Wiedereinführung der Relegation

„Die Bundesliga wird wichtige Farbtupfer verlieren“

11. Mai 2008 In der zweiten Bundesliga tobt an diesem Wochenende mit dem vorletzten Spieltag (14.00 Uhr / Live bei Premiere und im FAZ.NET-Liveticker) der Kampf um die Aufstiegsplätze zwei und drei. Von der kommenden Saison an muss der Dritte sich erst in einer Relegation gegen den Drittletzten der Bundesliga bewähren. Der Mainzer Manager Christian Heidel hält das für eine Katastrophe, obwohl sein Klub bei einem Aufstieg in dieser Spielzeit selbst von der Neuregelung profitieren könnte. Der 44 Jahre alte Heidel fürchtet um die Chancen kleiner Vereine, auch mal Bundesligaluft schnuppern zu können. Im FAZ.NET-Interview spricht er über eine Aufstockung der Liga, eine irritierende Abstimmung und langweiligen Abstiegskampf.

Herr Heidel, Ihr Klub kämpft in der Zweiten Bundesliga gerade um einen der begehrten drei Aufstiegsplätze in die Bundesliga. Im kommenden Jahr müssten Sie Zweiter werden, um sicher aufzusteigen. Was ändert sich durch die Wiedereinführung der Relegation?

Das ist eine Katastrophe für kleine Klubs, die es mal nach oben schaffen wollen. In den vergangenen 15 Jahren haben es St. Pauli, Ulm, Cottbus oder wir fast immer gerade so über den dritten Platz nach oben geschafft. Die Chance wird jetzt immer kleiner, der Türspalt, durch den man durchschlüpfen kann, wird immer enger.

Die Chance ist doch noch da im Relegationsspiel?

Als es in den 80ern schon mal Relegationsspiele gab, wurden 80 Prozent vom Bundesligavertreter gewonnen. Die Chancen für den Zweitligaklub stehen meines Erachtens künftig auf keinen Fall besser. Faktisch hat die Zweite Bundesliga einen Aufstiegsplatz und somit einen großen Teil der Attraktivität ihres Wettbewerbs verloren.

Bei der Abstimmung auf der DFL-Mitgliederversamlung im Oktober gab es aber eine breite Mehrheit auch der Zweitligaklubs für die Wiedereinführung der Relegation.

Das war damals nach einem Sitzungsmarathon wegen der Fernsehrechte. Da hatte keiner mehr Lust zu diskutieren, keiner wollte meine Einwände mehr hören. Ich habe bis heute nicht verstanden, weshalb Freiburg und wir als einzige Zweitligaklubs dagegen gestimmt haben. Das Abstimmungsverhalten ist für mich bis heute nicht nachvollziehbar, da es kein sinnvolles Argument für die Relegation gibt.

Was sind denn dann die Gründe?

Die Bundesligaklubs wollen sich natürlich Planungssicherheit verschaffen. Wenn nur noch zwei direkt absteigen, dann sinkt die Gefahr für kriselnde Große. Wenn immer mehr Klubs immer weniger Ungewissheit haben und sicherer planen können, dann werden die Kräfteverhältnisse immer weiter zementiert. Außderm braucht die Bundesliga die Fluktuation von drei Klubs pro Spielzeit. Die Liga zieht einen Großteil ihrer Spannung aus dem Abstiegskampf. Das sieht man doch jetzt wieder, wo oben schon fast alles entschieden ist. Aber auch dieser Existenzkampf wird langweiliger, weil weniger Klubs involviert sein werden.

Wenn Sie nun in dieser Saison aufsteigen, dann würden Sie von der Neuregelung profitieren, weil Ihr Verein im kommenden Jahr dann mehr Chancen auf einen Klassenerhalt hätte.

Mir geht es ja eben nicht um unser eigenes Interesse, sondern ums Prinzip. Ich bin der Überzeugung, dass die Bundesliga wichtige Farbtupfer verlieren wird, wenn sie mehr und mehr zu einer geschlossenen Gesellschaft wird und immer die selben 20 bis 22 Klubs in der Bundesliga kicken gehören.

Haben Sie die Hoffnung, dass die Relegation irgendwann wieder rückgängig gemacht wird?

Ich gehe davon aus, dass in wenigen Jahren die Bundesliga auf 20 Vereine aufgestockt wird. Dann wird man der Zweite Bundesliga generös einen dritten Aufstiegsplatz gestatten. Dabei müssten es dann sogar eher vier Plätze sein. Doch diese Chance auf diesen vierten Platz haben wir Zweitligaklubs wohl bei der Abstimmung im Oktober verspielt.

Das Gespräch führte Daniel Meuren.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp

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