Mach ich doch gern, Chef !

13. Mai 2007 Beliebt sein beim Vorgesetzten? Dabei ist die richtige Taktik mindestens so viel wert wie gute Arbeit. 13 Tricks, mit denen Sie fast ohne Schleimerei punkten. 1. Aufmerksam ist Trumpf

Jeder Mensch liebt Zuwendung - auch Chefs. Erzählt der Vorgesetzte von seiner Lieblingsurlaubsgegend, könnten Sie ihn im nächsten Gespräch auf ein Buch über das Land aufmerksam machen. Aber nur, wenn es auch wirklich passt, Anbiedern um jeden Preis ist nicht gefragt. Besonders für neu Eingestellte gilt: bei Gesprächen mit dem Chef fleißig Notizen machen. So signalisieren Sie Aufmerksamkeit, und Ihr Gesprächspartner sieht, dass Sie Ihre Sache möglichst gut machen wollen. "Mit Sicherheit immer ein Treffer", verspricht Autorin Susanne Reinker.

2. Einblicke gewähren

Gerade Berufseinsteiger sollten ihren Vorgesetzten wissen lassen, was sie tun. So ersparen sie ihm lästige Kontrollen, demonstrieren diskret ihren Arbeitseifer und schaffen eine Vertrauensbasis. Um Einblicke in Ihre Arbeitsweise zu gewähren, reichen schon eine weitergeleitete Mail oder ein kurzes Zwischenstandsgespräch. "Lieber eine Information zu viel als eine zu wenig", hält Reinker jenen entgegen, die das für zu streberhaft oder zu mühsam halten.

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3. Fragen stellen

Wer andere konsultiert, bezieht sie mit ein. Besprechen Sie ein Vorhaben mit Ihrem Chef, fühlt er sich der erfolgreichen Umsetzung oft auch verpflichtet. Autorin Mary Bragg nennt das das Prinzip der psychologischen Konsistenz. Vor allem von jungen Arbeitnehmern werden Fragen erwartet. Wer nicht frage, warnt Reinker, beweise nicht etwa Überfliegerqualitäten, sondern erwecke Misstrauen - mit Bangen wird auf den ersten Fehler gewartet. Fragen sollten aber nicht in hektischen Momenten spontan gestellt werden. Manche Antworten notieren Sie am besten, damit Sie das Gleiche nicht doppelt fragen.

4. Mit Fehlern richtig umgehen

Ein beliebter Chefsatz: "Klar dürfen Sie Fehler machen, aber jeden nur einmal." Einfach ist das nicht immer. Hilfreich kann es sein, sich eine Liste mit Fehlern zu machen und die eigene Arbeit regelmäßig zu überprüfen. Achten Sie darauf, was den Chef besonders erbost (beispielsweise Tippfehler oder schlechtes Zeitmanagement), und passen Sie bei diesen Punkten doppelt auf. Übrigens: Oft sind nicht Fehler das Problem, sondern der Versuch, sie zu vertuschen.

5. Fairer Umgang mit Kollegen

"Wer die anderen neben sich klein macht, ist nie groß", wusste schon Johann G. Seume. Kaum ein Vorgesetzter sieht es gern, wenn jemand sich auf Kosten von Kollegen profilieren will. ("Den Auftrag habe ich von Kollege Meier übernommen, er wurde damit offensichtlich nicht fertig.") Fairer Umgang miteinander sorgt nicht nur für besseres Betriebsklima, sondern auch für das Vertrauen des Chefs in Ihre Charakterstärke. Auch nicht gern gesehen: Junge Kollegen, die ihr Wissen aus dem gerade beendeten Studium übereifrig einbringen und Fundamentalkritik an den alteingesessenen Mitarbeitern üben. ("Das könnte man alles viel besser machen!")

6. Ordnung muss sein

Weniger spießig, als es klingen mag: Ordnung und Pünktlichkeit. Findet der Chef auf Ihrem Schreibtisch ein Papier mit Kaffeetassenrand und stellt bei näherem Hinsehen fest, dass es der gestern von ihm hereingereichte Brief ist, haben Sie sich damit nicht beliebter gemacht. Auch ewige Wartezeiten, während Sie in Papierbergen nach dem Zettel mit der Telefonnummer suchen, schätzt kein Chef. Chaotische Schreibtische und Verspätungen legen den Verdacht nahe, dass Sie mit der Arbeit überfordert sind. Im Büro sollte alles seine Ordnung haben - als Genie, das das Chaos regiert, können Sie sich zu Hause fühlen.

7. Kommunikationsweise

erkennen

Redechef, Schreibchef oder Schweigechef? Expertin Reinker unterscheidet die Führungskräfte auch nach deren favorisierter Kommunikationsweise und rät, sich anzupassen. Haben Sie es mit einem Redechef zu tun, der zwischen Tür und Angel in lockerem Ton Arbeitsaufträge vergibt, rufen Sie bei Nachfragen lieber an, als ihm zu schreiben. Letzteres ist beim Schreibchef angebracht, der die meisten Anweisungen per E-Mail oder Notizzettel gibt und für den Plausch auf dem Gang selten zu haben ist. Beim Schweigechef, der alles in möglichst wenigen Worten sagt, sollten Sie im Zweifelsfalle noch mal nachfragen. Denn die Entschuldigung "Davon haben Sie mir aber nichts gesagt" mag sonst am Ende zwar stimmen, wird den Chef aber kaum beschwichtigen.

