04. Dezember 2005 Am Donnerstag war in München Smoking angesagt, und für kommenden Freitag in Leipzig ist wieder festliche Robe gefragt. Doch der Fußball erlebt hierzulande nicht nur Fest- und Feiertage. Zwischen der Bambi-Gala mit Preisen für die Fußball-Ikonen Beckenbauer und Pele sowie Fußball-Weltpräsident Blatter und der WM-Auslosung als weltweiter Show für Hunderte von Millionen Fernsehzuschauern lag der schmutzige Samstag, an dem die Arbeitskleidung der Fußballprofis und das Image der Sportart einige dicke Flecken abbekommen haben.
Es wurde getreten, gehauen und randaliert. Nationalspieler Deisler verlor die Nerven, sah die Rote Karte. Alpay sah rot, schlug um sich, doch die Strafe blieb zunächst aus. Der Schiedsrichter war nicht im Bilde. Dafür greifen der Verein - der 1. FC Köln hat ihn zunächst aus dem Kader gestrichen - und auch der Kontrollausschuß des Deutschen Fußball-Bundes durch. Anklage ist schon erhoben worden.
Der Preis, den alle zu zahlen haben
Bilder, die der Fußball nicht braucht, gab es zuhauf. Nicht immer floß gleich Blut, doch Szenen wie die in Hamburg (ein Trommelstock als Wurfgeschoß verletzte HSV-Spieler Laas) und in Mönchengladbach (der Nürnberger Kießling wurde, verletzt am Boden liegend, mit Gegenständen beworfen) legen verschärfte Sicherheitsmaßnahmen nahe. So ärgerlich Leibesvisitationen und die Beschlagnahmung von Alltagsgegenständen für echte, also nur am Spiel interessierte Fans sein mögen - dies ist der Preis, den alle für eine Handvoll Rowdies zu zahlen haben.
Diskutiert wurde auch über ein Spiel, das gar nicht stattfand. Die Absage in Kaiserslautern, wo nun - wie schon in den WM-Arenen in Frankfurt und in Nürnberg - bauliche Mängel entdeckt worden sind, paßt in die Landschaft: Die Pfalz als Dauerbaustelle. Im Unterschied zu den anderen beiden Schauplätzen sind die Schäden so gravierend, daß im Fritz-Walter-Stadion vorerst nur Fachleute vom Bau und nicht solche am Ball geduldet werden. Außerdem ist diese WM-Dependance auch ein personeller Sanierungsfall - Rene C. Jäggi kann schlechterdings beim 1. FCK als letztlich gescheiterter Reformer aussteigen, aber vor Ort weiter die WM-Geschäfte führen. Das Organisationskomitee wird handeln müssen - warum nicht nach dem Motto "elf Freunde, elf Stadien"? Man könnte den Sorgenfall einfach aus der Zwölfer-Liste der WM-Theater streichen.
Nicht bloß Beifall für Blatter
Erst einmal aber schaut alles auf Leipzig, und dort sollte doch, bitte schön, alles mit rechten Dingen zugehen. Eine Auslosung mit Pannen, nichts wäre blamabler für Gastgeber Deutschland und für den Internationalen Fußball-Verband (Fifa). Natürlich wird der große Kommunikator Blatter nicht bloß Beifall bekommen, sondern sich auch kritische Nachfragen, beispielsweise zum Geschäftsgebaren der Fifa, gefallen lassen müssen. Weil der Schweizer, der schon zur Eröffnung des Konföderationen-Pokals im Sommer mit Pfiffen empfangen worden war, dies ganz genau weiß, überläßt er die Bühne zur Auslosung einem seiner engsten und besonders smarten Mitarbeiter: Kommunikationsdirektor Markus Siegler, Typ guter Schwiegersohn.
Die Bundesliga kann nach den Eindrücken vom Wochenende froh sein, daß ihr nicht regelmäßig so viele Menschen zuschauen, wie sie für die spektakuläre WM-Lotterie erwartet werden (rund 300 Millionen in etwa 150 Ländern). Zu befürchten ist: Am Tag nach dem Leipziger Smoking-Event wird es in der Bundesliga wieder tüchtig was auf die Socken geben.
Text: F.A.Z. vom 5. Dezember 2005
Bildmaterial: ddp
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