15. April 2007 Gerald Asamoah ist für seine gute Laune bekannt. Da verwundert es nicht, dass sich Schalkes Nummer 14 nach dem 3:0 seiner Mannschaft in Mainz dauerlächelnd den Journalisten stellte. Für den Nationalspieler läuft es derzeit rund. Nach einem Beinbruch ist Asamoah wieder fit. Bereits im Spiel gegen Mönchengladbach vor einer Woche traf er per Kopf, in Mainz wieder. Ob er in der Pause heimlich Kopfballtraining absolviert habe, wurde Asamoah daher gefragt. Nein, ihr habt mich einfach nur immer unterschätzt, sagte der 28-Jährige und lachte.
Doch nicht nur bei Asamoah ist die Laune glänzend. Schalke 04 grüßt auch nach dem 29. Spieltag als Tabellenführer der Fußball-Bundesliga und ist nach dem eindrucksvollen Auftritt in Mainz auf dem besten Weg, sich nach 49 Jahren wieder den Titel des Deutschen Meisters zu sichern. Wenn wir diese Leistung in den nächsten Spielen wiederholen, wird es ganz schwer, uns zu schlagen, sagte Fabian Ernst. Das muss in den Ohren der hinterherhechelnden Konkurrenz aus Stuttgart, Bremen und München im Endspurt fast wie eine Drohung klingen.
Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften
Eines steht aber wohl schon jetzt fest: Der Schalker Jahrgang 2007 ist ein ganz besonderer und hat beste Aussichten, die königsblaue Mission Schale zu erfüllen. Auf allen Positionen ist die Elf von Trainer Mirko Slomka hervorragend besetzt. Das wurde beim Erfolg bei den abstiegsbedrohten Mainzern einmal mehr deutlich. Zwar machten Kevin Kuranyi (10.), Asamoah (34.) und Lincoln (71.) vorne die Tore. Doch nicht umsonst gilt auch heute noch die alte Fußball-Weisheit, dass der Sturm Spiele gewinnt, die Abwehr jedoch Meisterschaften.
Mit nur 27 Gegentoren hat Schalke nach Nürnberg die beste Defensive der Liga. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst von Manuel Neuer, den viele schon als kommenden Nationaltorhüter hochjubeln wollen. Zwar verrät der 21-Jährige im rauen Bundesliga-Alltag Schwächen beim Herauslaufen, verkörpert aber dennoch den modernen Torwart der Zukunft und strahlt enorme Ruhe auf seine Vorderleute aus. Und neben den Außenverteidigern Rafinha und Christian Pander bilden Marcelo Bordon und Mladen Krstajic ein kaum zu überwindendes Bollwerk.
Schalke agierte sehr souverän, klug und gelassen
Gerade Kapitän Bordon versteht es wie kaum ein anderer, fair seinen Körper einzusetzen und gleichzeitig mit punktgenauen Bällen über das halbe Spielfeld für Akzente zu sorgen - wie vor Kuranyis 1:0. Es sind noch fünf Spiele und wir dürfen nicht auf die anderen schauen, fasste der Brasilianer die Lage zusammen. Natürlich habe man nun enorm viel Moral, Stärke und Selbstvertrauen. Trainer Slomka befand, dass Schalke sehr souverän, klug und gelassen agierte und mit dem Sieg einen Meilenstein gesetzt habe. So spricht ein kommender Meister.
In Mainz überraschte Slomka im Mittelfeld durch eine Defensiv-Variante mit Ernst und Hamit Altintop. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass der Türke, der ab Juli für den FC Bayern aufläuft, weiter alles für Königsblau gibt, dann diente der Samstag als Beleg. Davor zauberte Lincoln nach fünfwöchiger Sperre. Sein Solotor mit zentimetergenauem Heber über den Torwart zeugt von höchster Klasse. Ich habe mich gefreut wie ein Kind, dass ich wieder spielen und der Mannschaft helfen durfte. Das merkte man in jeder Spielminute.
Von der Disziplin und Taktik ein fast perfektes Spiel
Auch der junge Mesut Özil fügte sich mit einer ansehnlichen Leistung nahtlos ins Gefüge der Knappen ein. Und wer vorne so treffsichere Angreifer wie Asamoah und Kuranyi besitzt, dem muss nicht bange sein. Das schätzt auch Hamit Altintop an seinen Kollegen: Wenn wir hinten zu null spielen, haben wir vorne immer jemanden, der trifft. Gerade Kuranyi blühte in Mainz vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw wiederum auf. So sah Manager Andreas Müller insgesamt sogar von der Disziplin und der Taktik ein fast perfektes Spiel.
Am kommenden Samstag erwartet Schalke Cottbus. Danach folgen die Aufgaben in Bochum und gegen Nürnberg. Bevor man am letzten Spieltag Bielefeld empfängt, steht am 12. Mai die Partie beim Erzrivalen Borussia Dortmund auf dem Spielplan. Nichts würde die königsblauen Anhänger glücklicher machen, als ausgerechnet dort Meister zu werden. Sollte es tatsächlich so kommen, wird auch Gerald Asamoah wieder gut gelaunt sein: Ich hätte kein Problem damit. Dann gehe ich zu Fuß nach Hause. Sagt's, lacht und geht - vorerst noch zum Bus.
FSV Mainz 05 - Schalke 04 0:3 (0:2)
Mainz: Wache - Demirtas, Friedrich, Noveski, Rose - Gerber, Andreasen (79. Pekovic), Azaouagh, Feulner (59. Damir Vrancic) - Zidan, Ruman (46. Jovanovic). - Trainer: Klopp
Schalke: Neuer - Rafinha, Bordon, Krstajic, Pander - Hamit Altintop, Ernst - Lincoln (80. Bajramovic) - Asamoah (59. Halil Altintop), Kuranyi, Özil (66. Kobiaschwili). - Trainer: Slomka
Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)
Tore: 0:1 Kuranyi (10.), 0:2 Asamoah (34.), 0:3 Lincoln (71.)
Zuschauer: 20.300 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Rose (5/1), - Ernst (5/1)
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa
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