Von Rainer Hermann
23. Juni 2008 Der Ölpreis ist außer Rand und Band. Entspannung brachte auch die Konferenz der großen Förder- und Verbraucherländer im saudischen Dschidda nicht. Die Produzenten hielten sich mit Zusagen zurück, ihre Fördermengen auszuweiten - auch deshalb, weil nur noch Saudi-Arabien über freie Kapazitäten verfügt. Diese ist auf weniger als 3 Prozent der globalen Nachfrage geschrumpft und damit auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. In den großen Verbraucherländer breitet sich die Angst aus, dass der Ölpreis die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzt.
Ratlosigkeit herrscht auf beiden Seiten, jede schiebt der anderen den Schwarzen Peter zu. Die Verbraucher fordern von den Produzenten eine höhere Fördermenge, die Ölproduzenten aber machen die Akteure an den Finanzmärkten für den Anstieg der Ölpreise verantwortlich. Hier fanden sie in Dschidda einen gemeinsamen Nenner: Die Märkte sind nicht transparent genug, es gibt zu wenig verlässliche Daten. Niemand weiß, wie viel Rohöl tatsächlich produziert wird und wie hoch die Nachfrage ist. Experten beobachten zur Ermittlung des Ölangebots am Golf von Hormuz, wie tief die Öltanker im Wasser liegen, und auf den Spotmärkten werden Schiffsladungen schwarz verkauft.
In beiden Positionen mehr als ein Körnchen Wahrheit
In beiden Positionen steckt mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Ganz gewiss stimmt, dass die Förderkapazitäten zu niedrig sind. Die Nachfrage nach Rohöl ist in den letzten zehn Jahren schneller gestiegen als der Ausbau der Förderkapazitäten. Allein die zusätzliche Nachfrage Chinas summiert sich in diesem Zeitraum auf 5,5 Millionen Fass am Tag, also mehr als 6 Prozent der heutigen Fördermenge. Jahre hatten die Förderländer aber nicht in neue Kapazitäten investiert. Dass der Ölpreis nach der Asien-Krise auf weniger als 10 Dollar pro Fass gefallen war, steckte lange in ihren Knochen. Um ihn auf einem höheren Niveau zu stabilisieren, hatte Saudi-Arabien 1999 bei einem Vorläufer der Konferenz von Dschidda Zustimmung für den Vorschlag bekommen, ein Preisband von 22 Dollar bis 28 Dollar durchzusetzen.
Allerdings üben die Händler heute einen größeren Einfluss auf den Ölpreis aus als die Ölproduzenten. Die Charts zeigen eine verblüffende Korrelation zwischen dem Verfall des Dollars und dem Anstieg des Ölpreises. Je schwächer der Dollar wurde, desto mehr Geld floss in Termingeschäfte mit Öl. Mit Investitionen in Rohöl und andere Rohstoffe betreiben große Fonds Kurssicherungsgeschäfte. Rohöl wurde ein Investmentvehikel. Damit bestimmen den Preis nicht mehr allein das physische Angebot von Rohöl und seine Nachfrage, sondern auch die Mechanismen der Finanzmärkte. Zwar erklären die Fundamentaldaten auf dem physischen Ölmarkt den Preisanstieg. Doch andere Faktoren treiben ihn auf die Spitze.
Die Opec wird irrelevanter
Dadurch wird die Organisation erdölproduzierender Staaten (Opec) noch irrelevanter. Sie fördert zwar 40 Prozent des konsumierten Erdöls, und ihre Staaten besitzen zwei Drittel aller Vorkommen. Ein erster Rückschlag war für die Opec, als sie 1973 mit dem Ölboykott und der Verdreifachung des Ölpreises die Ausweitung der Förderung etwa in der Nordsee einleitete. Die Folge war ein schmerzhafter Rückgang des Marktanteils der Opec. Später schwand der Einfluss des Kartells mit dem Schrumpfen seiner freien Förderkapazitäten weiter. Deshalb kann die Opec den Preis nicht länger kontrollieren. Zudem rücken nun nicht-konventionelle Ölvorkommen wie Ölschiefer in den Blickpunkt. Sie befinden sich außerhalb der Opec-Staaten, beispielsweise in Kanada. Das Ende des billigen Öls leitet damit auch das Ende des Opec-Kartells ein.
Für Saudi-Arabien, den mit Abstand größten Ölexporteur, ist der hohe Ölpreis ein zweischneidiges Schwert. Zum einen beschert er dem Land in diesem Jahr Öleinnahmen von 400 Milliarden Dollar, doppelt so viel wie im Vorjahr. Zum anderen honoriert er die Suche nach alternativen Energien - und er stärkt den Rivalen Iran. Saudi-Arabien will einen weiteren Anstieg des Ölpreises verhindern und lockert seine Bedingungen für ausländische Investoren. So darf China, das ein bevorzugter Partner geworden ist, im Leeren Viertel Öl und Gas suchen und es später zu günstigen Bedingungen fördern. Iran stemmt sich indes gegen einen Rückgang des Preises. Denn der Islamischen Republik sind die Gewinne als Ausgleich für die Wirkungen der Sanktionen höchst willkommen.
Die Macht des Kartells mag bröckeln. Dennoch bleibt Saudi-Arabien mit seinem Anteil von einem Viertel der Ölvorkommen ein Hauptakteur. Aber was immer das Königreich tut, kurzfristig wird es kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Die laufende Ausweitung der Kapazität um 2,5 Millionen Fass am Tag bis 2010 schließt nur die Lücke, die durch die Produktionsausfälle in den Krisenländern Nigeria und Venezuela entstanden ist. Wegen der wachsenden globalen Nachfrage und unzureichender Förderkapazitäten wird der hohe Ölpreis selbst dann nicht zurückgehen, wenn die Produzenten alle stillstehenden Pumpen in Betrieb setzen. So viele gibt es einfach nicht mehr.
Text: F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| LINDE AG INHABER - A | +2,07 | +2,47 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +1,16 | +1,82 |
| ADIDAS AG INHABER - | +0,66 | +1,68 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -0,37 | -1,81 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,10 | -1,68 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | -0,51 | -1,37 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.422,30 | +0,03 |
| TecDax | 827,16 | +0,24 |
| DowJones | 11.543,96 | -1,46 |
| Nasdaq | 2.367,52 | -1,83 |
| STOXX 50 | 3.365,63 | +0,18 |
| Nikkei 225 | 13.072,87 | +2,39 |
| S&P 500 Zert. | 12,95 | +1,17 |
| Euro/Dollar | 1,47 | +0,01 |
| Bund Future | 114,16 | -0,12 |
| Gold | 830,05 | +0,03 |
| Öl | 113,83 | -0,54 |
Soso, Frau Y. geht es also nicht um die Macht....
00:05Lehrgeld ? Es hat eben keiner "gelernt"
23:46