Punktabzug für TuS Koblenz

„Der Fall ist weiter ungeklärt“

Von Daniel Meuren, Frankfurt

09. Mai 2008 Im Steigenberger Hotel am Frankfurter Flughafen wurde am Donnerstag lange diskutiert. Mehr als vier Stunden tagte der Vorstand der Deutschen Fußball-Liga (DFL), um in einer Anhörung den Einspruch der TuS Koblenz zu verhandeln. Der Fußball-Zweitligaklub war vor zwei Wochen von der Geschäftsführung der DFL mit einem Punktabzug von acht Zählern bestraft worden, wehrte sich aber gegen das Strafmaß.

Der Ligavorstand als nächste Instanz einigte sich schließlich mit den Koblenzern auf einen Vergleich, der eine juristische Auseinandersetzung und die Gefahr einer Klärung der Abstiegsfrage am Grünen Tisch nach Saisonende verhindert. „Wir sind der TuS entgegengekommen, weil sie hier mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Twer und Geschäftsführer Loos sehr seriös aufgetreten ist“, begründete der Ligavorstandsvorsitzende Reinhard Rauball. „Damit ist der Vorfall für die DFL erledigt und es ist gewährleistet, dass die Saison kein Nachspiel hat.“

„Die DFL muss darauf achten, dass der Wettbewerb intakt bleibt“

Koblenz muss in dieser Spielzeit nur sechs der bislang 43 eingespielten Punkte abgeben, dafür aber in der kommenden Spielzeit mit einem Minus von drei Zählern in die Zweitligarunde starten, wenn der nach wie vor abstiegsgefährdete Verein denn die Klasse hält. Bei einem Abstieg in die Dritte Liga, die nicht der DFL angehört, verfällt diese Strafe. Der Ligaverband stärkte mit der sozialverträglichen Umverteilung der Strafe die eigene Geschäftsführung, die den Koblenzern massive Verstöße gegen die Lizenzierungsordnung vorwarf und ein neues Rekordstrafmaß im deutschen Fußball verhängte hatte.

Der Klub hat nach Ansicht der Ligamanager zu Beginn der laufenden Spielzeit zwei Ablösevereinbarungen zu den Transfers der Spieler Branimir Bajic und Marko Lomic gegenüber der DFL verschwiegen, mit denen der Klub den auf rund 10 Millionen Euro angesetzten Etat um mehr als zwei Millionen überzogen hatte, ohne dafür eine finanzielle Absicherung vorweisen zu können. Im Dezember stand der Klub wegen dieser Geschäfte kurz vor der Zahlungsunfähigkeit - sehr zum Ärger der DFL. „Die DFL muss darauf achten, dass der Wettbewerb intakt bleibt“, sagte der DFL-Präsident Reinhard Rauball. „Wenn Koblenz Insolvenz hätte anmelden müssen, wäre der Wettbewerb gestört worden.“

Hintergründe liegen im Dunkeln

Die Hintergründe der Koblenzer Machenschaften lieben aber auch nach dem Vergleich vom Donnerstag im Dunklen. „Der Fall ist weiter völlig ungeklärt“, gestand auch der Rechtsanwalt Christoph Schickhardt ein, der den Klub in dem Verfahren gegenüber der DFL beraten hat. Tatsächlich herrschen zum weiter Zweifel, weshalb die Transferverträge nicht bei der DFL ankamen.

Die Verantwortung dafür trägt der damalige Geschäftsführer Hermann Gläsner, der im Dezember fristlos gekündigt wurde, als das Millionenloch im Etat bekannt wurde. Gläsner war damals alleinvertretungsberechtigt für die TuS Koblenz GmbH. „Leider habe ich mich auf einen Mann verlassen, der seine Aufgabe offenbar nicht beherrscht hat“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Walterpeter Twer.

„Er hat gesagt: Die Jugos haben mich übers Ohr gehauen“

Um Gläsners Versagen zu belegen, schilderte er bereits auf der Jahreshauptversammlung im Februar den Mitgliedern en detail, wie der ehemalige Geschäftsführer vor einigen Monaten weinend vor ihm gesessen haben soll, als er ihm eine ausstehende Zahlung von 345.000 Euro für einen Spielerberater gebeichtet habe. „Er hat gesagt: Die Jugos haben mich übers Ohr gehauen“, führte Twer aus.

Gläsner ist mittlerweile aber zum Gegenangriff gegen Twer über. „Mir die Verantwortung für die Transfers von Marko Lomic und Branimir Baijc und die daraus nun resultierende Strafe in die Schuhe zu schieben, ist Rufmord“, sagte der ehemalige Geschäftsführer. “Das waren alles Wunschspieler von Uwe Rapolder. Alle Konditionen waren von Rapolder verhandelt worden, ich musste diese Deals dann auf Druck von Herrn Twer gegen meinen Willen abwickeln.“ Rapolder bestritt diese Darstellung kürzlich vehement. „Ich habe nie mit irgendjemandem verhandelt“, behauptet der Trainer.

Gläsner: „Nützlicher Depp“ des Aufsichtratsvorsitzenden?

Gläsner, gegen den die TuS Schadenersetzansprüche geltend machen will, gesteht lediglich ein, dass er als Geschäftsführer organisatorisch verantwortlich dafür ist, dass die Transferverträge nicht bei der DFL vorliegen. „Allerdings frage ich mich mittlerweile, ob ich überhaupt Geschäftsführer war oder nur der nützliche Depp, der alles ausgeführt hat und sich nun zum Sündenbock eignet“, sagt Gläsner. Seine Anwältin Margit Bastgen schlägt in die gleiche Kerbe, wenn sie betont, „dass es keine Alleingänge von Gläsner gegeben hat, sondern der Aufsichtsratsvorsitzende Twer über jeden einzelnen Schritt informiert war.“

Klärungsbedarf herrscht weiterhin, weshalb die TuS Koblenz GmbH Transfers mit Vorliebe über Abdilgafar „Fali“ Ramadani und dessen Kompagnon Volker Graul abwickelt. Der aus Mazedonien stammende und in Berlin lebende Spielerberater ist nicht gerade gut beleumundet und wurde unter anderem im Vorjahr von der Hamburger Staatsanwaltschaft als einer der Strohmänner bei einem groß angelegten Kreditbetrug in Hamburg eingestuft.

Die Namen Graul und Ramadani sind der Staatsanwaltschaft Köln bekannt

Die Namen Graul und Ramadani tauchten auch auf, als die Staatsanwaltschaft Köln vor drei Jahren gegen den ehemaligen Leverkusener Manager Reiner Calmund wegen des Verdachts der Untreue ermittelt wurde. Damals sollen 580.000 Euro für Verkaufsoptionen über Ramadani und Graul nach Jugoslawien geflossen sein. Das Verfahren wurde indes wegen geringer Schuld gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Nach Koblenz haben die Geschäftspartner seit Dienstantritt Rapolders im vergangenen Frühjahr dennoch schon fünf Kicker, darunter die von Partizan Belgrad freigekauften Serben Bajic und Lomic, vermittelt - nach Worten des Ex-Geschäftsführers Gläsner allesamt auf Betreiben des im sportlichen Bereich alleinherrschenden Rapolder.

Eine Spielerberaterlizenz, wie von der DFL eigentlich vorgeschrieben, haben weder Ramadani noch Graul vorzuweisen. Vielleicht spielte Ligaboss Rauball auch auf solche Ungereimtheiten an, als er zur Entlastung der Koblenzer anführte, „dass sich der Aufsichtsratsvorsitzende Twer hat erklären lassen, wie manche Vorgänge im Fußballgeschäft laufen.“



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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