13. Mai 2008 Austro-Daimler und Steyr. Rivalen bis zur Fusion. Von Martin Pfundner. Böhlau Verlag Wien. Köln. Weimar. 292 Seiten, 49 Euro. Dieses Buch interpretiert die wechselvolle Geschichte des österreichischen Automobilbaus bis zum Zweiten Weltkrieg. Und die Geschichte des Landes selbst: den Absturz Österreichs von einer europäischen Großmacht zur Bedeutungslosigkeit nach 1918 und den Kampf ums pure Überleben. Denn mit dem Untergang des multiethnischen Kaiserreichs wurde ein großer mitteleuropäischer Binnenmarkt zersplittert. Die Nachfolgestaaten der Monarchie kapselten sich von der alten Vormacht ab, errichteten Zollmauern und warben österreichische Konstrukteure für ihre Zwecke ab. Die in die Weltwirtschaftskrise mündende Zeit sah Steyr und Austro-Daimler bald als bittere Kontrahenten. Steyr, hervorgegangen aus der Österreichischen Waffenfabrik, baute nun ebenfalls Automobile und rang um die gleichen Absatzmärkte wie die zweite große Autofabrik. Austro-Daimler, zuerst der deutschen Daimler-Gruppe, dann dem Skoda-Konzern zugehörig, wurde zwangsläufig eigenständig und lieferte Steyr bei Alpenfahrten, Rallyes und Bergrennen harte Kämpfe, weil es als werblich wichtig erschien, die alpentauglichsten Wagen zu bauen. Dazu kommt eine nicht immer glückliche Rolle der österreichischen Bankenwelt, Zwiste mit ausgabefreudigen Technikern wie Ferdinand Porsche - kurzum: Der Autor hat hier nicht nur ein weiteres Autobuch mit umfassendem Typenkatalog geschaffen, sondern ein ungemein kenntnisreiches politisch-wirtschaftliches Werk, in dem sich die ganze tragische Geschichte der Ersten Republik bis zum Anschluss Österreichs spiegelt. (haro.)
Buchtitel: Fotografieren lernen, Sehen lernen
Buchautor: Pfundner, Martin
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2008, Nr. 110 / Seite T6
