11. Oktober 2008
Business-Knigge 

Buchtipps

Buchtipps: Studium und Weiterbildung, Bewerbung und Karriere

Von Florian Vollmers



Armin Himmelrath/ Britta Mersch: Bachelor-Basics & Master-Plan: Wie die neuen Studiengänge funktionieren und was sie bringen Bildung und Wissen Verlag, 2008, 150 Seiten, 16,80 Euro
23. Juni 2008 
Die neusten Bücher zu den Themen Studium und Weiterbildung, Bewerbung und Karriere

Studium & Weiterbildung

Armin Himmelrath/ Britta Mersch: Bachelor-Basics & Master-Plan: Wie die neuen Studiengänge funktionieren und was sie bringen
Bildung und Wissen Verlag, 2008, 150 Seiten, 16,80 Euro
Rund 61 Prozent aller Studiengänge in Deutschland sind bereits auf das neue Bachelor-/Mastersystem umgestellt. Den höchsten Anteil findet man mit 89 Prozent in Niedersachsen, den geringsten im Saarland mit 31 Prozent. Diese und weitere Fakten zum Hochschulreformprozess haben die Bildungsjournalisten Mersch und Himmelrath für ihren informativen Überblick zusammengestellt. Sie erklären, wie die neuen Studiengänge funktionieren, und geben Tipps zur Auswahl der passenden Hochschule. Grundsätzlich beurteilen die Autoren den Bologna-Prozess positiv, lassen aber auch kritische Stimmen zu Wort kommen wie den Präsidenten der Frankfurter Goethe-Uni, der die Trennung von Anwendungs- und Forschungsorientierung in der Bachelorphase scharf kritisiert, oder den Leiter der Psychosozialen Beratungsstelle an der Uni Oldenburg, der berichtet, dass sich die neuen Leistungsanforderungen „wie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die psychologische Beratung“ auswirken. Zum Thema ist „Bachelor-Basics & Master-Plan“ der derzeit beste und aktuellste Ratgeber. ++++

Heike Schmoll: Lob der Elite: Warum wir sie brauchen C. H. Beck Verlag, 2008, 173 Seiten, 17,90 Euro

Heike Schmoll: Lob der Elite: Warum wir sie brauchen
C. H. Beck Verlag, 2008, 173 Seiten, 17,90 Euro
Julia Friedrichs amüsierter bis angewiderter Erfahrungsbericht „Gestatten Elite“ über die Begegnung mit jungen Menschen, die sich für Deutschlands beste Auslese halten, sorgte unlängst für Diskussionsstoff. Wie ein Gegenentwurf mutet nun das „Lob der Elite“ an, das die Bildungsexpertin und F.A.Z.-Redakteurin Heike Schmoll verfasst hat. In ihrer selbstbewusst kulturkonservativen Abhandlung pocht sie auf die wichtige Rolle, die Eliten für den Fortschritt einer demokratischen Gesellschaft spielen.

Vehement vertritt Schmoll deren Notwendigkeit in Deutschland, wo die Abneigung gegen Eliten so groß sei wie in keiner anderen der führenden Industrienationen. Soziale Herkunft und Bildung sind für die Elitenbildung jedoch nicht entscheidend, vielmehr kommt es auf die individuelle Haltung und Leistungsfähigkeit an, schreibt Schmoll und holt zu einer umfassenden Kritik am Hochschulreformprozess und an der Exzellenzinitiative der Bundesregierung aus. Eine kluge, höchst streitbare Schrift, die man gerade als Elitekritiker gelesen haben sollte. +++

Robert Griesbeck/ Maximilian Teicher: Pimp Your Brain: Spielerisches Gehirntraining für mehr beruflichen Erfolg Campus Verlag, 2008, 192 Seiten, 19,90 Euro

