10. Dezember 2007
Die ersten Jobmessen wurden von studentischen Initiativen veranstaltet. Bis heute sind diese Selfmade-Veranstaltungen bei Unternehmen und jungen Akademikern beliebt. Nicht zuletzt wegen ihrer eigentümlichen Atmosphäre.
Zwei Wochen vorher beginnt die heiße Phase. Alles dreht sich dann nur noch um den Messeaufbau, die Organisation des Rahmenprogramms und die Wünsche der Unternehmen, sagt Sebastian Steinhaus. Der Geschichtsstudent gehört zum 35-köpfigen Team, das für den kommenden Mai die Unternehmenskontaktmesse Konaktiva an der TU-Darmstadt organisiert - ehrenamtlich. Für rund die Hälfte von ihnen ist es das erste Mal. Sebastian Steinhaus konnte bereits Erfahrung sammeln. Im vergangenen Jahr war er Pressebetreuer, diesmal leitet er das Messeteam. Er muss den Überblick wahren, wenn 13.000 Studierende auf 200 Unternehmen stoßen.
Ein Merkmal von studentischen Messen ist, dass das Veranstalter-Team rotiert. Mit der Folge, dass die Qualität der Organisation schwankt. Mal ist sie absolut professionell, mal etwas chaotisch. Das hängt ganz von den Leuten ab, die gerade am Ruder sind, sagt Georg-Johann Bachmaier, Recruiting-Leiter bei der Deutschen Bank. Beispielsweise könne passieren, dass wegen fehlender Abstimmung mit den relevanten Fachbereichen der Messetermin mit anderen Veranstaltungen oder Klausurterminen kollidiere und die Studenten gar keine Zeit hätten, die Messe zu besuchen.
Trotzdem stehen die studentisch organisierten Messen bei den Personalern hoch im Kurs. Wenn sie an einer Uni mit einer renommierten wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät stattfinden, treffen wir dort auf viele interessante Leute, sagt Bachmaier. Manche Personaler schätzen auch die persönliche Atmosphäre. Es geht ungezwungener zu als bei Messen, die von Unternehmen organisiert wurden. Die Stände sind nicht so aufgemotzt, dafür gibt es aber selbstgebackenen Kuchen, sagt Sehnaz Özden, Recruiting-Leiterin beim Reifenhersteller Continental. Auch der Durchgangsverkehr auf den Uni-Messen stört die Personalerin nicht. Im Gegenteil: Dass Studierende in Jeans und Turnschuhen nach der Mensa oder dem Seminar einfach mal vorbeigeschlendert kommen und aus reiner Neugier an unserem Stand Halt machen, finden wir gut. So kriegen wir direkten Kontakt zu einer extrem hohen Zahl von Studenten. Echte Bewerbungsgespräche blieben aber die Ausnahme.
Deutsche-Bank-Manager Bachmaier bestätigt: Auf den studentisch organisierten Messen geht es uns in erster Linie darum, uns als Arbeitgeber zu präsentieren. Weniger um konkrete Rekrutierung.
Wenn Studenten Jobmessen organisieren, ist die Motivation meist hoch: Wir wollen den kommerziellen Messeveranstaltern in nichts nachstehen und am liebsten alles noch besser machen, sagt etwa Moritz Wüstrich, Vorstand der internationalen Studentenorganisation Aiesec, die bundesweit 15 Messen im Jahr organisiert. Fast alle Initiativen legen Wert auf ein gutes Rahmenprogramm: Workshops, Runde Tische und Einzelgespräche mit Personalern gehören zum Standard. Darüber hinaus hat fast jede Messe etwas ganz Besonderes zu bieten.
