Verwurzelte Hoffnung

09. Mai 2008 Pünktlich zum 60. Geburtstage des Staates Israel erscheint nun auch in deutscher Übersetzung das Buch über "Die ersten Israelis" von Tom Segev, das 1986 in Israel Furore machte. Es war eine der ersten Studien, mit denen die junge israelische Geschichtswissenschaft die Mythen ihrer Väter beiseiteräumte. Die Anfang der achtziger Jahre freigegebenen Dokumente, auf denen Segev meisterlich sein Buch aufbaut, zeigten ihm, dass die Gründerväter "den Bürgern eines der wichtigsten demokratischen Rechte entziehen wollten: das Recht zu zweifeln. Alles wurde nur schwarzweiß dargestellt. Wir waren die Guten, die Araber waren die Schlechten." Da sei er auf jene Akten mit den Befehlen gestoßen, die die Rückkehr arabischer Flüchtlinge nach dem Unabhängigkeitskrieg verhindern sollten. Plötzlich sei ihm deutlich geworden, dass Staatsgründer Ben Gurion den syrischen Präsidenten nicht treffen, keinen Frieden mit Syrien schließen wollte, "obwohl wir doch in der Schule gelernt hatten, dass unsere Hand immer für den Frieden ausgestreckt sei". Segev berichtet auch über die Diskriminierung der Neueinwanderer aus den arabischen Ländern, obwohl er im Mythos vom Aufbau einer gerechten Gesellschaft ohne Diskriminierung erzogen wurde. Andererseits fasziniert ihn jene stark verwurzelte Hoffnung der "ersten Israelis" darauf, dass Frieden möglich ist, während heute offenbar dieser Glaube verlorengegangen sei. Und so muss das Buch auch gelesen werde: als faszinierender Spiegel des heutigen Israels sechzig Jahre nach den "ersten Israelis". (Tom Segev: Die ersten Israelis. Das Land der Juden nach der Staatsgründung. Siedler Verlag, München 2008. 414 S., 24,95 [Euro].)

JÖRG BREMER



Buchtitel: Die ersten Israelis - Das Land der Juden nach der Staatsgründung
Buchautor: Segev, Tom

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2008, Nr. 108 / Seite 7

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