Kommentar

Siemens hofft und bangt

Von Rüdiger Köhn

23. Juni 2009 Peter Löscher hat einen perfekten Widerspruch konstruiert. Der Vorstandsvorsitzende von Siemens will nach eigenen Worten nicht das Fell des Bären verteilen, solange der nicht erlegt ist. Im selben Atemzug aber macht er genau das: Ganz schön kess ist es, offen 15 Milliarden Euro Aufträge aus den Konjunkturprogrammen der Länder dieser Welt zu beanspruchen, deren Einzelheiten noch nicht ausgestaltet sind.

Ungewöhnlich ist der Vorstoß, den andere Konkurrenten in dieser Form noch nicht gewagt haben. Viel genützt hat er nicht. Die Börse zeigte am Montag kein Interesse. Das ist aber nicht die Stoßrichtung gewesen. Löscher geht es um die Botschaft nach innen; nämlich die Länderorganisationen anzutreiben, um nicht den Anschluss gegenüber der Konkurrenz zu verpassen.

Denn viele werden auf die vom Steuerzahler zu berappenden Infrastrukturprojekte schielen. Das heftige Buhlen beginnt erst, weshalb Druck erzeugt werden muss. Da macht sich offenkundig Nervosität gepaart mit Selbstbewusstsein breit. An allen Ecken gilt es, Geschäft zu akquirieren. Denn 2010 wird für Siemens ein sehr schwieriges Jahr mit weiteren Auftragsrückgängen, selbst wenn heute die Talsohle erreicht sein sollte.

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Text: F.A.Z.

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