13. November 2009
Business-Knigge 

Jobvermittlung ins Ausland

Anlaufstellen für Globetrotter

Von Polly Schmincke




24. November 2003 
Als Arzt in Schweden arbeiten? Als Ingenieur in Dubai oder vielleicht doch als Entwicklungshelfer in Nepal? Eine Reihe von Institutionen vom Auswärtigen Amt bis zur Zentralstelle für Arbeitsvermittlung hilft deutschen Akademikern mit Fernweh, einen passenden Job in der weiten Welt zu finden. Doch die Stellen sind limitiert und die Anforderungen hoch.

Zuerst die schlechte Nachricht: Wer zu Hause keine Stelle findet, wird es auch im Ausland schwer haben. "Auf den meisten ausländischen Arbeitsmärkten gibt es ähnliche Probleme wie auf dem deutschen", warnt die Bundesanstalt für Arbeit (BfA). Und die Voraussetzungen für einen Job im Ausland sind in der Regel höher: Bewerber müssen noch flexibler, mobiler und anpassungsfähiger sein, mehrere Sprachen sprechen, fachlich qualifiziert und in der Lage sein, mit den fremden Gegebenheiten in einem anderen Land zurechtzukommen - also über "interkulturelle Kompetenz" verfügen. Meist setzen Unternehmen auch mehrjährige Berufserfahrung im Heimatland voraus.

Für die Stellensuche in Europa
Doch grundsätzlich haben sich die Chancen für den Auslandseinsatz verbessert: "Die Globalisierung der Wirtschaft und die zunehmende Rolle von internationalen Organisationen tragen auch zur Internationalisierung der Arbeitsmärkte bei", so die BfA. Europäer profitieren zusätzlich von der Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union. Die European Employment Services (EURES) verbinden die Arbeitsverwaltungen der EU miteinander. Dieses Netzwerk veröffentlicht über die nationalen Arbeitsämter die offenen Stellen in den Mitgliedsländern. EURES-Berater gibt es in knapp 50 Arbeitsämtern in Deutschland. Wer lieber erst im Internet suchen will: Die EURES-Suchmaschine hat derzeit gut 8.000 Vakanzen im Angebot, besonders viele im Gesundheitswesen. Zwar gibt es auch ein paar Stellen für Lehrkräfte - so sucht England derzeit Mathematiklehrer - bessere Auslandschancen hat man in der EU aber als Betriebswirt, Finanz- oder Verwaltungsexperte.

Für Einsteiger
"Wenn deutsche Firmen Mitarbeiter für eine Niederlassung im Ausland suchen, nehmen sie meist jemand aus den eigenen Reihen", sagt Arbeitsvermittler Gerald Schomann und dämpft damit Hoffnungen frischer Absolventen. Schomann ist in der Bonner Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) zuständig für die Vermittlung von Fach- und Führungskräften ins Ausland. Die ZAV ist die internationale Personalagentur der BfA mit Verbindungen in rund 130 Länder. Sie empfiehlt sich als erste Anlaufstelle bei der Suche nach Auslandsjobs. Hunderte offene Stellen gibt es dort zum Beispiel für Mediziner in Schweden. "Ärzte werden auf der ganzen Welt stark nachgefragt", sagt Schomann. "Aber auch Techniker oder Ingenieure mit Fremdsprachenkenntnissen haben gute Chancen." Geisteswissenschaftler würden dagegen selten gesucht. "Wer später im Ausland arbeiten will, muß frühzeitig darauf hinarbeiten", rät Schomann. Um Fremdsprachenkenntnisse zu vertiefen und interkulturelle Kompetenzen zu erwerben, sei selbst die Arbeit als Animateur in einem Ferienclub geeignet. "Irgendwo muß man ja einsteigen." Allen Studenten, die sich auf spätere Arbeit im Ausland vorbereiten wollen, hilft die ZAV mit ihrem Programm "Jobs und Praktika". Mehr als 2.300 Deutsche vermittelt sie jedes Jahr in Ferienjobs, Saisonarbeit und Praktika in alle Welt.

