Mainz 05

Einer für alle, alle für einen

Von Uwe Martin

07. Mai 2008 Es ist nicht das erste Mal in dieser Saison, dass sich Jürgen Klopp zum Publikum im Mainzer Bruchwegstadion äußert. Er macht dies regelmäßig. Manchmal ist es ihm zu leise in der Arena, niemals zu laut. Vielleicht ist es derzeit so, dass der 40 Jahre alte Trainer von Mainz 05 die Leistungen seiner Mannschaft nicht ausreichend gewürdigt sieht. Wobei er dies niemals öffentlich zugeben würde. In Klopp brodelt es seit Wochen, er will die Aufstiegschance in diesem Jahr nutzen. Jetzt, wo dieses Ziel zunehmend realistischer erscheint, fordert er „alle Unterstützung“ für seine Profis. Genau dies sei nicht der Fall gewesen im zurückliegenden Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. „Als die Mannschaft Hilfe brauchte, kam mir zu wenig. Da waren zu viele, die gar nicht reagiert haben.“ Genau dies müsse anders werden im Heimspiel gegen Alemannia Aachen an diesem Mittwochabend (17.30 Uhr).

Selten in seiner Trainerkarriere ist Klopp derart deutlich geworden. Die aus seiner Sicht zögerlichen Mainzer Fans mahnte er mit den Worten „auf der Tribüne war die Stimmung auch schon mal besser“ ab. Kritiker mögen einwenden, dass Mainz 05 auch schon mal attraktiver Fußball gespielt habe, unabhängig von der derzeit sportlich überzeugenden Position mit Tabellenplatz zwei und 55 Punkten. Klopp aber könnte auch darauf eine ganze Menge erwidern. Etwa dass Mainz 05 seit Saisonbeginn mit vielen verletzten Spielern, individuellen Formkrisen und anderen Widrigkeiten zu kämpfen hatte. Ins Detail gehen mag er indes nicht mehr in der Schlussphase der Saison. Drei Spiele bleiben noch, mithin sind neun Punkte zu vergeben, und schon sieben Zähler reichen nach Klopp‘scher Rechnung für den Aufstieg. Mit dem Heimsieg gegen Aachen, einem Auswärtspunkt am nächsten Sonntag beim 1. FC Köln und dem finalen Heimsieg gegen den FC St. Pauli (18. Mai) wäre der Traum von der ersten Liga perfekt. „Es geht um Ergebnisse, nicht um Weltklasse-Fußball.“

„Daniel wird nur spielen, wenn er hundertprozentig fit ist“

Von spielerischer Leichtigkeit ist bei Mainz 05 seit Wochen nichts zu sehen. Der angestrebte direkte Wiederaufstieg gleicht einem Kraftakt, bei dem Einsatz- und Leidensbereitschaft höher im Kurs stehen als Kreativität. Umso dankbarer ist die zahlende Kundschaft für geniale Momente wie beim Freistoßtor von Elkin Soto gegen Kaiserslautern in der Schlussminute. Der Kunstschuss des lange verletzten Kolumbianers brachte Mainz 05 drei Punkte – und Soto einen Platz in der Startelf gegen Aachen. „Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass er aufläuft“, sagt Klopp.

Anders als bei Mittelfeldprofi Milorad Pekovic, der aufgrund einer Gelbsperre zusehen muss. Zudem wird sich erst kurzfristig entscheiden, ob Daniel Gunkel seine Oberschenkelzerrung rechtzeitig auskuriert hat. Über die Mainzer Aufstellung und Taktik kann demnach nur spekuliert werden. Als möglicher Nachrücker für Pekovic im zentralen Mittelfeld bietet sich Christian Demirtas an; sollte Gunkel – wie bereits gegen den 1. FC Kaiserslautern – passen müssen, könnte es personelle Überraschungen geben. „Daniel wird nur spielen, wenn er hundertprozentig fit ist“, sagt Klopp. Der Trainer spricht von einer Extremsituation für seine Mannschaft, bei einem Patzer gegen Alemannia Aachen ist die so prächtige Ausgangssituation nämlich schon wieder vergessen. Deshalb fordert er „neunzig Minuten Emotionen“ von den Mainzer Fans. „Wir brauchen die Unterstützung von der ersten Minute an, die Mannschaft wird sie benötigen.“ Schließlich hat Alemannia Aachen in der Rückrunde genauso viele Punkte geholt wie Mainz 05 und ist längst befreit von allen Abstiegssorgen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche