
Schon deswegen braucht man die Katholische Kirche und den Papst: Wer könnte man denn sonst verantwortlich machen für AIDS?
Die Unvorsichtigkeit und Promiskuität vieler Menschen? Politisch höchst unkorrekt, besonders wenn sich auch die Homosexuellen der reichen länder angesprochen fühlen, und bestimmt würde die Infektionsrate in dieser Gruppe auf 0 sinken, wenn der Papst endlich sagen würde, nehmt Kondome.
Die Ignoranz vieler afrikanischer Politiker und Regierungen, für die HIV eine Verschwörung der Amerikaner oder eine reine Erfindung ist? Ebenfalls höchst unkorrekt, und es könnte den Geldfluß reduzieren, von dem viele NGOs leben.
Der Papst ist nunmal an allem schuld, so ist es am bequemsten.

Das ist zumindest die Ansicht vieler, die keine Vorsichts-Massnahmen treffen.
Warum richten diese Bücherschreiber ihre Anklage nicht gegen Gott? Eines Tages werden sie ja doch vor IHM stehen!

Besonders der letzte Satz gefällt mir: "Wenn der Vatikan endlich einsähe..." Täte er genau das in jeder Hinsicht, nämlich das Erkennen der Wirklichkeit, wäre die logische Konsequenz die Auflösung der katholischen Kirche. Demzufolge dürfte eine solche Einsicht gar nicht oder nur sehr spät kommen, ähnlich wie bei Galilei. Im 17. Jahrhundert verurteilt, 1992 dann die halbherzige Einsicht (formale Rehabilitation). Nur nichts überstürzen, gell?

Die Aidsrate in Deutschland liegt deutlich unter 1%. Sie ist zudem zum größten Teil auf die Risikogruppen der Schwulen und Drogenabhängigen verteilt. Auch in Deutschland wird vielfach Geschlechtsverkehr ohne Kondom durchgeführt.
In Afrika gibt es Länder mit Aidsraten um die 40%. Dies ist nicht durch "normalen Geschlechtsverkehr" zu erklären. Deswegen ist es für mich auch fraglich ob die Erlaubnis des Vatikans zur Verhütung eine große Veränderung mit sich bringen würde.

Sowohl die beiden Autoren Hippler und Grill als auch der Rezensent Jungen scheinen grundlegende Regeln der katholischen Theologie vergessen zu haben bzw. gar nicht zu kennen: die Oikonomia existiert - wenn auch unter anderem Namen - auch in der katholischen Theologie! Man vergleiche dazu Ratzinger/Seewald, "Salz der Erde", 6. Aufl. 2004, S. 217 oben.
Ich bin einigermaßen enttäuscht, daß die Sau "Kondome und Kirche" immer noch, und dann sogar von der FAZ, durchs Dorf getrieben wird. Es gäbe keine AIDS-Epidemie, wenn alle brav die katholische Morallehre befolgen würden, bis zur Ehe enthaltsam und in der Ehe treu blieben. Ich halte es für extrem unwahrscheinlich, daß jemand, dem das kirchliche "Kein Sex vor der Ehe!" egal ist, auf einmal zuhört, wenn der Papst "Keine Kondome!" sagt.
Das gern benutzte Argument schließlich, Monogamie entspreche nicht der Kultur Afrikas, ist letzten Endes nur mühsam verkleideter Rassismus - sagt er doch letzten Endes nur, daß Afrikaner ihren Sexualtrieb nicht unter Kontrolle haben.
Übrigens: "Rom reimt sich auf Kondom" - ging es nicht platter? Keine Sternstunde für die FAZ, wirklich nicht!