Für Hochqualifizierte
Ebenfalls bei der ZAV in Bonn angesiedelt ist das Büro Führungskräfte zu Internationalen Organisationen (BFIO). Es informiert, berät und vermittelt qualifizierte und international ausgerichtete deutsche Bewerber, die sich für eine Tätigkeit im höheren Dienst bei internationalen Organisationen interessieren.

Eine hohe Qualifikation erfordern auch die Angebote, die das Auswärtige Amt in seinem Online-Stellenpool auflistet. Dort läßt sich nach Fachrichtung, Organisation oder Dienstort suchen. Es gibt Arbeit für Gesundheitsexperten in Wien bis zum Verwaltungsfachmann in Mexiko-Stadt. Online suchen kann man Auslandsjobs auch bei der Gesellschaft Internationale Weiterbildung und Entwicklung (InWent), eine Organisation für internationale Personalentwicklung und Weiterbildung. Sie ist hervorgegangen aus der Carl Duisberg Gesellschaft (CDG) und der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung (DSE). Auf den Internetseiten von InWent gibt es ein umfangreiches Verzeichnis gesuchter Berufe und Organisationen, die in der Ferne Stellen anbieten.

Für Wissenschaftler
Für Wissenschaftler, die im Universitätsbetrieb, aber nicht in Deutschland bleiben wollen, ist der Deutsche Akademische Austausch-Dienst (DAAD) zuständig. Dessen Vermittlungsstelle für deutsche Wissenschaftler im Ausland fördert lang- und kurzfristige Lehrtätigkeiten an ausländischen Unis. Im Jahr 2002 hat der DAAD knapp 30.000 deutsche Studenten und rund 5.400 Wissenschaftler im Ausland unterstützt. Wenn die ausländische Universität weniger zahlt als die deutsche, kommt der DAAD für die Differenz auf. Absolventen, die ohne Anstellung an einer deutschen Hochschule ins Ausland gehen wollen, fördert der DAAD nur, wenn sie Germanistik studiert haben, am besten Deutsch als Fremdsprache. Für sie ergibt sich die Möglichkeit, im Ausland Deutsch zu unterrichten. Zudem bietet der DAAD Graduierten- und Promotionsprogramme.

Für Entwicklungshelfer
Wer sich in Entwicklungsländern engagieren will, wendet sich am einfachsten direkt an den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) oder die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) - dort gibt es auch Nachwuchsförderungsprogramme. Eine andere Anlaufstelle ist das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM), eine Personalvermittlung mit entwicklungspolitischem Auftrag. Bevor die Institution Fachkräfte nach Afrika, Asien, Lateinamerika und Mittel- und Osteuropa vermittelt, prüft sie, ob die vorgesehene Arbeitsstelle entwicklungspolitisch sinnvoll ist. Weltweit sind zur Zeit mehr als 700 CIM-Fachkräfte in mehr als 80 Ländern tätig.

Wer noch vor dem Abschluß im Ausland etwas Sinnvolles tun möchte, kann sich bei den Peace Brigades International (gbi) melden, um in Guatemala, Kolumbien, Mexiko oder Indonesien gefährdete Menschenrechtler zu begleiten und damit zu beschützen. Bewerber müssen mindestens 25 Jahre alt sein. Mehr als ein Taschengeld darf man dort nicht erwarten, Erfahrung fürs Leben schon.

Weitere Informationen unter:

www.arbeitsamt.de/zav/jobshttp

www.auswaertiges-amt.de

www.cimffm.de

www.daad.de

www.ded.de

www.eures-jobs.com

www.gtz.de

www.inwent.org

www.pbi-deutschland.de

Eine ausführliche Linkliste mit Kurzinfos zum Arbeiten im Ausland gibt es auch beim Bund:
www.bund.de

Auslands-Hotline der BfA: 0180/522 20 23 (12 Cent pro Minute)

Text: Hochschulanzeiger Nr. 69, 2004
Bildmaterial: Anke Kuhl, Labor