Fokus Mittelstand: Firmenkontaktmesse Kiss Me in Hannover
Damit die Studenten, die auf die Kiss Me gehen wollen, auch bestens vorbereitet sind, hat das Hannoveraner Messeteam den Tag der Bewerbung ins Leben gerufen. Der startet immer zwei Wochen vor dem eigentlichen Event, auf dem rund 500 Ingenieure und Naturwissenschaftler auf 50 Aussteller treffen. Dann schaut sich ein Personaler kostenlos die Bewerbungsmappe an oder gibt Tipps zum Outfit, sagt Sebastian Schulze-Luckow, Leiter der Kiss Me. Der Maschinenbauer gehört seit gut zwei Jahren zum 15-köpfigen Team, das die Messe im Lichthof der Leibniz Universität Hannover organisiert. Das Kiss-Me-Team konzentriert sich neuerdings verstärkt auf mittelständische Unternehmen, weil diese anders als die großen Unternehmen oft konkrete Jobs und Praktika im Angebot hätten. Studenten, die Einzelgespräche wünschen, können sich online bei den Kiss-Me-Organisatoren bewerben, die sich dann um den Kontakt zum Unternehmen kümmern.
Termin: November 2008
Kontakt: http://www.kissme-hannover.de
Keine Zeit für Floskeln:
die Konaktiva in Darmstadt
Sagen Sie mal, wie sieht es mit meiner Karriere in Ihrem Unternehmen aus, wenn ich ein Kind bekomme? Die Fragen, die Studenten auf der Jobmesse Konaktiva beim Kontest Studenten testen Unternehmen stellen, sind häufig brisant. Gerichtet sind sie an fünf Unternehmensvertreter einer Branche, die auf dem Podium sitzen und möglichst ehrlich und originell antworten sollen. Man lernt eine Menge, weil die Personaler so spontan kaum eine Chance haben, nur leere Worthülsen von sich zu geben, sagt Messe-Organisator Sebastian Steinhaus. Der Kontest ist ein Programmpunkt der Konaktiva, die rund 35 Studenten der TU Darmstadt nun schon zum 20. Mal ehrenamtlich organisieren. An drei Tagen können sich 13.000 Maschinenbauer, Juristen, Chemiker, Informatiker, Architekten, Gesellschaftswissenschaftler und Historiker bei rund 200 Ausstellern nach Jobs und Praktika im Messezelt auf dem Karolinenplatz erkundigen. Es sind auch Einzelgespräche in separaten Einzelkabinen vorgesehen. Dafür bewerben sich die Studierenden im Vorfeld beim Konaktiva-Team mit ihrem Lebenslauf.
Termin: 6. bis 8. Mai 2008
Kontakt: http://www.konaktiva.tu-darmstadt.de
Ingenieure und Naturwissenschaftler gesucht: die Bondings
Firmen-Akquisition haben die Bondings kaum mehr nötig. 90 Prozent der Unternehmen schreiben uns an, weil sie unbedingt dabei sein möchten. Dabei handelt es sich um die wichtigsten deutschen Unternehmen, sagt Annika Lauterbach von der Bonding-Firmenkontaktmesse. Die Events, die an zwei oder drei Tagen stattfinden, gibt es seit 20 Jahren, mittlerweile an elf bundesweiten Universitäten. 40 Studierende bilden jeweils eine lokale Gruppe, die sich um die Messe kümmert. Die Veranstaltungen mit bis zu 214 Ausstellern richten sich an Ingenieure und Naturwissenschaftler und ziehen bis zu 5.000 Besucher an. In den sogenannten Warm-up-Wochen im Vorfeld der Messe klären die Organisatoren nach vorheriger Anmeldung Fragen rund um das Vorstellungsgespräch, den Lebenslauf und die Mappe.
Termine: Elf Veranstaltungen in verschiedenen Städten über das Jahr verteilt.
