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Die freie Wirtschaft als Gönner und Nutzniesser Privat finanziert – günstig rekrutiert Von Frank Krings 
23. Juni 2008 Seitdem Studiengänge immer mehr an Unternehmensinteressen angepasst werden, verlangen Politiker im Gegenzug mehr privatwirtschaftliche Förderung. Manche Konzerne lassen sich schon aus Eigennutz nicht lange bitten: Denn mit Bildungsfonds oder kostengünstigen Online-Stipendien können sich Unternehmen als private Förderer ausgeben - und zugleich ihren Nachwuchs rekrutieren. Im Idealfall bekommen sie die Kosten für Stipendiaten sogar wieder zurück.
Der Trend ist eindeutig. Neben partei- und kirchennahen Begabtenförderungswerken geben sich auch immer mehr private Unternehmen als großzügige Förderer aus. So wird etwa der Bildungsfonds von Career Concept von Privatpersonen und Investorengruppen finanziert. Anscheinend nicht zu knapp: Wir zahlen unseren Stipendiaten im Durchschnitt 15.000 Euro für ihr Studium aus. Bei Oxford-Studenten können es auch schon mal 50.000 Euro sein, erklärt Dr. David Schmutzler, Geschäftsführer von Career Concept. Der Haken an der Sache: Das Geld muss nach dem Studium in einem festgelegten Zeitraum einkommensabhängig zurückgezahlt werden. Manche zahlen über einen längeren Zeitraum, zum Beispiel acht Jahre, nur 3 Prozent von ihrem Einkommen an uns zurück. Andere wählen eine kurze Rückfinanzierungszeit von beispielsweise drei Jahren mit einem höheren Zinssatz. Die Investoren spekulieren darauf, dass die Einkommen der Stipendiaten nach Studienabschluss so hoch sind, dass deren gehaltsabhängige Rückzahlungen die Fördersummen noch übertreffen. Wir richten uns daher an wirtschaftsnahe Studenten wie Juristen, Informatiker, BWLer und Ingenieure. Unsere Investoren tun natürlich alles, damit sie direkt nach dem Studium ein gutes Einkommen erzielen, macht Dr. Schmutzler deutlich. Allerdings seien unter den gegenwärtigen Stipendiaten auch Germanisten und sogar ein Ägyptologe dabei. Durch unsere Mentorenbetreuung und interne Stellenausschreibungen landen die vielleicht mal in der Unternehmensberatung - das kann man am Studienanfang ja nie so genau wissen, erklärt der Wirtschafswissenschaftler. Denn selbst wenn die Stipendiaten für die Investoren bei der Rückfinanzierung keine Gewinne bringen - das Image als Förderer akademischen Nachwuchses ist unbezahlbar. Und auch der Headhunter zur Rekrutierung von Nachwuchskräften kann durch die Auswahl passender (und später dankbarer!) Stipendiaten eingespart werden. Im Zeitalter des Social Networking sind Informationen oft mehr wert als ein Barscheck. Das ist die Gründungsidee von E-fellows.net, einem Karrierenetzwerk, das Europas erstes Online-Stipendium anbietet. Trotz seiner drei finanzstarken Eigentümer McKinsey, Telekom und Holtzbrinck fallen die geldwerten Leistungen eher mager aus: Im Wert von monatlich circa 100 Euro bekommen Stipendiaten von uns Zuschüsse zum Telekomanschluss, Zeitungsabos und Accounts zu Datenbanken, erklärt Geschäftsführer Michael Hies. Viel wichtiger sei aber die nur Stipendiaten zugängliche E-fellows.net-Community. In diesem Social Network lernen sie Mentoren der zahlreichen Partnerfirmen wie etwa der Deutschen Bank kennen. Durch personalisierte Newsletter erfahren unsere Mitglieder von internen Ausschreibungen. So sucht zum Beispiel die spanische Bosch-Filiale momentan 15 Praktikanten bei uns, berichtet Hies. Allerdings bietet das Netzwerk auch eine offene Stipendiendatenbank sowie ein öffentliches Stipendiaten-Wiki an. Ein einfaches E-fellows.net-Member kann übrigens jeder Studierende werden, der sich auf der Website registriert. Ein E-fellows.net-Stipendiat hingegen muss in der Bewerbung akademische Exzellenz, Auslandserfahrung und Praktika sowie außeruniversitäres Engagement nachweisen. Wie bei Career Concept werden für das Online-Stipendium besonders wirtschaftsaffine (Hies) Studenten wie BWLer, Ingenieure, Juristen und Naturwissenschaftler angesprochen. Es lässt sich auch plumper formulieren: Gefördert werden nur Studenten, die später auch mal als Arbeitnehmer für beteiligte Firmen wie McKinsey attraktiv sein könnten. So bleibt in Bezug auf private Förderer ein schaler Nachgeschmack zurück: Eigentlich wollen die Konzerne so nur kostenneutral zukünftige High Potentials an sich binden. Beim Career Concept machen sie dabei unter Umständen noch Gewinn, während bei e-fellows.net lediglich mit guten Kontakten bezahlt wird. Das ist aus Unternehmersicht verständlich, hat aber mit der Förderung besonderer Begabungen oder gar sozialem Ausgleich wenig zu tun. Wer darauf sowie auf eine langfristige Studienfinanzierung Wert legt, ist mit den klassischen Förderungswerken besser beraten. Text: Hochschulanzeiger Nr. 97, 2008, Seite 109 Bildmaterial: Moni Port, Labor
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