
Von Amerika lernen, geht das? Vielleicht. Ich sitze in einem Straßencafé in Philadelphia, verkatert vom gestrigen Vor-Wahltag. Kann man da was lernen, für den Wahlkampf, für die politische Kommunikation oder sogar für die Reform-Agenda? Im Hinblick auf das bundesdeutsche Reformgejammer ist die entschiedene Antwort: ja, da kann man was lernen!
"Yes, we can!" hat natürlich im US-amerikanischen Raum noch einmal einen anderen Klang als für deutsche Ohren, aber darum geht es. "Zurück auf Los!" Es geht darum, eine ehrliche Bilanz zu ziehen, nicht im Hinblick auf die einzelnen Reformthemen, da hat die USA einen weit größeren Stapel unerledigter Arbeit liegen, sondern im Hinblick darauf, wer es tut. "Yes, we can." Solange das Reformthema nicht auf einer, wie es hier so schön heißt, Grasroot-Ebene angekommen ist, bei jedem sehr persönlich und praktisch, solange man sich darin gefällt das Thema nach oben zu delegieren, solange wird sich nichts bewege. Wer soll es tun, wer opfert was, wer packt an? Wer fühlt sich verantwortlich? Solange die Antwort lautet, die und nicht wir, solange tut sich da nichts tun. Die Vorzeichen partizipativen Engagements sind zu klären. - Wer die Sonntagsredner fragt, darf sich über die Antwort nicht mokieren.

Die Bemühung um Reform ist eben immer auch Kampf gegen das retardierende Moment
Rupert