Mit dem Kopf durch die Wand

"Karl und Rosa", Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, genossen in der DDR geradezu kultische Verehrung als Märtyrer der kommunistischen Bewegung in Deutschland. Auch nach dem Ende der DDR gedenken alljährlich an einem Januartag mehrere tausend Menschen auf dem Friedhof Berlin-Lichterfelde der durch Freikorpssoldaten am 15.

In Jerusalem

Sechzig Jahre nach der Gründung des Staates Israel erscheint es durchaus angebracht, den Blick auch auf die weitere Vorgeschichte der Teilung Palästinas zu werfen. Dies tut Rolf Steininger, indem er den "Kampf um Palästina" in der Zwischenkriegszeit anhand von Berichten dokumentiert, die die deutschen Generalkonsuln nach Berlin geschickt haben.

Töne des Frühlings

Eine Vogelexkursion ist etwas für Frühaufsteher und ein Abenteuer für Ohrenmenschen. Wer dagegen Vögel vor allem sehen und beobachten will, der hat mit seinem Feldstecher schon immer etwas ratlos neben dem Exkursionsleiter gestanden. Denn der Ornithologe identifiziert die gefiederte Vielfalt hauptsächlich anhand der Stimmen und Gesänge.

Du sollst töten

Darf man das? Über das schlimmste Leiden in Ich-Perspektive schreiben, ohne dass man es selbst erlebt hat? Man kann und darf es. Zumindest dann, wenn man es so macht wie Uzodinma Iweala in seinem ersten Roman über einen afrikanischen Kindersoldaten. Vor drei Jahren wurde "Du sollst Bestie sein!" (im Original: "Beasts of no nation") in den Vereinigten Staaten als Sensation gefeiert.

Leichter lesen

Die Lesefähigkeit war einst ein Luxusgut, das vor allem den Frauen vorenthalten wurde. Ein Luxusgut waren auch die Figürchen aus edlem Meißner Porzellan, die dem Fotografen Rainer Griese für seinen Bildband "Lesen. Ohne Worte" als Modell dienten. Nippespüppchen, Glas- und Holzmännchen, Gartenzwerge und Bronzeprinzen - sie alle haben eines gemein: Sie lesen.

Rastlos auf Hawaii

Der Angriff auf Pearl Harbor liegt lange zurück und scheint das Verhältnis zwischen Japan und Amerika nicht nachhaltig gestört zu haben. Jedenfalls zählt Hawaii zu den Lieblingszielen japanischer Flitterwöchner. Was sie an der Inselgruppe mögen, macht nun ein Fotoband des japanischen Fotografen Daido Moriyama ganz und gar nicht deutlich.

Schöner aussehen

Es gibt kein Entrinnen für uns, bereits der Titel "Wir Schönheits-Junkies" stellt das klar. "Wir" sind laut Christiane Zschirnt weiblich und gehören zu denen, die sich "ständig mit Bildern vergleichen müssen". Dabei stellen wir fest, dass es im Vergleich mit Models kein Mithalten gibt, wir denken über Schönheitsoperationen nach, wir halten Diät, und wir fürchten das Alter.

Lockerungsübungen im Weltraum

Der Stein, den wir loslassen, fällt zur Erde. Auf die Frage, warum er das tut, sind verschiedene Antworten möglich: weil wir ihn losgelassen haben. Weil er dem Gravitationsgesetz gehorcht. Weil es der Wille Gottes ist, ihn gemäß dem Gravitationsgesetz seinen Fall vollziehen zu lassen. Die erste Antwort ...

Die inneren Angelegenheiten der Straße

Wer den Fotografen Dirk Reinartz kannte, schildert ihn als fröhlichen, lebenlustigen Menschen, und wer es darauf anlegte, könnte in den überlieferten Porträts zwischen seinem dicken Schnauzbart und dem wirren Lockenkopf einige Lachfalten entdecken. Wie anders dagegen sein fotografisches Werk. Reinartz schien wie magisch angezogen von jeglicher Form der Tristesse.

Grob vorsortiert

"Photography is constantly changing and hard to define", lautet der erste Satz dieses Buches. Großformatig wird genau das auf den folgenden 220 Seiten dem Betrachter gezeigt: dass es die Fotografie nicht gibt, auch nicht die Fotografie der Gegenwart, sondern dass nebeneinander und wild durcheinander ...

Macht es einfach, Manager!

In den Naturwissenschaften ist scheinbar alles ganz einfach. Man probiert und probiert, beobachtet sorgfältig und versucht dann daraus bestimmte Regeln abzuleiten. Der Unternehmensführung, die sich gerne das Mäntelchen des Wissenschaftlichen umhängen lässt, bleibt diese Methode in aller Regel verschlossen.

Wer das Tüchlein wählt

Zu den unvermeidlichen Lautsprecherdurchsagen auf deutschen Bahnsteigen gehört jene, wonach der erwartete Zug wegen einer Verzögerung im Betriebsablauf soundso viele Minuten Verspätung habe. Es ist die Variante, deren Begründungsaufwand für die mitgeteilte Verspätung gegen Null tendiert. Schließlich könnte man sie auch übersetzen in: Weil es zu Verspätungen kommt, kommt der Zug später.

Im Wahnsinn alle Bienenvölker getötet

So eine Schreibmaschine ist doch eine schöne Sache", heißt es einmal in Hans Falladas Briefen an seine Frau, "die klappert nun jeden Abend stundenlang . . . und die denken alle, der große Dichter arbeitet und wagen mich nicht zu stören. Und dabei tut er nischt, aber rein jarnischt als an seine Olle ...

Abgekühlte Klimapolitik

Gibt es nur die Wahl zwischen Hysterie und Ignoranz? Kann man nur wählen zwischen Untergangspropheten oder jenen Klima-Skeptikern, die die Erderwärmung entweder für unproblematisch halten oder den menschlichen Einfluss bestreiten? In der Klimapolitik ist es sehr schwer, einen Mittelweg zu finden, weil man so viele schrille Töne hört.

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