Von Uwe Martin
08. Juni 2008 Im ICE-Tempo hat der Zweitligaklub Mainz 05 nach dem Saisonende fünf neue Profis verpflichtet. Vollgas, Transferhektik, drei Wochen lang, nun weilt Manager Christian Heidel in Klagenfurt bei der Fußball-Europameisterschaft – und schaut zufrieden zurück. Gut aufgestellt sei der FSV Mainz 05, sagt er. Doch der Klub hat nicht nur Geld ausgegeben, durch den Wechsel von Innenverteidiger Neven Subotic für knapp fünf Millionen Euro nach Dortmund wurde das Festgeldkonto weiter aufgestockt. Geld, das teilweise in den Bau des neuen Stadions eingebracht wird; Geld, mit dem womöglich noch ein neuer Abwehrspieler finanziert wird; Geld, das ganz allgemein ein hohes Maß an Flexibilität ermöglicht und Sicherheit vermittelt.
Torwarttrio wieder fit
Christian Heidel hat sich wie schon im vergangenen Jahr bei dem Abschied von Stürmer Mohamed Zidan zum Hamburger SV als geschickter Stratege erwiesen, wobei die Zidan-Einnahme (knapp sechs Millionen Euro) nur vermeintlich höher gewesen ist als der Geldzufluss durch Subotic, den größten Transfer in der Zweitligahistorie. Bei Zidan musste Mainz 05 zunächst investieren, nämlich im Januar 2007 2,8 Millionen Euro an Werder Bremen überweisen. Der Ablösebetrag für den 19 Jahre alten Jungprofi Subotic ist quasi netto.
Doch damit hat es sich nun. „Kurzfristig wird sich nichts mehr tun“, sagt Heidel. Was auch bedeutet, dass der Klub mit den bekannten Torhütern in die nächste Saison gehen wird – mit Dimo Wache, Christian Wetklo und Daniel Ischdonat. „Glücklicherweise sind alle drei wieder gesund.“ Im Gegensatz zur vergangenen Saison, als sich zunächst Wache schwer an der Schulter verletzte, wenig später auch Wetklo, so dass Ischdonat von der Position drei auf eins aufrückte. „So viel Verletzungspech wie zuletzt werden wir nicht noch einmal haben“, glaubt Heidel. Zudem seien Wache und Wetklo „überdurchschnittlich gute“ Zweitliga-Keeper.
Was der Manager öffentlich natürlich nicht äußert: Der 34 Jahre alte Wache bleibt aufgrund seiner medizinischen Vorbelastung mit nunmehr neunzehn Operationen im Laufe seiner Karriere ein Wackelkandidat, niemand weiß, wie lange der Körper des zudem an Diabetes 1 leidenden Mainzer Kapitäns den Belastungen im Profi-Fußball überhaupt noch standhält. Doch Mainz 05 geht dieses bekannte Risiko anscheinend bewusst ein, die Saison eins nach der Ära von Trainer Jürgen Klopp mit Wache, Wetklo und Ischdonat zu beginnen ist laut Heidel „ganz klar der Plan“.
Weitere Fluktuation ist auch in vorderster Reihe nicht absehbar. Die Stürmer Felix Borja, Srdjan Baljak, Neuzugang Aristide Bancé und Chadli Amri werden mit einiger Gewissheit zum Stammpersonal gehören, dahinter kämpft Petr Ruman nach ausgeheiltem Bandscheibenvorfall um den Abschluss.
Zuspruch für Jovanovic, Spekulationen um Noveski
Und Ranisav Jovanovic? 27 Jahre alt ist der Serbe mittlerweile, bei seinen jüngsten Einwechslungen wurde er sogar vom heimischen Publikum ausgepfiffen, die Zweitligasaison 2007/2008 schloss er ohne Torerfolg ab. Klopp hatte bei dem notorischen Fehlschützen intern schon vor Monaten jede Hoffnung auf Besserung aufgegeben. Doch Heidel wird nicht müde, auf die Leistungssteigerungen von Jovanovic in der Rückrunde sowie auf dessen Potential hinzuweisen, zudem sei er „ein absoluter 05er“. Nein, Gedanken, Jovanovic abzugeben, gebe es nicht. „Aber wenn er auf uns zukommt, sind wir gesprächsbereit.“ Doch hierfür müsste sich zunächst einmal ein anderer Klub für Jovanovic interessieren, aber nicht einmal gerüchteweise ist etwas bekannt geworden.
Spekulationen hingegen gab es zuletzt um Innenverteidiger Nikolce Noveski. Der 29 Jahre alte Mazedonier hat in seinem bis zum Jahr 2010 datierten Vertrag eine Ausstiegsklausel, er könnte für knapp eine Million Euro den Bruchweg verlassen. Eintracht Frankfurt soll Interesse an Noveski bekundet haben, laut Heidel sei bislang „aber nichts passiert“. Anders formuliert: „Nach heutigem Stand bleibt Nikolce ein 05er.“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa