Schöner aussehen

30. April 2008 Es gibt kein Entrinnen für uns, bereits der Titel "Wir Schönheits-Junkies" stellt das klar. "Wir" sind laut Christiane Zschirnt weiblich und gehören zu denen, die sich "ständig mit Bildern vergleichen müssen". Dabei stellen wir fest, dass es im Vergleich mit Models kein Mithalten gibt, wir denken über Schönheitsoperationen nach, wir halten Diät, und wir fürchten das Alter. Vor allem aber werden wir in diesem "Plädoyer für eine gelassene Weiblichkeit" vereinnahmt. Der Tonfall der Autorin ähnelt ab und an dem Jargon von Frauenzeitschriften, dann wieder klingt Zschirnt sarkastisch. Der Zwang zur Schönheit und seine gesellschaftliche Bedeutung werden seziert und die Mühsal offengelegt, die die tägliche Arbeit am eigenen Körper bedeutet. Streckenweise liest sich das ganz unterhaltsam, beispielsweise wenn der durch die Frauenbewegung bewirkte Wandel bei Damenunterwäsche beschrieben wird. Leider bleiben die zur Veranschaulichung des Schönheitsstrebens verwendeten Beispiele von Eingriffen und Selbst-Verbesserungen ebenfalls dem kritisierten Wahn verhaftet. Sie scheinen ihn noch zu transportieren: Auch solche Opfer sind möglich! Anderorts wird die Autorin von ihrer Zielgruppe eingeholt: "Für eine systematische Kritik der Attraktivitätsforschung", die als eine "Wissenschaft, die keine Wissenschaft ist", beschrieben wird, sei ihr Buch nicht der richtige Ort. Das "wäre ein anderes Buch geworden und vermutlich eines, das Sie nicht sehr gerne lesen würden". So empfiehlt sie lieber, nicht sofort die "Riemchenschuhe" zu verbannen oder statt teurer Kosmetik nur noch "Hautcreme" vom Discounter zu kaufen, sondern sich "etwas zu entspannen" und "darüber zu freuen, weder Celebrity noch Model zu sein". (Christiane Zschirnt: "Wir Schönheits-Junkies". Plädoyer für eine gelassene Weiblichkeit. Goldmann Verlag, München 2008. 255 S., br., 17,95 [Euro].) pard



Buchtitel: Wir Schönheits-Junkies - Plädoyer für eine gelassene Weiblichkeit
Buchautor: Zschirnt, Christiane

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2008, Nr. 101 / Seite 42

 
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