12. Dezember 2009

Arbeiten bei den Kleinen

Schnelle Einstiege, kurze Aufstiege

Von Anne Götz




18. Juni 2007 
Berufseinsteiger finden in den meist mittelständisch geprägten IT-Unternehmen ein besonders persönliches Arbeitsumfeld vor. Die Hierarchien sind flach, die Verantwortung ist groß. In der Branche läuft es gut, und die Mittelständler suchen verstärkt nach neuen Mitarbeitern. Einziger Nachteil: Große Karrieresprünge kann man hier nicht machen.

Pascal Gugenberger hat ein Programm entwickelt, das den Berlinern das Kinoprogramm nach Hause bringt. Seine Software erfasst die Termine und übersetzt sie in die verschiedenen Formate, in denen es die Medien publizieren. „Als ich die Software entwickelt habe, war ich gerade erst ein paar Wochen bei meinem Arbeitgeber Infopark“, sagt Gugenberger. „Schon toll, dass ich damals direkt so eigenverantwortlich arbeiten konnte. Und ein Jahr später war ich schon Abteilungsleiter“, erzählt der Entwickler.

Eine Karriere wie die von Pascal Gugenberger ist typisch für die Angestellten mittelständischer Software-Unternehmen. Die Hierarchien sind flach und bieten den Mitarbeitern schnelle Aufstiegsmöglichkeiten. Viele Berufseinsteiger können schon nach wenigen Jahren eine beachtliche Karriere vorweisen. „Neueinsteiger können bei uns bereits nach wenigen Monaten zum Projektleiter aufsteigen, wenn sie die geforderten Leistungen bringen. Dadurch erhöht sich natürlich auch ihr Einkommen“, sagt Dirk Nettersheim, Geschäftsführer und Personalleiter der GUS Deutschland GmbH aus Köln, die seit 25 Jahren Software zur Unternehmenssteuerung anbietet. Lang ist die Karriereleiter bei den Mittelständlern allerdings nicht: Auf den Entwickler folgt in der Rangordnung direkt der Abteilungsleiter, der selbst nur noch dem Geschäftsführer unterstellt ist.

Die flachen Hierarchien sorgen für ein entspanntes Arbeitsklima bei Mittelständlern. In vielen kleinen Unternehmen duzt man sich - auch den obersten Chef - und löst Probleme schon mal beim gemeinsamen Mittagessen. „Bei uns gilt das Prinzip des Round Table: Da werden nach Feierabend in gemütlicher Runde bei Häppchen und einem Glas Rotwein Themen besprochen, die den Mitarbeitern am Herzen liegen“, sagt Armin Prinz, Geschäftsführer der CSS GmbH aus Fulda. „Diese direkten und unkomplizierten Kommunikationsmöglichkeiten kann wohl nur ein mittelständisches Unternehmen anbieten.“

Geschäftsführer Nettersheim, der alle seine 110 Angestellten persönlich kennt, setzt bei seinen Mitarbeitern neben Kreativität vor allem auf Eigeninitiative. Der persönliche Kontakt ist ihm sehr wichtig und das Gefühl, dass er sich auf jeden hundertprozentig verlassen kann. „Nur so kann ich ruhigen Gewissens Verantwortung abgeben.“

Deutsche IT-Unternehmen sind überwiegend mittelständisch geprägt. Die meisten haben sich auf bestimmte Branchen spezialisiert und können passgenaue Programme und Services anbieten. „Der Vorteil der kleinen Software-Unternehmen in Deutschland ist ihre Kundennähe“, sagt Stephan Pfisterer, Arbeitsmarktexperte des Bundesverbands für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). „Nur bei Großprojekten können sie mit den Konzernen nicht mithalten.“
Weil das Geschäft boomt, suchen mittelständische IT-Anbieter händeringend Personal - vor allem mit Führungserfahrung, wie eine Studie der Marktforschungsfirma Tech Consult ergab. Danach fehlt zwei Dritteln aller Unternehmen ein erfahrener Projektleiter. Außerdem fehlt es in den Unternehmen an Software-Entwicklern, aber auch an Mitarbeitern im Vertrieb und in der Datensicherung. „Wir suchen dieses Jahr mehrere Projektleiter, Entwickler und Mitarbeiter für den Vertrieb“, sagt Dirk Nettersheim von der GUS Deutschland GmbH.

Am liebsten stellen Mittelständler Wirtschaftsinformatiker und Betriebswirte mit Schwerpunkt Informatik ein: „Wichtig ist für uns dabei die Kombination aus fundierten Kenntnissen der Wirtschaftswissenschaften und der Programmierung“, sagt Armin Prinz, Geschäftsführer der CSS.
Beliebt bei den Unternehmen sind auch Naturwissenschaftler, denn die bringen meist gute analytische Kenntnisse mit und haben sich oft auch schon während des Studiums mit Informationstechnik beschäftigt. Außerdem legen die Unternehmen viel Wert auf Praxiserfahrung. Am liebsten natürlich im eigenen Unternehmen. „Wer sich bei uns schon mal in einem Praktikum bewährt hat, hat natürlich die besten Chancen“, sagt Nettersheim.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 91, 2007
Bildmaterial: Jörg Mühle, Labor