23. Juli 2008 Licht und Luft, Sonne und Farbe verordnete der Reform-Architekt Gustav Oelsner (1879 bis 1956) seiner Wahlheimat Altona. Der 1924 zum Bausenator bestellte Ostpreuße machte in neun Jahren die triste, bis 1937 preußische Arbeiterstadt vor den Toren Hamburgs zu einer "grünen Großstadt mit menschlichem Maßstab". Oelsners progressive Bauten, Parks und etwa zweitausend kommunalen Sozialwohnungen gelten bis heute als Avantgarde-Architektur der Weimarer Republik. Seine großteils unversehrten Industrieanlagen, Stadiongebäude und als "Stadtmöbel" bezeichneten Pavillons, Kioske, Straßenbahnunterstände und Tankstellen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen. Viele inzwischen achtzig Jahre alte kommunale Wohnungsbauten und einige nach wie vor modern anmutende öffentliche Gebäude wie die elbnahe Gewerbeschule am Platz der Republik haben überdauert. Bei der Entdeckungstour hilft seit 2006 eine Architekturführer aus dem Dölling und Galitz Verlag, der nun mit einer gelungenen Dokumentation nachlegt. Darin erläutert Peter Michelis, was er als Professor für Städtebau und Stadtentwicklung acht Semester lang mit Studenten zu Oelsners neuem Bauen und dessen Ringen um ein größeres Altona und die Gestaltung öffentlicher Elbparks aus einst privaten Ländereien erforscht hat. Auf dem Cover als Markenzeichen die bunte Klinkerfassade einer von Oelsners Häuserzeilen: Die mit brüchiger Oberfläche gesinterten, unterschiedlich verfugten Steine in allen Farbschattierungen von Rot über Blauviolett und Grün bis Ockergelb zeugen von der expressionistischen Experimentierfreude des visionären Baumeisters, den die Nazis 1933 aus dem Amt jagten. (Peter Michelis [Hrsg.]: "Der Architekt Gustav Oelsner". Licht, Luft und Farbe für Altona an der Elbe. Verlag Dölling und Galitz, Hamburg 2008. 264 S., 350 historische und aktuelle Farb-Abb., Übersichtskarte, geb., 39,80 [Euro].) föls
Buchtitel: Der Architekt Gustav Oelsner - Licht, Luft und Farbe für Altona an der Elbe
Buchautor: Michelis, Peter
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2008, Nr. 170 / Seite 32