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| Maria Christel, verantwortlich für das Projekt "woman@work" bei Siemens TS |
24. November 2003
Qualifizierte Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen sind rar und heißumkämpft. Beim access Karriere-Event women@work" im Februar 2004 können sie potentielle Arbeitgeber in aller Ruhe kennen-lernen. Zum Beispiel Siemens Transportation Systems.
"Die Berufschancen der gut qualifizierten Technikerinnen sind überdurchschnittlich gut", weiß Christiane Becker, die sich bei access um die Organisation von Recruiting-Workshops kümmert. So gut, daß Unternehmen sie - Absolventinnen und weibliche Young Professionals mit bis zu vier Jahren Berufserfahrung - gezielt kennenlernen wollen: Am 6. und 7. Februar 2004, beim zweiten access Karriere-Event nur für Frauen, der unter dem Motto "women@work" steht.
Warum sollten wir auf die Hälfte des Potentials verzichten?
Dazu lädt access bis zu acht Unternehmen - darunter Siemens Transportation Systems (TS), Bosch, und andere namhafte Arbeitgeber aus verschiedenen Branchen - und rund 80 qualifizierte Absolventinnen und weibliche Young Professionals auf Schloß Montabaur ein. Am Pilotprojekt im Februar 2003 hatten sich u.a. die Deutsche Bahn, Ford und Shell beteiligt. "Wir suchen Frauen aus ganz speziellen Studiengängen, und es war beruhigend zu sehen, daß es sie gibt und daß es vor allem gute Kandidatinnen gibt", so das Fazit von Shell-Personalerin Heika Bauer. Und Christiane Becker ist überzeugt: "Der Wettbewerb zwischen den Unternehmen um diese rare Zielgruppe wird sich weiter verschärfen." Laut access ist die Zahl der Studienanfängerinnen in den Ingenieurwissenschaften seit Mitte der 90er Jahre um gut ein Fünftel gestiegen. Mit einem Anteil von durchschnittlich zehn Prozent aller Studenten seien es aber immer noch viel zu wenige und Schlußlicht im europäischen Vergleich. Dabei besteht bis 2010 ein Ersatzbedarf von 47.000 Ingenieurinnen und Ingenieuren, und das bei rückläufigen Studierendenzahlen, so eine aktuelle Studie des Forschungsinstitutes Prognos.
"Die Perspektiven im Ingenieurberuf gehen steil nach oben", ist Maria Christel überzeugt, die bei Siemens TS für woman@work zuständig ist. Für den Ingenieurnachwuchs ist das toll, für die Unternehmen ist die dünne Bewerberzahl aber ein Problem. "Wir wollen die besten Männer und Frauen haben", sagt Christel. Sie sucht verstärkt nach den Frauen unter den Besten, weil sie überzeugt ist, daß Teams aus unterschiedlichen Menschen die besseren Teams sind: "Die Mischung macht's", bringt es Christel auf den Punkt. "Warum sollten wir auf die Hälfte des Potentials verzichten?"
Maria Christel leitet das Projekt "Promoting Diversity" (ProDi), das intern bereits das umsetzt, was es bei Siemens TS erst bewirken soll: Gleiche Karrierechancen für Männer und Frauen. Innovative Arbeitsformen für Mütter spielen dabei eine entscheidende Rolle - von flexiblen Arbeitszeitmodellen über Telearbeit und Job-Sharing bis hin zu eigenen Betreuungsangeboten und einer Babysitterbörse.
Sie selbst arbeitet zur Zeit 25 Stunden in der Woche: Drei Tage im Büro, ansonsten zu Hause. "Ein Großteil unserer Arbeit besteht ohnehin darin, Dinge per Telefon oder PC zu organisieren. Das kann ich genauso gut am Computer zu Hause oder unterwegs mit dem Mobiltelefon", stellt ProDi-Projektleiterin Christel klar. Und wenn die dreijährige Tochter im Hintergrund Tumult macht? Kein Problem, findet die junge Mutter: "Wenn die Kleine quakt, freuen sich die meisten Gesprächspartner sogar. Sie haben Spaß, zumindest aber Verständnis."
"Promoting Diversity" setzt sich neben neuen Arbeitsmodellen für Frauen für drei weitere Themen ein: Personalentwicklung, Kommunikation und Recruiting. Damit diese vier "Säulen" an allen deutschen Siemens TS Standorten (Berlin, Braunschweig, Krefeld, München und Erlangen) auf festem Fundament stehen, wurden überall Promotorinnen eingesetzt, die Überzeugungsarbeit vor Ort leisten und für die Umsetzung sorgen. Die Siemens TS-Personalentwicklung bietet Frauen mit hohem Potential eigene Mentoren an, die sie bei der beruflichen Orientierung und beim Aufstieg unterstützen. In speziellen Seminaren können sich Mitarbeiterinnen außerdem mit ihrer besonderen Situation im Unternehmen auseinandersetzen: Welche Rolle spielen sie im Arbeitsalltag? Wie unterscheiden sich die Verhaltensmuster der Männer von ihren eigenen? "Es ist ganz wichtig, daß Frauen eine eigene Vision für ihr Berufskonzept entwickeln", unterstreicht Maria Christel. Vielen sei nicht klar, daß sie einen "Unsicherheitsfaktor für ihre Führungskräfte" darstellen, wenn sie selbst nicht wissen, ob und wie es mit Kind und Berufsleben weitergehen soll. "Besser ist es, klar zu kommunizieren, daß Sie auch mit Kind weiterarbeiten möchten", rät die Diversity-Expertin.