8. Wenn Widerspruch, dann richtig

Dem Chef einen Wunsch abschlagen? Das geht. Allerdings nicht spontan und mit einem sorglosen "Nein, sorry, fragen Sie doch mal den Schmidt". Bittet der Vorgesetzte darum, eine lästige Zusatzaufgabe zu übernehmen, sollten Sie erst einmal eine Bedenkzeit aushandeln. Dann können Sie in Ruhe eine schlüssige Argumentation dagegen entwickeln. Persönliche Gründe ("Geht nicht, sonst komme ich nicht mehr zum Tennisspielen") kommen selten gut an. Besser: Argumente finden, in denen es um das Wohl der Firma und des Chefs geht. Reinker rät, dem Chef sachlich und freundlich abzusagen, anstatt sich kämpferisch zu rechtfertigen. Und wer einen Kompromiss in petto hat, beweist guten Willen.

9. Loyalität

Hin und wieder nach Dienstschluss mit anpacken, den Chef über Probleme schnell informieren und Fehler zugeben gehört zum guten Ton im Büro. Auch wenn Ihr Chef sich nicht immer mustergültig verhält, sollten Sie ihm nicht in den Rücken fallen. Sätze wie "Davon hat mir mein Chef natürlich mal wieder nichts gesagt" und "Der Chef? Den hat hier seit Stunden keiner gesehen" mögen zwar stimmen, sind aber Kunden gegenüber nicht angebracht. Leichen im Chefkeller sollten Sie - natürlich nur, sofern es keine echten Leichen sind - nicht ansprechen und den Chef nicht mit scherzhaften Bemerkungen über Ihr Mitwissen verärgern oder gar erpressen. Dieser Schuss ist schon oft nach hinten losgegangen.

10. Wissen, was der Chef denkt

Eine hohe Kunst ist es, die Meinung seines Chefs auszusprechen, bevor der es selbst tut. Doch diese Kunst zu erlernen lohnt sich und ist wesentlich effizienter als das Nachplappern längst geäußerter Meinungen. Bemerken Sie etwa, dass Ihr Chef von einem Kollegen beeindruckt ist, sollten Sie nicht versuchen, diesen zu übertrumpfen. Experte Richard Stengler rät vielmehr: "Sie sollten ihm vorschlagen, diesem Kollegen die freie Stelle in der Marketingabteilung anzubieten." Das Lob des Chefs ist Ihnen sicher: "Gut mitgedacht!"

11. Komplimente machen

Mit den Komplimenten ist es wie mit der Aufmerksamkeit: Niemand kann genug davon bekommen. Nur geschickt sollte der Lobende sich anstellen. So ist am wirksamsten das Lob über Dritte. Schmeicheln Sie dem Chef hinter seinem Rücken, und zwar vor solchen Personen, die es ihm weitersagen. Ehrlicher kann ein Kompliment kaum wirken. "Das perfekte Verbrechen, von dem keine Spuren zurückbleiben", nennt Stengler diese Taktik. Auch ist es wirkungsvoll, nicht das Offensichtliche zu loben, sondern das, was der Gelobte eigentlich besser machen will. Das Kompliment sollte der Zielperson angepasst und möglichst konkret sein. ("Der Ratschlag, den Sie mir gestern gaben, hat mir sehr geholfen.")

12. Nicht übertreiben

Grundsätzlich gilt: Schmeichelei muss umso subtiler sein, je größer der Statusunterschied ist. Für das Schmeicheln von unten nach oben ist Meinungskonformität am ungefährlichsten. Auf jeden Fall sollten Sie es vermeiden, ein Kompliment mit der Bitte um einen Gefallen zu verbinden. "Ein Kompliment, für das man bezahlen muss, hat keinen Wert", sagte schon Mark Twain. Auch ein Lob wie "Sie sind der Größte" ist nicht zu empfehlen, da es wegen seiner Allgemeinheit und des Superlativs unglaubwürdig wirkt. Dem stotternden Chef sollten Sie kein Kompliment für seinen flüssigen Vortrag machen - plausibel muss es sein. Und die Folgen Ihres Handelns sollten Ihnen bewusst sein: Schmeichler mag niemand - außer der Geschmeichelte.

13. Lächeln

Einfach, aber wirkungsvoll: Lächeln. Bragg berichtet von einem Versuch amerikanischer Wissenschaftler. Eine Gruppe von Kellnern musste je 48 Männer und Frauen bedienen. Die, die den Gästen ein breites Lächeln schenkten, kassierten im Schnitt 20 Dollar Trinkgeld, die Kräfte mit säuerlichem Gesichtsausdruck brachten es auf gerade einmal zehn Dollar. Freundlichkeit zahlt sich eben aus, nicht nur in der Gastronomie.

Literatur:

Mary Bragg: Auf leisen Sohlen zum Erfolg. Der diskrete Charme der Einflussnahme,

Piper, 298 S.

Susanne Reinker: Unkündbar! Wie Sie sich für Ihren Chef unentbehrlich machen, Bildung und Wissen Verlag, 134 S.

Richard Stengel: Handbuch für Schmeichler & Arschkriecher, Piper, 363 S.

Buchtitel: Auf leisen Sohlen zum Erfolg
Buchautor: Bragg, Mary

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.05.2007, Nr. 19 / Seite 52

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