen Projekt-, Führungs- oder Fachlaufbahnen entscheiden, so Hayn. An der Zukunftssicherheit der Stellen hat er keinerlei Zweifel. Wegen des hohen Kostendrucks lagerten die Autohersteller immer mehr Entwicklungsaufgaben aus. Statt ihre eigenen Entwicklungsabteilungen aufzublähen, kaufen sie projektweise Know-how der hoch spezialisierten Dienstleister und personelle Ressourcen zu. Großer Vorteil der Dienstleister ist ihre Bandbreite an Kunden und Themen. Wenn ein Bereich oder Kunde lahmt, starten andere durch, so Hayn.
Continental: Alternative Antriebe schaffen viele Stellen
Wenn Mercedes nächstes Jahr seine S-Klasse Hybrid auf den Markt bringt, wird dies auch ein Erfolg für Continental. Denn ein Gutteil des Konzepts haben die Entwickler des Zulieferers ersonnen. Conti bietet einen Hybrid-Baukasten, mit dem Hersteller quasi von der Stange zwischen 20 und 70 Kilowatt elektrische Leistung integrieren können. Mit sogenannten Mild-Hybrids ist der Zulieferer schon seit 2003 in Serie. In der Entwicklungsabteilung laufen zudem konkrete Projekte für Elektrofahrzeuge.
Gerade im Bereich Antriebsstrang und elektrische Antriebe haben wir großen Bedarf an Fachleuten, erklärt Sehnaz Özden, Leiterin Employer Branding & Recruiting des Konzerns. Continental suche speziell in Deutschland Absolventen und Young Professionals, vor allem aus E-Technik, Mechatronik und Maschinenbau. Weltweit sind 1.200 Stellen für Hochschulabsolventen offen. Gesucht sind solide ausgebildete Jungingenieure. Laut Özden zählt Persönlichkeit mehr als Spezialisierung. Einsteiger bekommen bei uns ohnehin noch eine gründliche fachliche Ausbildung, berichtet sie. Die ersten zehn Monate im Unternehmen absolvieren sie ein Corporate Entry Program, in dem sie Handwerkszeug etwa zur aktiven Teilnahme an Mitarbeitergesprächen oder fürs Projektmanagement an die Hand bekommen und ihre Qualifikation über Fachgrenzen hinweg vertiefen. Das Entwicklungsprogramm bietet auch die Chance, für den Talent Development Process nominiert zu werden, in dem Conti angehende Führungskräfte identifiziert und fördert. Der Talent Development Process versteht sich als Ergänzung zum wichtigsten Lern- und Entwicklungsfeld: der täglichen Arbeit, betont Özden. Denn an ihren Aufgaben in funktions- und divisionsübergreifenden internationalen Projekten würden die Mitarbeiter natürlich besonders wachsen.
Die Integration von Siemens VDO ist weit gediehen. Laut Özden ist Continental mit VDO erst richtig global geworden. Wir regen Mitarbeiter dazu an, innerhalb des Unternehmens zu wechseln, um die interne Vernetzung und Durchmischung unserer Kulturen voranzutreiben, sagt sie. Der internationale Austausch sei ein wichtiges Mittel der Personalentwicklung und eröffne Mitarbeitern immer wieder die Chance, bereits in jungen Jahren Managementaufgaben im Ausland zu übernehmen.
Bosch: 3.000 Absolventen als Direkteinsteiger oder Trainees gesucht
In Projekthäusern Hybrid und Batterie treibt Bosch die Entwicklung alternativer Antriebe voran. In einem Joint Venture mit Samsung SDI steigt der Zulieferer ab 2011 selbst in die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien ein. Ziel ist es, Gesamtpakete von der Batterie über das Batteriemanagement bis zur Integration in Hybrid- und Elektrofahrzeugen anzubieten. Schon heute laufen bei Bosch einige Hybrid-Serienprojekte mit verschiedenen Herstellern. Zusätzlich entwickelt der Geschäftsbereich Gasoline Systems Antriebe und Komponenten für alternative Kraftstoffe von Erdgas über Bioethanol bis Wasserstoff.
Wir sehen dieses Engagement vor allem als Investition in die Zukunft, sagt Wolf-Henning Scheider, Vorstandschef im Bereich Gasoline Systems. Noch mindestens 20 Jahre würden Benziner und Diesel den Weltmarkt dominieren. Für Absolventen tun sich dennoch schon Chancen in den Zukunftsfeldern auf. Insgesamt will Bosch hierzulande bis Ende nächsten Jahres 3.000 Einsteiger einstellen, davon 80 Prozent Ingenieure und Naturwissenschaftler. Allein dieses Jahr sollen 700 von ihnen im Automotive-Bereich unterkommen. In der Regel steigen sie direkt ein. Talenten mit Führungsambitionen bietet das Unternehmen ein 18- bis 24-monatiges Traineeprogramm, in dem sie an vier bis sechs Standorten im In- und Ausland in verschiedenen Funktions- und Geschäftsbereichen arbeiten. Die Trainees starten individuell und bekommen unbefristete Verträge.
ZF: auf der Suche nach Entwicklern für Hybrid & Co.
Um sparsamere Autoantriebe ringen Entwickler der ZF Friedrichshafen AG schon lange. Optimierte Fahrwerke und Getriebe senken den Verbrauch um wichtige Prozente. Längst hat der Zulieferer auch Komponenten für Hybridantriebe im Angebot. Vom Starter-Generator für Start-Stoppsysteme über E-Maschinen bis zum Automatgetriebe mit integriertem Hybridmodul. Auch reine Elektroantriebe stehen bei ZF auf der Agenda.
Gerade im Hybridbereich sind die Einstiegschancen sehr gut, erklärt Marcus Ladner, der bei ZF das Hochschulmarketing verantwortet. Elektrifizierung ist auch bei Nutzfahrzeugen sowie bei Land- und Baumaschinen ein heißes Thema - und ZF entwickelt die benötigte Technik. Der Konzern stellt seit Monaten kräftig ein und sucht aktuell weitere 250 Ingenieure vor allem aus Maschinenbau, Elektronik, Elektro- und Fahrzeugtechnik. Sie erwartet vernetzte Entwicklungsarbeit, in der die 700 Mitarbeiter der zentralen Entwicklungsabteilung Friedrichshafen eng mit den 4.000 spezialisierten Entwicklern der Konzerntöchter kooperieren.
Besonders talentierte Bewerber bereitet ZF in einem Traineeprogramm auf Führungsaufgaben vor. Teilnehmer bearbeiten in 15 Monaten drei Projekte im In- und eines im Ausland. Voraussetzungen: überdurchschnittlicher technischer oder wirtschaftlicher Hochschulabschluss, anspruchsvolle Praktika und Studienarbeiten sowie erste Auslandserfahrung. Im Assessment-Center sollten Bewerber zudem sicheres Auftreten und ihr offenes Wesen unter Beweis stellen.