Die mit den Psychomächten tanzt: Medienfigur Gabriele Pauli

Medienkritik

Die Verschwörung der Idioten

Diese Medienschelte will die Welt vor weiterer Infantilisierung bewahren: Der Philiosoph Bernhard Stiegler hat mit seinem neuen Buch eine „Schlacht der Intelligenz“ eröffnet, die die Herrschaft der Psychomächte brechen soll. Von Eberhard Rathgeb

Lesermeinungen zum Beitrag

10. Mai 2008 16:19

Erkennbar, aber auch errechenbar?

Herold Binsack (Devin08)

@Saum: Sie sagen es selber: „tiefere Einblicke“. Und Sie haben recht, das ist eine erstaunliche Leistung, angesichts der Tatsache, dass wir mit der Mathematik letztlich nur im Endlichen forschen. Die äußere und auch die innere Natur (wie Makro- und Mikrokosmos) sind aller Vermutung nach aber „unendlich“ zu begreifen. Dieser Unendlichkeit können wir uns mathematisch günstigstenfalls nur annähern (auch das ist zweifelhaft, da der Kosmos nicht statisch ist, sondern sich entwickelt – expandiert, wie wir glauben). Es gibt da das Bild (die Bilder) von dem Fraktale-Alghorithmus, der uns den Eindruck vermittelt, dass die Natur sich immer nur selber kopiert, mit Nuancen von Abweichungen. Nur was hilft uns das bei der Erkenntnis, dass die Natur sich durch Phasenübergänge (Symmetriebrechungen) reproduziert. Aus Nuancen werden neue Gestalten u. U. Auch die Logik sagt uns, dass man das Maßlose nicht messen kann, es lässt sich nur erahnen, und hier verlassen wir die Gebiete der Naturwissenschaften und auch der Mathematik. Das Subjekt ist gefangen, denn es kann nur erkennen, was zu erkennen es sich vorgibt (Platons Höhlengleichnis). Die Welt ist wohl erkennbar, aber ist sie auch errechenbar?

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08. Mai 2008 00:06

Er-findung=Findung=Selbst-Findung

Herold Binsack (Devin08)

@Saum: Ich bestreite das nicht völlig, was sie sagen, nur ist das womöglich eine Frage der Perspektive,die man einnimmt.So gibt es die These,dass dem Menschen die Fähigkeit zum Rechnen apriorisch gegeben sei,was auch ein Hinweis dafür sein soll, dass die Zahlen das Wesen der Dinge sei (Pythagoras). Demgegenüber behaupte ich, dass die Mathematik eine Er-findung des Menschen ist,da dieser nur auf diese Weise, das ihn umgebende Chaos ertragen kann (und somit eine notwendige Nacherwerbung).Der Mensch scheint zur Ordnung, will heißen: zur Mathematik, verdammt, nicht aber die Natur, in welcher es sowenig Mathematik gibt, wie ein Zentrum im Universum. Von diesem Standpunkt aus, bleibt es gleich, ob man etwas findet oder erfindet, denn letztlich ist alles Erfindung, was dem Menschen durch die Hände, bzw. durch den Verstand geht, oder auch mal mit Novalis gesprochen: "In uns ist die Ewigkeit mit ihren Welten." Wobei ich den subjektiven Idealismus seiner Zeit vor dem Hintergrund moderner konstruktivistischer Philosophie umdeute, indem ich erkläre: das Sein, das (gegenüber dem Bewusstsein) primär ist, ist nicht identisch mit dem Sein, das wir uns konstruieren, welches wiederum nicht primär ist, aber der Selbst-findung des Menschen dienlich.

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06. Mai 2008 22:48

„Fetischisierung der Fetischverhältnisse“

Herold Binsack (Devin08)

@Saum: Ich sprach von einer „Quasi-Fetischisierung“ der Fetischverhältnisse,womit ich natürlich ein wenig Wortspiel betrieb.Dieses Wortspiel kann man auch bis zum Unsinn steigern. Ohne Wortspiel:Der Fetisch Markt ist kein realer,bzw. konkret-anfassbarer,so wie z.B. das Kreuz in der Kirche (oder in so manch guter Stube),sondern eine Abstraktion - Realabstraktion.Es ist so,als wenn es diesen Markt schon immer gegeben hätte,weil auf diesem Markt Dinge gehandelt werden,die es u.U. schon sehr lange gibt (z.B. einen Tisch oder ein Stück Stoff) und es ist damit weiter so,als wenn man ihn als „Ding an sich“ begreifen könnte,und das ist „reale Metaphysik“ (Marx).Manche nennen solches auch eine historische Matrix.Es ist dies die „Summe“ aller Weltanschauung hinter all den Dingen und Verhältnissen,also die Masterideologie,welche nicht nur so manchen Dingen,sondern vor allem auch den Verhältnissen unter denen diese Dinge entstehen,einen Fetischcharakter verleiht.Es ist so als wenn der Markt diese Dinge (die Verhältnisse) schafft und nicht die Dinge den Markt.Und solch falsches (auf den Kopf gestelltes) Bewusstsein fetischisiert also die realen Umstände und damit auch u.U. den Klassenkampf,da auch ein jener zu den realen Umständen gehört.

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06. Mai 2008 12:24

„Alternativlos“ – für die (klein-)bürgerliche Gesellschaft!

Herold Binsack (Devin08)

„…sondern der Konsument mit seinen falschen Bedürfnissen.“… Als wenn nicht die „falschen Bedürfnisse“ auch einem „falschen Bewusstsein“ zuzuordnen wären. Dieser „adornitische“ Ansatz, kapriziert sich auf den „Fetischcharakter“ der Warengesellschaft ohne die allgemeine Entwicklung der Klassengesellschaft analysiert zu haben. Für Marx galt, dass nur die Klassenbewegung des revolutionären Subjekts (des klassenbewussten Industriearbeiters – zu seiner Zeit, muss man hinzufügen, und ergänzen, dass eine Neubestimmung dieses Subjekts wohl fällig ist!) die verschiedenen Widersprüche auflösen kann (und damit auch die Gesellschaft von den Fetischverhältnissen „er-löst. Das Fetischverhältnis verdunkelt wohl auch das Klassenbewusstsein, aber eben genau hier liegt eine besondere (und diese mögliche) Aufgabe des Klassenkampfes: Die Fetischverhältnisse des Marktes wie die Aporien des Kapitals sind kritisch und selbstkritisch (im Kopf zunächst, aber in der Bewegung der Klasse sozialisiert) zu überwinden. Alle Theorien, die die Fetischverhältnisse quasi fetischisieren, sind klassenanalytisch betrachtet, nur Gejammer des Kleinbürgertums ob dessen Gefangenschaft im Hamsterrad des Marktes. Und für jene ist die bürgerliche Gesellschaft alternativlos.

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