Serie

Analysten - ein Berufsstand steht am Pranger

Von Jürgen Büttner

Analysten müssen sich immer öfter rechtfertigen

Analysten müssen sich immer öfter rechtfertigen

01. Juli 2002 Fehlende Glaubwürdigkeit ist eines der Hauptprobleme, mit denen sich die Aktienmärkte derzeit herumzuschlagen haben. Eine Hauptschuld an dieser Entwicklung trifft die Analysten. Zumindest einige von ihnen haben die Börse mit einem Selbstbedienungsladen verwechselt. Ihr Hauptinteresse galt dabei mehr ihrem eigenen Geldbeutel als zutreffende und gewinnbringende Analysen abzuliefern.

Der schlagzeilenträchtigste Skandal waren bisher die Verfehlungen bei Merrill Lynch. Dort wurden Aktien intern als ein „Stück Scheiße“ bezeichnet, die man den Kunden extern zum Kauf empfohlen hat. Für dieses unverzeihliche Vergehen zahlt Merrill Lynch nun unter anderem eine Strafe von 100 Millionen Dollar.

Gravierende Grundprobleme

Doch der nachfolgende Aufschrei und die eingeleiteten Gegenmaßnahmen haben das grundsätzliche Problem noch lange nicht behoben. Das wurde erst jüngst beim Skandal um Worldcom wieder deutlich. Selbst bei diesem skandalumwitterten Unternehmen gab es bis vor kurzem kaum Verkaufsempfehlungen. Und das, obwohl unabhängig vom Bilanzskandal vieles bei Worldcom bereits seit einiger Zeit zur Vorsicht mahnte.

Erschreckende Fehlurteile wie diese gibt es leider immer wieder zu beobachten. Mitunter neigt man als kritischer Beobachter beinahe dazu, Analysten eher als Kontraindikator denn als glaubwürdige Anlageberater zu nutzen. Um aber keine unberechtigten Pauschalverurteilungen zuzulassen, wollen wir uns dem spannenden Thema ausführlich annehmen.

Inhaltsangabe für die Analystenserie

In einer Artikelserie werden wir in den kommenden Tagen die Problematik mit den Analysten und ihren Empfehlungen genauer unter die Lupe nehmen. Dazu gehört zunächst selbstverständlich ein Beitrag, der sich mit dem Umfeld und den vielen Interessenskonflikten beschäftigt, denen die Analysten unterliegen. Untermauert werden die dabei gewonnenen Erkenntnisse dann in einem zweiten Artikel, der einige Beispiele für fragwürdige Analystenempfehlungen aufzeigt.

Zur Wochenmitte wird es dann darum gehen, zu beschreiben, wie Analystenempfehlungen im Idealfall auszusehen haben. Dies wiederum wird ergänzt durch einen Beitrag, der einen Analysten vorstellt, der sich nur für erfolgreiche Empfehlungen bezahlen lässt. Unvollständig wäre eine solche Serie natürlich dann, wenn sie keinen Artikel mit Tipps für Anleger zum Umgang mit den Analystenstudien beihalten würde. Informationen erhält zu guter Letzt aber auch derjenige, der sich trotz aller Fragwürdigkeiten für eine Ausbildung zum Analysten interessiert.

Text: @JüB
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET

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