Der Vorleser

26. November 2007 Kafka träumte davon, Goethe deklamieren zu hören, "mit einer unendlichen Freiheit und Willkür". Lothar Müller geht der Vortragskunst von Goethe bis Kafka nach und bedient sich bei seinen Überlegungen zur Kopplung von Stimme und Buch Kafkas, den er als historische Schnittstelle von alten und neuen Medien - einerseits der "repräsentativ moderne Autor", andererseits "der Geist der klassischen-romantischen Literaturepoche" - sieht. Kafka sei ein Phonograph im alten Medium der Schrift, und das zu einer Zeit, in der die Kopplung von Stimme und Buch ihre Blütezeit erlebt habe, zugleich aber die Ära der akustischen Überlieferung begonnen habe; einer Zeit, in der die Technik die Literatur der Illusionen überführe, in die sie ihre Liebhaber verstricke. Da passt es, dass ein Hörbuch mit Rezitationen von Hofmannsthal, Werfel, Schnitzler und anderen beiliegt. (Lothar Müller: "Die zweite Stimme". Vortragskunst von Goethe bis Kafka. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2007, 160. S., Abb., geb., 29,90 [Euro].) phil

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Die zweite Stimme - Vortragskunst von Goethe bis Kafka
von Müller, Lothar
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Buchtitel: Die zweite Stimme - Vortragskunst von Goethe bis Kafka
Buchautor: Müller, Lothar

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2007, Nr. 275 / Seite 34

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