Bei Maria Christel selbst kam nach 1,5 Jahren Elternzeit der entscheidende Anruf aus der Zentrale: "Wir haben ein neues Projekt, wir brauchen Unterstützung, Sie wären genau die Richtige für den Job." Da fackelte sie nicht lange, organisierte die Kinderbetreuung innerhalb ihrer Großfamilie und ging zurück zu Siemens Transportation Systems (TS), Standort Erlangen. Bevor ihre Tochter zur Welt kam, hat sie sich hier um den Vertrieb des neuen ICE gekümmert, der jetzt mit Spitzentempo auf seiner neuen Strecke zwischen Köln und Frankfurt hin- und herjagt. "Ich hatte viele Kundenkontakte, von München bis Amsterdam und war überzeugt, daß ich mit Kind so nicht mehr arbeiten kann", erinnert sich Maria Christel. Doch es kam anders. In der Rolle einer Projektleiterin und Mutter in Personalunion entwickelte sie zunehmend mehr Ruhe und Gelassenheit. "Da wächst man hinein", sagt Christel. "Ich traue mir jetzt auch viel mehr zu als zu Anfang."
Eine weiterer Kernpunkt ihres ProDi-Projekts heißt "Kommunikation" - denn was nützt das beste Projekt, wenn es keiner kennt? Einmal im Monat trifft sich die Projektleitung mit dem Personalleiter und dem Bereichsvorstand und diskutiert über aktuelle Fragen der Chancengleichheit. "Der Bereichsvorstand steht voll hinter dem Projekt", ist Maria Christel froh. Von der Führungsspitze gehe eine starke Signalwirkung aus. Echte Überzeugungsarbeit müssen sie und ihre Mitarbeiterinnen erst zwei bis drei Führungsebenen darunter leisten: daß frauenspezifische Seminare sinnvoll sind. Daß verantwortungsvolle Aufgaben auch in Teilzeit bewältigt werden können. Daß Mentoren freigestellt werden, um jüngere Mitarbeiterinnen und Studentinnen zu betreuen. "Wir können nicht alle überzeugen, das ist nicht möglich", räumt die ProDi-Chefin ein. Stück für Stück aber erreiche sie mehr Bereitschaft.
Überzeugungsarbeit muß nicht nur im eigenen Haus geleistet werden, sondern auch in der Öffentlichkeit. Deshalb sorgt das "Young Ladies Network of Technology" mit der schönen Abkürzung "Yolante" dafür, daß junge Ingenieurinnen schon auf dem Campus angesprochen werden. "ProDi" stellt jedes Jahr Mentoren für zehn ausgewählte Studentinnen der Ingenieur- und Naturwissenschaften, die bei Siemens Praktika absolvieren, als Werkstudentinnen arbeiten und die interne Fachbibliothek nutzen können. Siemensweit sind es sogar jährlich 100 Studentinnen. Jüngere Frauen kontaktiert Siemens TS jedes Jahr am internationalen "Girls' Day". Und für die Absolventinnen gibt es eigene "Recruiting Days".
Es ist ganz wichtig, daß Frauen eine eigene Vision für ihr Berufskonzept entwickeln.
Auf dem 1,5tägigen Programm von women@work im Februar 2004 stehen Unternehmenspräsentationen, eine Fallstudienrunde, ein gemeinsames Essen, die Möglichkeit sich informell mit Firmenvertretern zu unterhalten und natürlich auch Bewerbungsgespräche. Interessierte Absolventinnen und Young Professionals bewerben sich vorab bei access und werden, wenn sie die Auswahlkriterien erfüllen, nach Montabaur eingeladen. Ob Maria Christel das Projekt "Promoting Diversity" eines Tages verläßt, um wieder ICE-Züge zu verkaufen? Das will sie sich jetzt noch offenhalten. "Möglich ist das schon", sagt sie. Zur Einstimmung auf Siemens TS sei den Teilnehmerinnen von "women@work" auf jeden Fall empfohlen worden, bei ihrer Ankunft am neuen ICE-Bahnhof Montabaur einen besonderen Blick auf Triebwagen und Zug zu werfen, bevor sie sich auf den Weg hinauf zum gelben Schloß begeben.
Weitere Informationen unter:
Bewerbung unter www.access.de
Bewerbungsschluß: 5. Januar 2004
Zielgruppe sind (Wirtschafts-)Ingenieurinnen, (Wirtschafts-)Informatikerinnen und Naturwissenschaftlerinnen.
Informationen zum Projekt "Promoting Diversity" bei Siemens unter www.siemens.com/ts/prodi