01. April 2007 Mit der Forderung, den FSV Mainz 05 bei seinen Stadionplänen stärker als bisher zu unterstützen, haben sich am Samstag mehr als 2000 Anhänger des Fußball-Bundesligisten an Politiker aus Stadt und Land gewandt. Der Verein habe sich in den vergangenen Jahren nicht nur zu einem bundesweit bekannten Werbeträger, sondern auch zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Stadt entwickelt. Deshalb müsse er jede erdenkliche Hilfe erhalten, so die Meinung der laut Polizei friedlich vor dem Heimspiel gegen Leverkusen demonstrierenden Mainzer Fußballanhänger.
Ob Fördermittel, Bürgschaften oder Grundstücke – es müsse alles getan werden, dass es so bald wie möglich ein neues Stadion für Mainz in Mainz“ gebe – und nicht etwa auf der anderen Rheinseite in dem zu Wiesbaden gehörenden Stadtteil Mainz-Kastel. Diese Forderung stand auf etlichen Transparenten bei dem von der Fan-Dachorganisation Supporters Mainz“ organisierten Protestzug, der sich um die Mittagszeit vom Neubrunnenplatz aus in Richtung Bruchwegstadion in Bewegung setzte. Parallel dazu haben 05-Anhänger schon mehrere tausend Unterstützerunterschriften für einen Einwohnerantrag zum Stadionneubau gesammelt. Ziel ist, dass sich der Stadtrat bei seiner Sitzung im Mai ausführlich mit dem seit Monaten kontrovers diskutierten Thema beschäftigen und dabei verbindliche Aussagen zum geplanten Engagement der Kommune machen soll.
Zögerliche Haltung des Landes
Möglicherweise ist das Projekt bis dahin allerdings bereits auf den Weg gebracht. Übereinstimmung scheint mittlerweile darüber zu bestehen, dass das mehr als 40 Millionen Euro teure Fußballstadion für rund 30.000 Zuschauer ohne Mitwirkung eines privaten Investors gebaut werden soll. Weil am bisherigen Standort – dem Bruchwegstadion – mit Anwohnerprotesten wegen des zu erwartenden Lärmpegels bei Abendspielen zu rechnen ist, spricht derzeit vieles für einen Umzug an den Europakreisel.
Die Stadt hat für den größten Teil der benötigten Ackerfläche im Anschluss an das Erweiterungsgelände der Johannes-Gutenberg-Universität inzwischen Vorverkaufsverträge abgeschlossen; doch soll es einige Grundstückseigentümer geben, die ihre Felder dort weder verkaufen noch gegen Ersatzflächen eintauschen möchten. Für ein neues Stadion werden rund 5,5 Hektar benötigt. Die Infrastrukturkosten, die sich Stadt und Land zu teilen hätten, könnten bis zu 15 Millionen Euro betragen; dies unter anderem für den Grundstückserwerb sowie den Bau von Erschließungsstraßen und Parkplätzen. Im Gegenzug will die Kommune von Mainz 05 eine Pacht verlangen, über deren Höhe dem Vernehmen nach zwischen beiden Seiten noch immer gestritten wird.
Für viele 05-Anhänger ist die zögerliche Haltung“ des Landes einer der Hauptkritikpunkte. Während beim Stadionbau in Kaiserslautern viel Geld geflossen sei und aktuell auch der TuS Koblenz für eine neue Spielstätte Zusagen in Millionenhöhe gemacht worden seien, müssten die Mainzer – noch dazu als derzeit einziger Fußball-Erstligist in Rheinland-Pfalz – um jeden Euro betteln. Andererseits habe sich der Verein bei den bisherigen Verhandlungen nicht gerade geschickt angestellt, sagte am Samstag einer der Demonstrationsteilnehmer nach der Ankunft am Bruchweg: Immer nur auf die Stadt zu schimpfen und vom Land Geld zu fordern, sei jedenfalls auch keine besonders ausgeklügelte Strategie.
Text: F.A.Z., sug.
Bildmaterial: F.A.Z. - Burkert