Erfolgreicher Börsengang

Einzelfall Visa

Von Norbert Kuls

19. März 2008 Der Zeitpunkt war gewagt. Inmitten der turbulentesten Börsenzeiten seit Jahren hat der Kreditkartennetz-Betreiber Visa einen gigantischen Börsengang durchgezogen. Die Nachfrage nach den Papieren war so hoch, dass der Ausgabepreis schließlich noch über der zuvor avisierten Preisspanne lag. Als im Februar klar wurde, dass Visa mit Abstand der größte Börsengang (IPO) der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte werden würde, galt das als Hoffnungsschimmer für den schleppenden IPO-Markt und die an der Börse unter Druck stehenden Finanzwerte. Aber Visa ist ein Einzelfall.

Die Nachfrage nach den Visa-Papieren ist kein Vorzeichen für ein Ende der Finanzkrise. Investoren schlugen sich vielmehr um die Aktien, weil die Papiere als eine Art Absicherung gegen die Konjunkturschwäche und die steigenden Zahlungsausfälle bei Kreditkarten gelten. Im Gegensatz zu Kreditkartenriesen wie American Express oder Banken wie Citigroup gibt Visa nämlich selber keine Karten aus, sondern betreibt nur das Netzwerk. Visa profitiert auf diese Weise von einem Anstieg der Nutzung von Plastikkarten beim Zahlungsverkehr und ist immun gegen die Zahlungsschwierigkeiten der Verbraucher.



Text: F.A.Z., 20.03.2008, Nr. 68 / Seite 24

 

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