Kontakt: http://www.bonding.de
Nur ausgewählte Unternehmen:
die bundesweite Aiesec
Nie mehr als 30 große deutsche Unternehmen präsentieren sich auf einer Aiesec-Messe. Wir wollen klein und überschaubar bleiben, sagt Moritz Wüstrich von Aiesec, jener Studentenorganisation, die 1969 die erste Jobmesse in Deutschland veranstaltete. Die Aiesecs haben einen Bundesvorstand und sogenannte Lokalkomitees, die gemeinsam die Messen an rund 15 deutschen Hochschulen organisieren. Das Karriereforum richtet sich in erster Linie an BWLer und VWLer. Bei der Auswahl der Aussteller wird darauf geachtet, welche Unternehmen zur inhaltlichen Ausrichtung des jeweiligen Fachbereichs besonders gut passen. Die Aiesec-Messen finden immer auf dem Uni-Gelände statt. So kommen auch Studierende vorbei, die sich sonst nicht auf eine Messe trauen würden, sagt Wüstrich.
Kontakt: http://www.aiesec.de
Drei Messen in einer Stadt:
die Münchener Recruiting Allianz
Die Messen der Münchener Hochschulen haben sich 2003 unter dem Namen Münchener Recruiting Allianz zusammengetan. Zu dem Verbund gehören die Ikom der TU München, die Hoko der FH München sowie das Firmenkontaktgespräch der LMU München.
Die dreitägige Ikom richtet sich an Studierende der Naturwissenschaften, Biotechnologie, Pharmazie und Wirtschaftswissenschaften. Die 50 Organisatoren der Ikom versuchen verstärkt, direkte Kontakte zwischen Unternehmen und Studenten herzustellen. Auf der diesjährigen Messe, die 10.000 Besucher mit 180 Unternehmen zusammen-brachte, wurden immerhin 120 Einzelgespräche zwischen Studierenden und Unternehmen vermittelt. Die Messe-Organisatoren organisieren darüber hinaus Exkursionen zu den Unternehmen.
Die Hoko spricht in erster Linie Wirtschaftsingenieure, Maschinenbauer und Elektrotechniker an. Durchschnittlich 114 Unternehmen, wie Audi, BMW oder auch die Wirtschaftsprüfer Ernst & Young, wollen vor Ort mit Studenten in Kontakt treten. Einzelgespräche werden auf der Hoko nicht vermittelt, stattdessen halten Firmen Vorträge über die Karriereverläufe in ihrem Unternehmen.
Beim Firmenkontaktgespräch auf dem Campus der LMU können neben BWLern auch Informatiker und Geisteswissenschaftler Kontakte zu Personalern suchen. Wer auf die Messe der LMU möchte, muss sich im Vorfeld beim Team anmelden. Auch sind Einzelgespräche und Workshops geplant, für die man sich online akquirieren kann. Zusätzlich lädt die LMU am 29. Mai 2008 zur Juristenmesse 2008 ein. Dann präsentieren sich 28 Kanzleien und 100 Unternehmen, die für Juraabsolventen von Interesse sein könnten.
Termine: Ikom: 24. bis 26.6.2008
Hoko: November 2008
Firmenkontaktgespräch: 27. bis 28.5.2008
Juristenmesse: 29.5.2008
Kontakt:
http://www.ikom.tum.de
http://www.hoko-online.de
http://www.wasti.de
Workshop für die unteren Semester:
die Contact in Nürnberg
Absolventen der Technischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sind begehrt. So sehr, dass sich Firmen darum reißen, einen der rund 60 Ausstellerplätze auf der Contact zu bekommen. Das Problem: Viele Studenten, die vor dem Diplom stehen, haben schon einen Job in der Tasche und finden es nicht mehr notwendig, unsere Messe zu besuchen, sagt Michael Heinemann, Student der Informations- und Kommunikationstechnik und Leiter der Contact. Deshalb soll die Messe nun einen exklusiveren Touch bekommen. Wer jetzt dabei sein will, muss sich anmelden, sagt Heinemann. Vorträge von Personalern sollen den Studierenden nahebringen, wie man sich bewirbt und auch in Assessment-Centern besteht. Dabei möchte er vor allem die unteren Semester erreichen: Die können sich auf der Messe für Praktika bewerben und erfahren zudem frühzeitig, worauf ihre potentiellen Arbeitgeber Wert legen.
Termin: November 2008
Kontakt: http://www.contact-messe.de