22. August 2007 Obwohl noch einige der benötigten Grundstücke fehlen und noch keine Baugenehmigung vorliegt, hat das geplante Mainzer Fußballstadion am Europakreisel schon seinen Namen: Coface Arena“. Der FSV Mainz 05 präsentierte den neuen Geschäftspartner und künftigen Namensgeber für die am Stadtrand vorgesehene Spielstätte, die möglichst von der Winterpause 2009/10 an bis zu 35.000 Besuchern Platz bieten soll.
Beide Seiten haben sich auf einen bis 2015 angelegte Kooperation verständigt, die die in Mainz ansässige Coface Deutschland ab sofort zum bis dato größten Co-Sponsor des Zweitligavereins macht und dem Finanzdienstleister später dann auch die Namensrechte am neuen Stadion sichert.
Langjährige Zusammenarbeit geplant
Es gehe dem Unternehmen nicht um ein kurzfristige Werbeaktion“, sondern um eine auf Jahre angelegte Zusammenarbeit, versicherte der Vorstandsvorsitzende von Coface Deutschland, Benoît Claire, bei einer Pressekonferenz im alten Bruchwegstadion, die direkt zu den Mitarbeitern seines Hauses am Kisselberg übertragen wurde. Die Nähe seines Unternehmens zum neuen Stadionstandort am Europakreisel, die Fußballbegeisterung der eigenen Belegschaft und die Tatsache, dass sich hier zwei echte Mainzer Unternehmen zusammentun“, seien Gründe für die Partnerschaft gewesen, erklärte Benoît.
Schließlich sei die für Holland, Dänemark, Schweden und Deutschland zuständige Coface-Zentrale mit ihren derzeit 630 Mitarbeitern aus der Übernahme der 1923 in Mainz gegründeten Allgemeinen Kreditversicherung hervorgegangen. Mit vielfältigen Angeboten zur Risikominderung für Geschäftskunden - wie etwa Kreditversicherung, Factoring, Inkasso und Bonitätsinformationen - hat der deutsche Zweig des zum französischen Coface-Konzern gehörenden Unternehmens 2006 einen Umsatz von 332 Millionen Euro und einen Gewinn von mehr als 20 Millionen Euro gemacht.
Konkrete Angaben über Umfang und Höhe des 05-Sponsorings wurden zwar nicht gemacht. Bis 2015 werde bei dem Gesamtpaket sicherlich ein zweistelliger Millionen-Betrag zusammenkommen, war zu hören. Der Preis für die Namensrechte dürfte dem Vernehmen nach je nach Ligazugehörigkeit zwischen 1,3 und zwei Millionen Euro im Jahr liegen. Womit etwa 60 Prozent der von Mainz 05 künftig für die Stadionnutzung an die Besitzergesellschaft zu entrichtende Pacht bereits abgedeckt wäre.
Zuschauerränge nach englischem Vorbild
Der Präsident des Fußballvereins, Harald Strutz, sprach denn auch von einem besonderen Tag“ und davon, dass er stolz sei, einen solchen Partner an seiner Seite zu wissen. Manchmal werde ihm fast schwindlig“, wenn er sehe, wie es mit Mainz 05 in den vergangenen zehn Jahren vorangegangen sei.
Das neue Stadion soll Heimat des Vereins und seiner Fans sein“, versprach Claire: Wir geben zwar Geld, sind aber auch mit dem Herzen dabei. Wir wollen verlässliche Partner sein, uns aber nicht bei der konkreten Planung einmischen.“ Bei der Namensgebung für die neue Spielstätte musste 05-Manager Christian Heidel, der sich stets für die Bezeichnung Stadion und gegen den Begriff Arena ausgesprochen hatte, allerdings schon einmal nachgeben. Unser Partner ist ein international tätiges Unternehmen. Und im Ausland heißt es eben Arena, auch wenn in Mainz tatsächlich ein Stadion drinsteckt.“ Heidel will nach englischem Vorbild Zuschauerränge schaffen, die eng, steil und möglichst nah dran sind am Spielfeld, um so eine außergewöhnliche Atmosphäre zu erzeugen.
Während der Masterplan“ für das 40 Millionen Euro teure Stadion - plus etwa 20 Millionen Euro für die Infrastruktur - weitgehend fertig zu sein scheint, muss sich Liegenschaftsdezernent Franz Ringhoffer (FDP) weiterhin um die benötigten Grundstücke kümmern. Etwa 90 Prozent der Flächen habe sich die Stadt durch Vorverträge gesichert; mit gut einer Handvoll Eigentümern und Pächtern, die ihr Ackerland an der Saarstraße nicht so ohne weiteres hergeben möchten, sei man in Gesprächen. Für das Stadion selbst werden fünf Hektar zusammenhängendes Bauland gebraucht, bei der Gestaltung der Parkplatzflächen könne man den Bauern dagegen auch noch entgegenkommen, sagte Ringhoffer: Es sind noch nicht alle Probleme gelöst, aber sie sind lösbar.“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa