FSV Mainz 05

„Wir haben uns zu früh aufgegeben“

“Wie das Kaninchen vor der Schlange“: Christian Heidel

"Wie das Kaninchen vor der Schlange": Christian Heidel

15. April 2007 Nach der desolaten Vorrunde mit nur elf Punkten steht der FSV Mainz 05 trotz des famosen Zwischenspurts fünf Spieltage vor Saisonende doch vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit. Beim 0:3 gegen Schalke mussten die Rheinhessen die vierte Niederlage in Folge hinnehmen und bleiben auf Platz 17 (siehe auch: Schalke 04: Meilenstein auf der „Mission Schale“). Schlimmer als die faktischen Belege der Situation war jedoch das Auftreten gegen den Tabellenführer. Nach dem Rückstand ergab sich das Team von Jürgen Klopp fast wehrlos seinem Schicksal, was vor allem Manager Christian Heidel monierte.

Herr Heidel, nach dem Schlusspfiff mussten die Spieler sofort in die Kabine und durften keine Interviews geben. Haben sich die Mainzer den selbst verpassten Maulkorb von Gegner Schalke abgeschaut?

Nein. Wir wollten einfach schnell mit den Spielern reden und ihnen klarmachen, wie wir nun da unten herauskommen können. Es geht darum, dass die Jungs verstehen, worum es geht. Heute hat der ein oder andere nicht gezeigt, dass er es verstanden hat. Ich hoffe, das ist nun der Fall. Es gibt Kollegen, die alle drei Wochen in die Kabine marschieren. Aber das bringt nichts. Bei uns war es in dieser Saison das zweite Mal - komischerweise jeweils nach den Spielen gegen Schalke.

War Mainz 05 am Samstag so schwach oder Schalke 04 so stark?

Es war ein bisschen wie das Kaninchen vor der Schlange. Wir sind gar nicht erst in die Zweikämpfe gekommen, weil Schalke immer einen Schritt schneller war. Sie haben das Bällchen laufen lassen und es nach der Führung klasse gespielt. So stark habe ich sie noch nicht gesehen. Man kann gegen Schalke verlieren. Das haben schon viele erfahren in diesem Jahr, deswegen stehen sie auf dem ersten Platz. Wir müssen unsere Punkte woanders holen.

Aber dennoch hatte man nicht den Eindruck, dass sich die Mainzer richtig gegen die Niederlage gewehrt haben.

Das stimmt. Wir sind wieder auf dem Tiefpunkt. Das können wir nicht bestreiten. Das 0:1 war nach ordentlicher Anfangsphase ein richtiger Tiefschlag. Danach hatte auch ich den Eindruck, dass wir uns zu früh aufgegeben haben. Das darf nicht sein, auch wenn man sagen muss, dass es in der Rückrunde zum ersten Mal der Fall war. Wir müssen uns in so einer Situation wesentlich mehr wehren.

Also können Sie auch die in Mainz ungewöhnlichen Pfiffe der Zuschauer und die Aufforderung zum Kämpfen verstehen?

Absolut. Natürlich kann man sagen, dass man genau in solchen Situationen die Zuschauer im Rücken braucht. Aber man muss Verständnis haben. Denn ich glaube nicht, dass die Zuschauer gepfiffen haben, weil wir schlecht gespielt oder vorbei geschossen haben. Heute hatten alle Beobachter das Gefühl, dass es an Einsatzbereitschaft, Willen und Leidenschaft gefehlt hat. Die Zuschauer hier in Mainz haben ein ganz feines Gespür, wenn nicht alles getan wird. Das muss sich schnellstens ändern.

Die Konkurrenz im Tabellenkeller punktet und das Restprogramm beinhaltet noch Gegner wie den VfB Stuttgart und Bayern München. Wie beurteilen Sie die Chancen auf den Klassenerhalt?

Wir brauchen nichts schönzureden, dürfen aber auch nichts dramatisieren. Momentan haben wir im Abstiegskampf die schlechteren Karten. Aber es ist eine ganz enge Sache und noch sind wir nicht abgestiegen. Auch wenn uns nach dieser Leistung wieder alle Fachleute in der zweiten Liga sehen, tun wir das nicht. Aber heute war es eindeutig zu wenig. Wir müssen wissen, dass wir ohne Laufbereitschaft, Willen und Einsatz keine Chance haben.

Am kommenden Sonntag geht die Reise zum Auswärtsspiel nach Hamburg. Droht dort die nächste Niederlage?

In Hamburg werden wir eine ganz andere Mannschaft erleben. So etwas wie heute wird nicht mehr vorkommen. Das Schöne an der Niederlage und der Leistung heute ist, dass das nun am Team nagt. Und am Sonntag steht jeder unter extremer Beobachtung. Unsere schlechte Phase muss jetzt beendet werden, sonst geht es in die zweite Liga.

Aufgezeichnet von Tobias Rabe.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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