Von Markus Schug
19. Februar 2008 Die Uhrzeit hatte etwas Symbolisches: Am Montagmittag kurz vor Zwölf“ ist es Liegenschaftsdezernent Franz Ringhoffer (FDP) gelungen, sich das letzte von der Stadt noch benötigte Grundstück für ein neues Mainzer Fußballstadion zu sichern. Am Dienstag wurde der Erfolg bei einer Pressekonferenz im Rathaus denn auch sogleich verkündet, und alle Beteiligten, ob von der Verwaltung, den Ratsfraktionen oder dem Zweitligaverein, wirkten dabei sehr erleichtert. Denn mit der Unterschrift vom Vortag war der Weg frei für die geplante Coface Arena“, die in zwei oder drei Jahren dem FSV Mainz 05 als moderne Spielfläche dienen soll.
Dabei liegt das jetzt doch noch gefundene Baugelände nicht, wie ursprünglich vorgesehen, am Europakreisel. 60 Millionen Euro sollen in den Neubau investiert werden. 35.000 Zuschauer soll das Stadion fassen. Am Europakreisel waren die Verhandlungen mit sechs verkaufsunwilligen Grundstücksbesitzern schon vor Monaten ins Stocken geraten. Nun ist der im Januar eigens dafür ins Leben gerufene Arbeitsstab Stadion“ gut 800 Meter weiter südlich, im Anschluss an den Fachhochschul-Neubau an der Koblenzer Straße, inmitten der Felder bei Bretzenheim, fündig geworden.
Kaufpreis von 3,2 Millionen Euro
Anders als am Europakreisel, wo alles in allem mit rund 130 Eigentümern verhandelt werden musste, reichten zur Sicherung des nun erwählten, etwa 10,7 Hektar großen Areals sechs notariell beurkundete Verträge aus. Dem Vernehmen nach soll es sich um Flächen im Besitz des Landes, der Stadt, der katholischen Kirche sowie weniger Privatpersonen gehandelt haben, die laut Dezernent Ringhoffer allesamt das Angebot von maximal 35 Euro je Quadratmeter akzeptiert haben. Der Kaufpreis betrage insgesamt 3,2 Millionen Euro.
Bisher war das Gelände zwischen Dalheimer und Draiser Weg laut Bebauungsplan für einen neuen Hauptfriedhof vorgesehen. Weil die alte Begräbnisstätte an der Unteren Zahlbacher Straße entgegen früherer Befürchtungen nun aber doch weiterhin genutzt werden könne, würden die Äcker in Bretzenheimer Gemarkung nicht mehr für diesen Zweck benötigt, erläuterte Grün- und Umweltdezernent Wolfgang Reichel (CDU).
Am neuen Standort sei mit keinen K.o-Faktoren zu rechnen, sagte Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD): Die Grundstücke seien bereits notariell gesichert, das neue Stadion später gut zu erreichen, die notwendige Infrastruktur zu schaffen, und in Sachen Umwelt, Klima- und Lärmschutz seien ebenfalls keine unüberwindbaren Hindernisse zu erkennen. Wenn möglich soll schon bei der heutigen Stadtratssitzung ein Aufstellungsbeschluss erfolgen, damit die Verwaltung weitere Untersuchungen vornehmen und Gutachten erstellen lassen kann. Die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD und FDP sprachen unisono von einem guten Tag“ für Mainz und Mainz 05. Somit scheint es im Stadtrat eine Mehrheit für diesen Standort zu geben.
Manager Heidel: 1a-Standort
Nur die Grünen und die Ökologisch-Demokratische Partei verwiesen darauf, dass ein in die Felder gepflanztes Stadion negative Auswirkungen auf das Klima und vor allem auf die Frischluftzufuhr in die Innenstadt haben könnte. Zum wiederholten Mal kritisierten sie zudem, dass die Verwaltung kein wirkliches Interesse daran gezeigt habe, eine Ausbaulösung für den alten Standort am Bruchweg zu suchen. Dabei dürfte der Bruchweg nun ebenso wie die Varianten Europakreisel, wo die benötigten Grundstücke nicht zu erwerben waren, und Portand-Steinbruch, der als zu teurer gilt, ein für allemal vom Tisch sein.
Der Manager des FSV Mainz 05, Christian Heidel, sprach von einem 1a-Standort in Sichtweite zum ursprünglich präferiierten Europakreisel“, mit dem der Verein sehr zufrieden sei. Die Coface Arena“ werde ein reines Fußballstadion“ sein, mit möglichst steilen Tribünen, rund 25.000 Sitz- sowie 10.000 Stehplätzen. Dabei soll das rund 25 Meter hohe Bauwerk etwa fünf Meter tief in die Erde eingegraben werden. Geplant sei, bei einem Wettbewerb mit fünf oder sechs Teilnehmern den für Mainz passenden Generalunternehmer zu finden, äußerte Heidel. Die Bauzeit liege bei solchen Projekten bei 15 bis 18 Monaten.
Das schon vor einem Jahr beschlossenen Finanzierungsmodell sieht vor, dass sich das Land und der Verein mit jeweils 7,5 Millionen Euro an dem Projekt beteiligen. Fünf Millionen Euro steuert die Stadt über den Landeshauptstadtzuschuss“ bei. Die dann noch fehlenden 40 Millionen Euro sollen als Kommunalkredit aufgenommen werden. Im Gegenzug muss Mainz 05 für das neue Stadion je nach Zugehörigkeit zur Ersten oder Zweiten Liga künftig eine jährliche Pacht in Höhe von 3,3 beziehungsweise 2,2 Millionen Euro zahlen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., F.A.Z. - Cornelia Sick