Kommentar

Mainzer Spiegelbild

Von Uwe Martin

Der Verein geht, die Leidenschaft bleibt

Der Verein geht, die Leidenschaft bleibt

12. Mai 2007 Liebe Fans von Mainz 05, man kann es natürlich so machen wie Vizepräsident Peter Arens, der schwer trägt an dem wahrscheinlichen Abstieg, seinen Autoaufkleber (Mainz 05 – erstklassig) im Falle der Zwangsversetzung aber nicht entfernen will. „Ich bleibe ja erstklassig!“ So kann man es auch sehen. Doch rein sportlich betrachtet, ist nicht mehr viel zu retten, oder?

Deshalb blicken wir zurück, obwohl der frühere Verteidigungsminister Rudolf Scharping einmal gesagt hat, die Zukunft sehe man nicht im Rückspiegel. Aber vielleicht sieht man heute im Bruchwegstadion zum letzten Mal Zidan („Ich bin Mainzer bis zum Ende“) im 05-Trikot vor heimischem Publikum, ebenso Andreasen, Azaouagh, Feulner, Gerber, Friedrich, Noveski, Weigelt („Wenn wir es noch schaffen, kann man von einem Fußballwunder sprechen“), Cha, Szabics und Niculae. Mitgezählt? Korrekt, elf Mann, eine komplette Fußballmannschaft. Gehen die jetzt alle weg? Zumindest besteht die Möglichkeit aufgrund unterschiedlicher Vertragssituationen. Sie könnten, dürften – oder werden vielleicht nicht mehr gewollt.

Abschied vom Premium-Fußball

Drei Jahre Erste Bundesliga. Wir sagen an dieser Stelle schon einmal „Danke“, für drei Spielzeiten aggressionsfreie Fankultur mit innovativen Choreographien, vorgelebter Dynamik – und Aufschwung auf dem Rasen. Es heißt, Abschied zu nehmen vom Premium-Fußball. Wenn es zum „Worst Case“ (Manager Christian Heidel) kommen sollte – heute gegen Mönchengladbach und/oder parallel in der Partie Aachen – Wolfsburg, vielleicht auch erst am 19. Mai in der Allianz-Arena –, dann hilft nur ein Blick in den Rückspiegel.

Was es da zu sehen gibt? Den gefeierten Aufstieg im Mai 2004 vor dem Staatstheater zusammen mit 30.000 Sympathisanten: das erste Mainzer Erstligator in Stuttgart (Babatz); das erste Bundesligator am Bruchweg (da Silva); den ersten Klassenverbleib, dann die grandiose 100-Jahr-Feier mit Ehrengästen wie Otto Schily, Kurt Beck und Rudi Völler; den zweiten Klassenverbleib und zwischenzeitlich den Stadionumbau.

Der Ball rollt weiter

Und wenn jetzt der eine oder andere Hardcore-Eintrachtfan zu feixen anfängt, sei der erinnert an die Fehlinvestition Michael Thurk (Ablöse knapp zwei Millionen Euro). Thurk, der stürmische Mainzer Aufstiegsheld 2004, einige sagen jetzt sicher Verräter, ist quasi umgewandelt in Festgeld und wird demnächst in der neuen Mainzer Fußball-Arena verbaut. Reicht das als Genugtuung?

Der Ball rollt weiter, demnächst in Wiesbaden (SV Wehen/einstiges Auffangbecken für gealterte 05er Profis), in Koblenz, in Kaiserslautern und in Köln (Daum!). Es gibt Schlimmeres. Die Zeiten waren schon härter. Damals, 2002 und 2003, bei den knapp verpassten Aufstiegen. All die Tränen, man hätte darin baden können. Doch hat nicht Klopp allen anderen Fußballlehrern beigebracht, worum es geht beim Kicken? Um Leidenschaft nämlich. Das bleibt, für immer. Wie der Dom und wie Johannes Gutenberg. Da sehen wir geflissentlich hinweg über eine Saison, die spielerisch zumeist das Gegenteil von Spaßfußball war.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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