23. Mai 2003 Haben Sie Rechnerkapazitäten frei? Sie könnten sie einem guten Zweck stiften: SETI, search for extra terrestrial intelligence, der Suche nach intelligentem Leben im All. Dazu brauchen Sie nur SETI@home, den Bildschirmschoner der SETI-Liga. Der saugt sich, wenn der Rechner ohnehin Pause hat, ein Datenpaket herunter, das vom Arecibo-Teleskop in Puerto Rico stammt. Dieses Funkteleskop nimmt Radiowellen aus dem All auf, und es gilt, darin Zeichen zu finden, die von anderen Lebewesen ausgestrahlt sein könnten. Weltweit beteiligen sich auf diese Weise über drei Millionen Menschen an der Suche nach möglichen Nachbarn im All, schreibt der renommierte Radioastronom und SETI-Pionier Sebastian von Hoerner in seinem neuen und zugleich letzten Buch - der Autor starb nach Vollendung des Manuskripts.
Sollte es intelligentes Leben im All geben, wird dieses so weit entfernt sein, daß Reisen unmöglich sind, rechnet von Hoerner vor. Fünfzehn bis dreißig Jahre wäre schon das Licht bis zum nächsten lebensfreundlichen Planeten unterwegs. Bleiben die Ferngespräche, am besten mit Radiowellen. Die sind billig - Sparsamkeit, so von Hoerner, ist ein universelles Prinzip - und heben sich gut vom Hintergrundrauschen des Weltraums ab. Von Hoerner, der selbst maßgeblich an der Verbesserung der Radioteleskope beteiligt war, liefert eine vielseitige Übersicht über die Geschichte der Suche nach den "Außerirdischen", ihre wissenschaftlichen Grundlagen, ihre Chancen und ihre Probleme.
Schon 1924 versuchten Forscher, Radiosignale vom Mars zu empfangen. Dazu wurde sogar für drei Tage der Funkverkehr über dem Pazifik unterbrochen. Mit jedem stärkeren Teleskop, das entwickelt wurde, verband sich seither auch die Hoffnung, Nachrichten aus dem All aufzufangen. Das Projekt SETI begann 1961 in den Vereinigten Staaten und fand zunächst breite Unterstützung von Forschungsinstituten, auch von der Nasa. Mangels Erfolg entschied der Kongress 1993, daß sich die Nasa aus der Förderung zurückzuziehen habe. Seither läuft die Suche als Projekt Phoenix in privater Finanzierung.
Ihre Zuversicht beziehen die SETI-Forscher aus einem einfachen, wenn auch nicht unbedingt einleuchtenden Prinzip: Nichts ist einmalig. Daraus folgt, daß es auch auf anderen Planeten Leben, auch intelligentes Leben geben muß. Fragt sich nur, wie man ihm auf die Spur kommt. Denn das systematische Absuchen der in Frage kommenden Funkfrequenzen überfordert die technischen Möglichkeiten. Und die Frequenz der Außerirdischen zu erraten ist noch nicht gelungen.
Die größte Aufregung lösten 1967 schnelle regelmäßige Pulse aus, die von einem festen Punkt am Himmel kamen. Leider war kein intelligenter Nachbar, sondern lediglich der erste Pulsar entdeckt. Doch von Hoerner warnt vor Ungeduld: Was sind schließlich zwanzig Jahre Suche mit astronomischem Maßstab gemessen? Natürlich gibt es auf der Erde auch andere dringende Probleme zu lösen. Doch SETI ist gar nicht so teuer, wirbt von Hoerner. Jedenfalls nicht, solange nur Zeiten an bestehenden Teleskopen gemietet und Bildschirmschoner genutzt werden, die sowieso laufen würden. Anders wäre es, würde von Hoerners Lieblingsprojekt umgesetzt: eine Sternwarte auf der Rückseite des Mondes, von der sich ungestört von den irdischen Fernsehprogrammen der kosmische Kaffeeklatsch belauschen ließe.
MANUELA LENZEN
Sebastian von Hoerner: "Sind wir allein?" SETI und das Leben im All. C. H. Beck Verlag, München 2003. 220 S., Abb., br., 12,90 [Euro].
Buchtitel: Sind wir allein?
Buchautor: Hoerner, Sebastian von
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.05.2003, Nr. 119 / Seite 41
