
Einige Menschen neigen dazu, die modernen Kommunikationstechniken zu verteufeln, weil sie den Niedergang unserer Sprachkultur begünstigen würden. Es lässt sich nicht leugnen, dass es in E-Mails und auf vielen Internetseiten von Rechtschreibungsfehlern und Interpunktionsmängeln nur so wimmelt. Und was gerade junge Menschen in die Tastatur ihrer Handys hacken, zeugt nicht selten von gravierenden Missverständnissen der deutschen Orthografieregeln.
Man kann diese Entwicklung aber auch anders bewerten: Internet, E-Mail und SMS ist es zu verdanken, dass sich heute mehr Menschen in schriftlicher Form äußern als jemals zuvor. Waren wir einst ein Volk weniger Dichter und Denker, die einer überwältigenden Mehrheit von des Lesens und Schreibens unkundigen Menschen gegenüberstanden, so sind wir heute ein Volk weniger Dichter und Denker, die sich gegen eine schreibwütige Mehrheit behaupten müssen. Unsere Schriftsprache steht folglich nicht vor dem Niedergang - sie war noch nie so populär wie heute! Und es ist wie immer, wenn viele Köche gleichzeitig mitmischen: Jeder hat eine andere Vorstellung von der richtigen Rezeptur.
Originaltext von Bastian Sick.
spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,411958,00.html

... haben das Problem gekannt; große Rhetoriker machten sich darüber lustig, daß es eben einen Unterschied macht, ob man lateinisch oder grammatisch spreche ...
Schön und vielleicht neu an dem Artikel ist unzweifelhaft die soziologische Diagnose. Ich weiß nicht, ob sie zutrifft, aber es ist sehr plausibel, daß es sich um ein Mittelschichtenphänomen handelt, das aufblüht, wenn das Prekariat droht. Der Adel hat jedenfalls immer so gesprochen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, und das ist bei moderner High Society ähnlich.
Die Gefahr, die allerdings von den Hyperpuristen ausgeht, ist indes gering; man sollte sie einfach machen lassen, und gut is'.

... was bitte schön ist:
Pleonastische
prätentiös und
Manierismen? (im Artikel)
Die beste Kritik ... ist verständliches Deutsch.
Hilfe - bin ich jetzt ungebildet?
Will sich Hr. Seidl vielleicht eine Scheibe guten Deutsches bei W. Schneider oder S. Sick abschneiden?

Bastian Sick würde, wenn es die Rechtschreibreformer nur so beschlossen hätten, auch an geraden Tagen "still sitzen" und an ungeraden "stillsitzen" schreiben.

Diese Zeitung lässt Professoren und Oberstudienräte ganzseitig räsonnieren, ob man still sitzen oder stillsitzen schreiben soll und mokiert sich über Sicks Sprachglossen.

Aber auch am heutigen Montag wieder auf der Titelseite der FAZ - im Artikel über die chinesischen Kredite für Afrika:
"Schon jetzt kommen ein Drittel der chinesischen Ölimporte von dort."
Schon jetzt kommen ein Drittel?
Vielleicht kommt dann bald zwei von dort.

Kritik an der Sprachkritik - bravo. Aber es ist schwer so korrekt zu schreiben, daß nicht wieder Sprachkritik angebracht ist. Das alte "hin und her", das schon Karl Kraus aufgegriffen hat, wird auch in diesem Text zum Problem. Seidel schreibt: Sick blickt nicht hinauf, er schaut herab. - Nein, er schaut HINab, weil er zu den Menschen unter ihm HINschaut. Die können sagen: Sick schaut auf uns herab. Aber der Perspektivwechsel in der Betrachtungsweise vom Betrachter hin zum Betrachteten findet in dem Satz nicht statt. Daher ist der WEchsel von "hin" und "her" leider ein nicht gelungener Feuilletonismus.
Der Bildungsbürger merkt sich den Unterschied mit Goethes "Faust" - Schluß 1. Teil: "Her zu mir" ruft Mephisto. Faust, müßte sagen: Hin zu ihm.
Oder mit der Überschrift des Artikels: Der Zwiebelfisch stinkt vom Kopf her - sagt der Beobachter. Der Zwiebelfisch aber sagt sich: Ich stinke ihm - und zu ihm hin.

Lieber Herr Seidl,
haben Sie Bastian Sick schon einmal auf der Bühne gesehen? Nein! Ich lege Ihnen den Besuch der Tour aber dringend ans Herz...denn dann wüssten Sie aus erster Hand, dass Herr Sick grundsätzlich nicht im Ton der Herablassung spricht.
Ganz im Gegensatz zu Ihnen, mit Verlaub, denn Ihr Artikel stotzt nur so vor Arroganz und - wie viele Kommentatoren ja sehr richtig erkannt haben - vor Neid gegenüber dem "Schlussredakteur" Sick!
Wir können gerne über Bücher und Bühnenprogramme streiten, aber doch bitte auf der Sachebene.
Die Fundstücke, die Bastian Sick, zeigt, sind im übrigen nicht seine Fundstücke, sondern Fundstücke seiner Leser.
Und die Schau ist so amüsant, dass ich sie allen nur wärmstens empfehlen kann. Auch Sie, Herr Seidl, haben dazu noch Gelegenheit - in der Alten Oper in Frankfurt, vorausgesetzt, Sie wagen sich unter die "neuen Bürgerlichen"....

