FSV Mainz 05

Für Klopp muss jetzt „die Post abgehen“

Von Uwe Martin

28. April 2008 Gut möglich, dass diese 94 Spielminuten im Osnabrücker Stadion an der Bremer Brücke ein Schlüsselerlebnis waren, ein lange Zeit vermisstes Puzzleteil auf dem Weg zurück in die Fußball-Bundesliga, ein signifikanter Impuls für eine Mannschaft, die seit Monaten von Verletzungen und Formkrisen heimgesucht wird. Und vielleicht hat nun auch der letzte kickende Zweifler von Mainz 05 – wenn es denn welche gegeben hat – gemerkt, dass der Aufstieg möglich ist.

Nach dem neuesten Sachstand hat es die Mannschaft von Cheftrainer Jürgen Klopp „selbst in der Hand“, so jedenfalls haben die Mainzer Funktionäre die Tabelle nach dem 30. Spieltag interpretiert; dabei müsste es eigentlich „auf dem Fuß“ heißen. Und es drängen sich Parallelen auf zur Aufstiegssaison 2004, seinerzeit holte Mainz 05 aus den letzten fünf Spielen dreizehn Punkte. Genauso sieht die Beispielrechnung von Manager Christian Heidel auch vier Jahre später aus.

Derby gegen Kaiserslautern

Mit dem 2:1 in Osnabrück ist Teil eins der Heidelschen Planspiele abgehakt worden, und schon aem Freitag kommt es im Bruchwegstadion zum Rheinland-Pfalz-Derby gegen den 1. FC Kaiserslautern, die Heimspiele gegen Alemannia Aachen (7. Mai) und den FC St. Pauli (18. Mai) sowie die Auswärtspartie beim 1. FC Köln (11. Mai) komplettieren das Restprogramm. „In zehn Tagen ist alles vorbei, deshalb müssen wir jetzt alles mobilisieren“, sagt Heidel.

Zehn Tage? Da scheint der Manager den Kehraus gegen St. Pauli gar nicht eingerechnet zu haben. Aber drei Heimsiege sind für ihn ohnehin die Pflicht, ein Remis in Köln die Wunschvorstellung. Vor vier Jahren begann Mainz 05 den Saisonendspurt jeweils mit 4:1-Siegen gegen den MSV Duisburg und beim VfB Lübeck, gegen die Spielvereinigung Unterhaching gab es ein 2:0, in Regensburg ein 0:0, perfekt war der Aufstieg nach dem 3:0 gegen Eintracht Trier, das punktgleiche Team von Energie Cottbus als Tabellenvierter hatte die schlechtere Tordifferenz.

Sorge um verletzte Leistungsträger

Heidel und Klopp kennen diese Erfolgsgeschichte natürlich; sie waren ja beide unmittelbar beteiligt. Doch die störenden Einflussgrößen für das „Team 2008“ sind weitaus größer. Angefangen bei der bundesweiten Dauerdiskussion um Klopp, der nur im Aufstiegsfall bei Mainz 05 bleibt. Daniel Gunkel, Tim Hoogland, Felix Borja und Chadli Amri plagen sich mit diversen Malaisen herum, die Torhüter eins und zwei, Dimo Wache und Christian Wetklo, sind seit Monaten dauerverletzt.

Und am Freitag muss Innenverteidiger Nikolce Noveski aufgrund einer Gelbsperre zusehen. Doch womöglich tut dem Mazedonier die unfreiwillige Auszeit angesichts seiner unsouveränen Leistung in Osnabrück sogar gut. Und Borja, mit vierzehn Saisontreffern viertbester Zweitliga-Torschütze, steht derzeit wegen einer schmerzenden Patellasehne gleichfalls auf wackligen Beinen.

Mainzer Aufstiegsexpress

Entgegen seinen sonstigen Gepflogenheiten hat Klopp direkt nach dem fünften Auswärtssieg in dieser Saison einen Ausblick gewagt, nicht auf das große Ganze, lediglich auf das Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. „Ich weiß nicht, ob es schon einmal ein Derby gab, in dem es um so viel ging“, sagt der Vierzigjährige. Für beide Mannschaften. Aufstiegs- und Abstiegskampf, professionelle Moderne gegen verblichene Tradition, dem gut gefüllten Mainzer Festgeldkonto hat Kaiserslautern nur kränkelnde Finanzen entgegenzusetzen. „Da muss die Post abgehen“, fordert Klopp.

Ob der Mainzer Aufstiegsexpress noch zu stoppen ist, dürfte nach dem Schlusspfiff feststehen. Manager Heidel ist sowieso leicht angesäuert, weil der sportlich hinten anstehenden Konkurrenz (32 Punkte) zuletzt mehr mediale Aufmerksamkeit zuteil wurde als Mainz 05 (53 Punkte). Und der Osnabrücker Trainer Claus-Dieter Wollitz wünscht sich schon aus Eigennutz einen Mainzer Sieg, schließlich ist seine Mannschaft mit weiterhin 34 Punkten auch nicht aller Sorgen ledig.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

 
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