31. Januar 2005
Leger gekleidete junge Frauen lächeln für die Deutsche Bank als Ladies' Open House". Strategen von McKinsey oder Roland Berger werben mit Workshops gezielt um Frauenpower. Die weibliche Perspektive ist neuerdings auch in männerdominierten Dienstleistungsbranchen stark gefragt.
Das Bild vom smarten, dynamischen Junior Consultant in Schlips und Kragen hält sich hartnäckig. Über keinen Beruf gibt es so viele Vorurteile", sagt Dorothee Sonntag. Auch die BWL-Studentin aus Ingolstadt hatte nur vage Vorstellungen vom Job der Unternehmensberater. Skeptisch war sie allerdings, was die ausufernden Arbeitszeiten betrifft. Ich war mir nicht sicher, ob ich solchen Anforderungen gewachsen wäre", erzählt die Studentin mit den Schwerpunkten Finanzierung und Bankbetriebslehre. Typisch weibliche Skrupel, die den männlichen Nachwuchs weniger plagen. Frauen muß man viel mehr motivieren", sagt Susanne Theisen, Director of Recruiting bei McKinsey. Selbst Frauen mit tollen Studienabschlüssen gehen häufig zu selbstkritisch mit sich um, während Männer mit eher mittelmäßigen Ergebnissen sehr selbstbewußt auftreten."
Dorothee Sonntag hat umgedacht. Karriere in einem Beratungsunternehmen zu machen, das kann sie sich inzwischen vorstellen. Entscheidend für den Sinneswandel war der Workshop Zoom", ein reiner Frauen-Event, mit dem die Roland Berger Strategy Consultant ambitionierte Studentinnen und Doktorandinnen anspricht.
Selbst Frauen mit tollen Studienabschlüssen gehen häufig zu selbstkritisch mit sich um, während Männer mit eher mittelmäßigen Ergebnissen sehr selbstbewußt auftreten."
Aktionen wie Zoom" sind Teil der Marketing-Offensive Forward", mit der die Beratergruppe aus München ihr Image als attraktiver Arbeitgeber für Frauen aufpolieren will. Patenschaften von Frauen für Frauen, Netzwerktreffen und bessere Angebote für Elternteilzeit sollen künftig stärkere Anreize für weibliche Karrieren im Unternehmen liefern. Mit elf Prozent liegt der Frauenanteil bei uns in Deutschland noch zu niedrig", räumt Walter Hagemeier, Senior Partner von Roland Berger, ein. Mit dem Slogan Andersdenken ist gefragt" wirbt die Consulting Gruppe um hochqualifizierte Absolventinnen. Größte Herausforderung sei, die bei Frauen deutlich stärker ausgeprägte Schwellenangst zu überwinden. Die Unternehmensberatung ist nun mal eine kompetetive, leistungsorientierte Branche", stellt Hagemeier fest. Der Kunde zieht, das Timing drückt", so der Senior Partner. Da setzen wir an und geben unseren weiblichen Nachwuchskräften eine Art Schutzschild in die Hand, etwa über die Betreuung durch weibliche Mentees."
Ladies' Days, Frauen-Workshops oder der IT Banker Brunch" für Junior Women, zu dem die Deutsche Bank einlädt: Überall dort, wo Männer deutlich dominieren, wird verstärkt um weiblichen Nachwuchs geworben. Im Consulting wie auf dem Parkett, im Banking- oder Technologiegeschäft. Die Trendwende ist sehr schön", sagt Daniela Keusen, BWL-Studentin der Eliteuniversität Sankt Gallen. Meine männlichen Kommilitonen fühlen sich allerdings diskriminiert - das ist mal ein ganz neues Erlebnis." Aber es gebe eben auch keine speziellen Männerevents. Für Keusen war der Zoom"-Workshop ein deutlicher Anreiz. Die 24 Jahre alte Studentin bemüht sich jetzt um ein Praktikum bei Roland Berger in Paris.