Warum - so stellt sich hier die Frage, ist dieser Herr eigentlich immer noch beim Spiegel, wenn er doch ein solch bewanderter Deutsch-Kenner ist?
Ich meine, wenn er es wirklich drauf hätte (darf man das eigentlich/uneigentlich sagen/schreiben), dann wäre er doch bei der F.A.Z.;oder?
"Wir kehren zu bloßem Deutsch zurück. Desto besser, sag' ich, desto bereicherter ist es, je mehr Sprach-Freiheiten, Wechselfälle, Abweichungen eben da sind; für uns, die wir aus der Regel der Regeln, aus dem Sprachgebrauche schöpfen, gibt es keine Unregelmäßigkeit, nur für den Ausländer, der erst unsern Sprachgebrauch, d. h. unsern Gesetzgeber dem seinigen unterwerfen und unsere Gesetze durch seine abteilen und erlernen muß. Denn gäb' es eine allgemeine Regel, so hätten alle Sprachen eine Grammatik." J.P.F. Richter

Ich gestatte mir, Herrn Seidl zuzustimmen. B. Sick nervt tatsächlich und hauptsächlich in seiner Funktion als Sprachrohr all jener Spiesser, die ihre Kritik selbst zu äussern nicht wagen.

Ich bin erstaunt und zugleich empört über die scharfe Kritik, die Bastian Sick entgegen geworfen wird. Seine Kolumnen dienten der Selbsterhöhung? Dass ich nicht lache. Hat denn der Autor am Ende seines Artikels vergessen, was er am Anfang geschrieben hatte? Schlussredakteur war Sick. Und sein Beruf bringt es nun mal mit sich, der Besserwisser zu sein. Warum sollte er seine Korrekturen nicht in lustige Geschichten verwandeln? Ist es nicht viel einprägsamer, wenn einfache grammatikalische Regeln mit Beispielen aus dem Alltag anschaulich gemacht werden? Das ist es ja gerade, was die Geschichten so effektiv macht: Das Naheliegende, das Bekannte, das so Alltägliche. Würden alle Bespiele an Hans und Peter festgemacht, wer würde sich’s merken? Da muss eben ein Ochsenknecht oder auch ein Dönerbudenbesitzer her, damit’s auch morgen oder übermorgen noch im Kopf sitzt. Und überhaupt: Lernt man denn nicht viel lieber (und vielleicht auch schneller), wenn man dabei seinen Spaß hat?
Es ist überaus abwegig zu glauben, die Kolumnenleser freuten sich mehr darüber, sich die Dummheit anderer vor Augen zu führen als mit Witz und Intellekt Regeln der deutschen Sprache zu lernen.
P. Asendorf

Die Erfolge von Stefan Raab beruhen zum großen Teil auf dem Prinzip, andere lächerlich zu machen. Anstand, Niveau und Rücksichtnahme wären dabei geschäftsschädigend.
Mit Bastian Sicks sprachkritischen Veröffentlichungen scheint es sich ähnlich zu verhalten, wenn der Verfasser des kritischen FAZ-Artikels recht hat. Ich kann es nicht aus eigener Erfahrung bestätigen, weil ich die berühmten Büchlein nach einigem Blättern in der Buchhandlung schnell wieder weglegte. Zu oberlehrerhaft und zu abgedroschen kam mir der Inhalt vor.
Wer sich wenig oder gar nicht mit Sprachreflexion beschäftigt hat, mag sein Vergnügen daran finden, und es ist auch verständlich, dass der kritische Artikel viele Menschen ärgert. Schließlich stehen die Büchlein auf der Bestsellerliste, das heißt, dass viele Menschen dafür Geld bezahlt haben. Die freuen sich natürlich nicht, wenn man ihnen ihr Vergnügen nun madig macht.

Es freut mich, dass das wieder aufgekommene pseudobürgerliche Phänomen der falschen Sprachpäpste zurechtkritisiert wird. Wie man an den Kommentaren feststellt, nicht ohne Bedarf und Wirkung. Erst kürzlich durfte ich mir am Mittagstisch anhören, wie viel weiter wir wären, wenn wir doch nur mehr Goethe und Schiller läsen; da bezog sich jemand auf einen älteren Faz-Artikel, indem eine Schauspielerin das Gleiche forderte, um das Deitsche anzuheben, wie man sagt, und - wie kann es anders sein - Sick. Eine Lehrerin, wie sie sagte, sie müsse es ja wissen. Dass sie keinen echten Bezug zur Sprachgebrauch, sondern einer höfischen und vor allem, gemessen an den wissenschaftlichen Diskursen damaliger Zeit unangemessen, konnte sie weder verstehen, noch dass das Thema seit der Gründung des deutschen Sprachtempels immerzu aufflammt und von den ungeschickten Formalisten am imposantesten verteidigt wird. Überflüssig. Hübsch drum, was Sie sagen. Sehr, sehr schön der Bezug zu Thomas Mann. Um Sick und andere Sicks zu verstehen, hätte ich mir allerdings eine Auseinandersetzung mit Schopenhauer, Nietzsche und Tucholsky gewünscht. Diese wünschten sich ja gleichfalls an die Speerspitze des Deutschen und waren, wie Leibniz, allerdings eloquenter.

Seidels Polemik ist geistreich und kurzweilig. Ganz im Gegensatz zu Sicks Werk, dessen erstes Buch nach Lektüre der ersten fünf Kapitel in meiner blauen Tonne landete.

Bei Bastian Sick habe ich von vorn bis hinten das gesamte Buch durchgelesen - bei diesem Beitrag, der vor Neid und hämischer Arroganz strotzt, habe ich nach zwei Absätzen aufgehört zu lesen. Sick hat seine Leser verdient, Autor Seidel mit Sicherheit nicht, sein Beitrag liegt längst im Altpapier.