Von Gerald Braunberger
15. Juli 2008 Die vor ziemlich genau einem Jahr ausgebrochene Finanzmarktkrise wird so langsam unheimlich. Dreimal schien es in der Vergangenheit, als wäre sie schon vorüber; doch jedes Mal erhob sie wieder ihr hässliches Haupt. Die Unterstützung des amerikanischen Staates für die beiden großen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac verdeutlicht, wie ernst die Lage ist. Die beiden Finanzhäuser haben Anleihen über mehrere Billionen Dollar ausgegeben, von denen sich ein erheblicher Teil im Besitz ausländischer Anleger befindet. Ein Zusammenbruch von Fannie Mae und Freddie Mac hätte unabsehbare Folgen für das Weltfinanzsystem.
Erreicht hat die Immobilienkrise nun auch Spanien, wo die Häuserpreise wie in Amerika viele Jahre lang gestiegen sind. Die Insolvenz des Unternehmens Martinsa-Fadesa könnte der Beginn jener Immobilienkrise sein, die von Fachleuten seit geraumer Zeit vorausgesagt wurde. Die Reaktionen der internationalen Aktienmärkte waren angesichts dieser schlechten Nachrichten nicht erstaunlich: Die Kurse gingen deutlich zurück, und nicht zufällig litten besonders die Bankaktien. Die Lage an den Finanzmärkten ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Denn die Regierungen und Notenbanken haben dazugelernt und befinden sich nicht in der Gefahr, jene katastrophalen Fehler der frühen dreißiger Jahre zu wiederholen, als staatliches Handeln dazu beitrug, aus einem Börsenkrach und einer Bankenkrise eine schwere Krise der gesamten Weltwirtschaft entstehen zu lassen.
Das Geld des Sparers bei seiner Bank ist nach wie vor sicher. Auch wenn die Eingriffe der Regierungen und der Notenbanken ordnungspolitisch fragwürdig sind, ist jetzt pragmatisches Handeln erforderlich, um Ruhe zu schaffen. Eile tut not: Die Schwäche des Dollar belegt das schwindende Vertrauen in die Führungsmacht Amerika. Träfe die Finanzmarktkrise eine ansonsten kerngesunde Weltwirtschaft, wären ihre Folgen übersehbar. Aber die Weltwirtschaft ist nicht länger gesund. Die Inflation ist in vielen Ländern zu hoch, und exorbitante Rohstoff- und Energiepreise untergraben das Wirtschaftswachstum. Alle Indikatoren der jüngsten Zeit belegen, dass auch die bislang robuste deutsche Wirtschaft leiden wird. Man würde gerne eine optimistische Prognose wagen. Aber es sieht nicht gut aus.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| DEUTSCHE POSTBANK AG | +0,89 | +2,10 |
| CONTINENTAL AG INHAB | -0,11 | -0,15 |
| MERCK KGAA INHABER - | -0,78 | -1,03 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -3,17 | -5,14 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | -1,52 | -5,01 |
| DAIMLER AG NAMENS - | -1,76 | -4,24 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.127,44 | -2,42 |
| TecDax | 761,19 | -4,17 |
| DowJones | 11.220,96 | +0,29 |
| Nasdaq | 2.255,88 | -0,14 |
| STOXX 50 | 3.185,83 | -2,72 |
| Nikkei 225 | 12.212,23 | -2,75 |
| S&P 500 Zert. | 12,28 | -3,08 |
| Euro/Dollar | 1,43 | +0,00 |
| Bund Future | 115,28 | +0,12 |
| Gold | 802,80 | +0,00 |
| Öl | 104,17 | -3,09 |