Bei McKinsey ist man hingegen von Damen-Zirkeln à la Motion" wieder abgekommen. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß Frauen so eine künstliche Sicherheitszone eher komisch finden", sagt Recruiting-Chefin Susanne Theisen. Ihr Hochschulmarketing setzt auf Themen, die Männer wie Frauen gleichermaßen ansprechen. Theater-Workshops zum Beispiel, im sonnigen Sevilla. Bildermagier Robert Wilson brachte dem Event wie von selbst eine Frauenquote von fünfzig Prozent. Rund ein Fünftel unserer Neueinstellungen sind Beraterinnen", so Theisen. Aktuell werden besonders Natur- und Ingenieurwissenschaftlerinnen gesucht. Sie halten sich in der Unternehmensbranche mit Bewerbungen noch ganz besonders zurück. Insgesamt arbeiten bei McKinsey etwa 15 Prozent Frauen als Beraterinnen, davon sieben Prozent in Teilzeit. Nur fünf der insgesamt 121 Partner sind Frauen.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß die Unternehmensberatung für Frauen ein optimales Sprungbrett ist", betont Director of Recruiting Theisen. Sie gewinnen in kürzester Zeit wichtige Berufserfahrung und schaffen sich eine hohe Flexibilität für später, wenn zum Beispiel die Familienplanung wichtig wird." Ein guter Mix" der Fachbereiche, Nationalitäten und Geschlechter bringe inhaltlich definitiv die besten Ergebnisse. Doch nicht zuletzt nüchterne demographische Fakten gebieten es, mehr Frauen ins Unternehmen zu holen. Nicht nur bei McKinsey", betont die Personalchefin. Der Mangel an topqualifizierten" Kräften sei abzusehen. Deutschland kann es sich gar nicht leisten, Frauen nicht in der Erwerbstätigkeit zu halten."
Deutschland kann es sich gar nicht leisten, Frauen nicht in der Erwerbstätigkeit zu halten."
Frauen im Unternehmen zu halten, das ist neben der Rekrutierung hochkarätiger Kandidatinnen die zweite große Herausforderung. Beispiel Deutsche Bank: Obwohl der Finanzkonzern mit 45 Prozent ein fast ausgewogenes Verhältnis von Mitarbeiterinnen zu Mitarbeitern aufweist, läßt der Anteil von weiblichen Führungskräften mit weltweit 14 Prozent noch viel Spielraum.
Traditionelle Männerdomänen wie das IT-Banking oder der Handel haben dabei doppelt zu kämpfen. Ich war bislang nicht mutig genug, um als Praktikantin einfach mal reinzuschnuppern", erzählt Mathematikstudentin Alina Maurer. Bei einem Ladies' Day hat sie sich auf dem Trading Floor der Deutschen Bank in Frankfurt umgesehen. Einige Frauen aus dem Trading & Sales haben uns beschrieben, wie sie Karriere und Familie miteinander verbinden." Wichtige und ermutigende Beispiele, findet die 23 Jahre alte Studentin. Ich hatte den Eindruck, daß man gut vorbereitet und unterstützt wird, auch wenn es mal Durststrecken gibt."
Mit Netzwerkveranstaltungen, differenzierten Mentoring-Programmen und einer ganzen Reihe von Studien, die zum Beispiel analysieren, warum Frauen das Unternehmen wieder verlassen, arbeitet der Konzern an einer neuen Unternehmenskultur. Betriebsvereinbarungen, die festlegen, daß Mitarbeiterinnen während der Elternzeit regelmäßig über Veränderungen im Unternehmen informiert werden, gehören ebenso dazu wie interne Aufklärung gegen Vorurteile in puncto Teilzeit. Anstrengungen, die vor allem dort erfolgreich sind, wo die Chefökonomen selbst die Teilzeitfrage vorantreiben. Väter sind unsere besten Multiplikatoren", sagt Christine Wolff, Global Diversity Consultant der Deutschen Bank in Frankfurt. Die kennen die Probleme - von ihren eigenen Töchtern."
Weitere Informationen unter:
Roland Berger Strategy Consultants Arabellastraße 33 81925 München Tel.: 0 89/92 30-0 http://www.rolandberger.com
McKinsey & Company Königsallee 60 C 40027 Düsseldorf Tel.: 02 11/1 36-40 contact_us@McKinsey.com http://www.mckinsey.de
Deutsche Bank AG Human Resources - Global Diversity Christine Wolff Bockenheimer Landstraße 42 60323 Frankfurt Tel.: 0 69/9 10-6 43 29 Christine.Wolff@db.com http://www.deutsche-bank.de/karriere