Wechselstimmung in der Bundesliga

Feierlaune in Frankfurt, Transfercoup in Mainz

Von Marc Heinrich und Ralf Weitbrecht

Die Ferien für die Fußballprofis der Eintracht Frankfurt sind bald vorbei.

Die Ferien für die Fußballprofis der Eintracht Frankfurt sind bald vorbei.

15. Juni 2009 Langsam, aber sicher kommt die Eintracht in Partylaune. Am 28. Juni jährt sich der Gewinn der Meisterschaft zum fünfzigsten Mal – das will gefeiert werden! Mit 5:3 Toren besiegte die Frankfurter Fußballmannschaft im Berliner Olympiastadion seinerzeit die Kickers aus Offenbach nach Verlängerung. Der Achtungserfolg von einst ist in diesen Tagen allgegenwärtig: An Feierstunden, Empfängen und Ausstellungen zu Ehren der Helden aus der Nachkriegszeit herrscht in der Stadt momentan wahrlich kein Mangel. Unter anderem das vereinseigene Museum im Stadtwald steht voll im Zeichen des bis heute für den Verein einzigartig gebliebenen Freudenfestes – die aktuelle Schau lockt zahlreiche Besucher mit manch eindrucksvollem Erinnerungsstück in seinen Vitrinen ungeachtet der eigentlich fußballfreien Zeit ins Erdgeschoss der WM-Arena.

Auch Michael Skibbe, der neue Trainer der Profis, wird bei seinen zuletzt täglichen Besuchen auf der Geschäftsstelle unmittelbar mitbekommen haben, welche Bedeutung für das Selbstverständnis der Triumph aus den Wirtschaftswunderjahren bis heute für die Eintracht hat. Doch sein Blick dürfte in erster Linie nicht rückwärtsgewandt sein, sondern in die Zukunft gerichtet.

„Ich habe meinen Job ordentlich erledigt“

Am Montag, 29. Juni, nimmt er mit seiner Mannschaft offiziell die Arbeit und die Vorbereitung auf die nächste Saison auf. Dass Skibbe eine Aufgabe an einem leicht nervös reagierenden Bundesligastandort übernommen hat, wird ihm spätestens klargeworden sein, als er öffentlich über eine Neubesetzung des Kapitänspostens nachdachte. Ioannis Amanatidis will die Anführerposition jedenfalls unter keinen Umständen kampflos räumen. „In den zwei Jahren, in denen ich Kapitän war, habe ich meinen Job ordentlich erledigt“, sagte der griechische Stürmer in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“. Skibbe hatte zuvor erwähnt, dass auch eine Neuverpflichtung wie der ehemalige Karlsruher Kapitän Maik Franz in der kommenden Saison die Binde tragen und verstärkt Verantwortung übernehmen könnte: „Es kann sehr gut sein, dass ein Spieler Kapitän wird, der neu in die Mannschaft kommt. Ein neuer Spieler kann neue Elemente einbringen, die dem Team einen Schub geben.“

Würde ausgerechnet Franz Nachfolger von Amanatidis, brächte dies möglicherweise Brisanz mit sich; in der vorletzten Partie der Eintracht gegen den KSC waren Amanatidis und Franz heftig aneinandergeraten. „Spieler, die bei uns ein bisschen Palaver machen, kann man an einer Hand abzählen. Deswegen ist es nicht schlecht, einen etwas lauteren Spieler dabeizuhaben“, sagte Amanatidis. Und weiter: „Weniger gut ist freilich, wenn Spieler aus den eigenen Reihen immer gefährdet sind, eine Gelbe oder gar Rote Karte zu bekommen. Zuletzt hat sich Maik Franz immer ein bisschen an der Grenze bewegt.“ Einer der Eintracht-Profis, die sich zuletzt in einer Art Grauzone bewegt haben, ist Christoph Preuß. Der variable Mittelfeldspieler, auch als Verteidiger einsatzfähig, ist der Spieler mit der längsten Krankenakte und der umfangreichsten Leidensgeschichte. Trotzdem hat der 27 Jahre alte Familienvater eine Zukunft bei der Eintracht. Unlängst ist sein Vertrag auch deshalb um ein weiteres Jahr verlängert worden, „weil er sich auch bei mir großer Wertschätzung erfreut“, wie Skibbe sagt. Der Trainer kennt Preuß noch aus Junioren-Länderspielzeiten sowie seinem Engagement in Leverkusen. „Ein feiner Junge“, findet auch Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Einer, der ebenso wie all die anderen Kadermitglieder unter dem neuen Trainer eine Chance bekommen wird – entsprechende Genesung und Fitness vorausgesetzt.

Christian Demirtas' Vertrag wurde wie erwartet nicht verlängert

Würde man die Sachlage nur anhand offizieller Pressemitteilungen beurteilen, hätte sich beim FSV Mainz 05 in den zurückliegenden drei Wochen seit dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga nichts getan. Aber natürlich war Manager Christian Heidel nicht untätig, ganz im Gegenteil. Und so steht die Verpflichtung des 31 Jahre alten Torwarts Heinz Müller so gut wie fest, der gebürtige Frankfurter soll für den Ablösebetrag von 300 000 Euro vom englischen Zweitligaverein FC Barnsley an den Bruchweg wechseln und einen Dreijahresvertrag unterschreiben. Zudem wird Mittelfeldspieler Eugen Polanski, 23 Jahre alt, wohl den spanischen Klub Getafe CF verlassen und künftig das 05-Trikot tragen. Polanski und Müller sind nach Filip Trojan (FC St. Pauli) die Zugänge zwei und drei für den Mainzer Profikader.

Wie erwartet nicht verlängert wurde von Mainz 05 der Kontrakt mit Christian Demirtas, der zum KSC geht. Trojan, Müller, Polanski, bei diesen drei Namen wird es laut Heidel nicht bleiben. In der „Allgemeine Zeitung“ aus Mainz kündigte der Manager einen weiteren Transfercoup an, über den „sich einige Leute wundern werden“. Die Karriere des Herausforderers im Mainzer Tor ist geprägt von Höhen und Tiefen. Beim FSV Frankfurt begann 1996 die Profilaufbahn von Müller, nach einer Saison wechselte er zu Hannover 96 und saß vier Jahre auf der Ersatzbank. Über Arminia Bielefeld, den FC St. Pauli und Jahn Regensburg zog es ihn 2003 nach Norwegen, zu den Klubs Odd Grenland und Lillestrom SK. Beim FC Barnsley unterschrieb er vor zwei Jahren.

Müller hat im Januar 2008 einen Kreuzbandriss erlitten, doch dies schreckte Heidel ebenso wenig ab wie das fortgeschrittene Alter. Die finanziellen Möglichkeiten von Mainz 05 wären bei Polanski, der aus privaten Gründen zurück nach Deutschland möchte, bei einem Kaufgeschäft nicht ausreichend gewesen. Denn der Vertrag des offensiven und beidfüßigen Mittelfeldspielers in Spanien hatte eine Laufzeit bis 2012. So war zunächst die Rede von zwei Millionen Euro als Ablösebetrag, in langatmigen Verhandlungen beharrte Heidel (letztlich erfolgreich) auf einer Ausleihe. Und so wird der Wunschkandidat des Mainzer Cheftrainers Jörn Andersen demnächst das Trikot tauschen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Wonge Bergmann

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