23. Juni 2008 Wenn demnächst mit der CD der letzte materielle Tonträger verschwunden sein wird, sind wohl auch die Zeiten der Kunstform "Cover" vorüber. Übrig bleibt wohl nur ein kleines "Icon", das dabei hilft, die Ordner in den entsprechenden Musikdatenbanken voneinander zu unterscheiden. In einem schmalen, aber überaus interessanten Buch haben jetzt die Herausgeber des New Yorker Hip-Hop-Magazins "Wax Poetics" 240 ausgewählte Alben abgebildet. Von den unzähligen Anthologien, die Design und Entwicklung der schützenden Papphülle inzwischen dokumentieren, hebt sich "Cover Story" deutlich ab. Hier werden nicht verschiedene Stile voneinander geschieden oder Kuriositäten vorgeführt, sondern das Projekt folgt einem subjektiven Ansatz, wie Brian DiGenti im Vorwort erklärt: Zwölf Autoren der Zeitschrift sollten jeweils zwanzig Platten aus ihrer Sammlung präsentieren, deren Cover für sie besondere Bedeutung besitzen. So kommen auf den Doppelseiten spannende Bildpaare zustande, bei denen nicht nur ikonographische Gemeinsamkeiten über alle Genregrenzen hinweg hervortreten. Auch Gebrauchsspuren und sogar handschriftliche Notizen zieren manche Hülle: Auf einem seltenen Exemplar von James Masons Jazz-Funk-Meisterwerk "Rhythm of Life" findet sich etwa die Bitte an ein "new funny girl", doch bitte keinesfalls den eigenen Lebensrhythmus zu verlieren. Warum das Album jedoch eines Tages in einer Mülltonne in Manhattan landete, dazu schweigt die Platte. ("Cover Story". Album Cover Art. Hrsg. von Wax Poetics. Powerhouse Books, New York 2007. 254 S., br., 13,99 [Euro].) sbec
Buchtitel: Cover Story - Album Cover Art
Buchautor: Wax Poetics
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2008, Nr. 144 / Seite 36