Robert Griesbeck/Maximilian Teicher: Pimp Your Brain: Spielerisches Gehirntraining für mehr beruflichen Erfolg
Campus Verlag, 2008, 192 Seiten, 19,90 Euro
Dass Gedächtnisverlust und sinkendes Denkvermögen keine zwingenden Alterserscheinungen sind, ist eine der zentralen Erkenntnisse der jüngsten Hirnforschung. Vielmehr muss man das Gehirn wie einen Muskel verstehen, der sich trainieren lässt. Kein Wunder, dass diese Erkenntnis zu einer wahren Flut von Computerspielen und Buchratgebern über „Gehirn-Jogging“ und “BrainFitness“geführt hat. Eine neue Variante dieses Subgenres erscheint nun mit „Pimp Your Brain“.

Dass die Hirnübungen dieses Ratgebers insbesondere „für mehr beruflichen Erfolg“
sorgen sollen, wie der Titel verheißt, ist nur ein Aufhänger, der wohl den Absatz fördern soll. Was der Leser tatsächlich in dem Buch findet, ist eine kurze Geschichte der Hirnforschung, informative Abschnitte über die Funktionen unserer Hirnareale, über das Erinnern, die Informationsaufnahme und das Denken sowie - und damit kommt „Pimp Your Brain“ zu seinem eigentlichen Herzstück - über 100 anregende Denksportaufgaben: Gymnastik fürs Gehirn als Unterhaltungslektüre für zwischendurch. +++

Sabine Asgodom: Die Frau, die ihr Gehalt mal eben verdoppelt hat Kösel Verlag, 2008, 220 Seiten, 17,95 Euro

Sabine Asgodom: Die Frau, die ihr Gehalt mal eben verdoppelt hat
Kösel Verlag, 2008, 220 Seiten, 17,95 Euro
Coaching ist in Mode, immer mehr Menschen lassen sich auf ihrem beruflichen Weg beraten oder suchen sich Hilfe bei weichenstellenden Lebensentscheidungen: Menschen, die einen Konflikt mit ihrem Chef austragen. Menschen, die trotz beruflichen Erfolgs eine Neuorientierung suchen. Menschen, die ihre Balance zwischen Job und Privatleben nicht hinbekommen. 25 Fallbeispiele aus dem Coaching-Alltag haben fünf bekannte Trainerinnen zusammengetragen und für dieses Buch niedergeschrieben - allen voran die Münchener Bestsellerautorin Sabine Asgodom.

Aufklären wollen sie, vor allem über das weit verbreitete Vorurteil, Coaching sei eine Art Psychotherapie, sagen die Autorinnen. Da die Geschichten selbstverständlich auch die Kundenakquise der Coaches anregen sollen - die allesamt mit Foto und Kontaktadresse aufgeführt werden -, darf man keine kritische Darstellung erwarten. Amüsant und gut eschrieben
ist das aber allemal. Und eine erste Vorstellung davon, was Coaching bedeutet, erhält man auch. ++

Bewerbung und Karriere

Cordula Janowski: Erfolgreich bewerben bei internationalen Organisationen Campus Verlag, 2008, 286 Seiten, 19,90 Euro

Cordula Janowski: Erfolgreich bewerben bei internationalen Organisationen
Campus Verlag, 2008, 286 Seiten, 19,90 Euro
Wer hätte gewusst, dass es ein „Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten“ in Stockholm gibt? Oder eine „Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht“ in Lissabon? Beides sind Agenturen der Europäischen Union, und bei beiden kann man ein Praktikum absolvieren, den Berufseinstieg versuchen und in den „höheren Dienst aufsteigen. Ob Europäische Zentralbank oder UN-Friedensmission - eine Karriere bei solchen internationalen Organisationen ziehen die wenigsten in Betracht.

Gut also, dass es nun diesen - inhaltlich bislang einmaligen - Ratgeber von Cordula Janowski gibt. Denn auf seinen knapp 300 dicht beschriebenen Seiten findet sich wirklich alles, was man über Bewerbungen bei internationalen Organisationen wissen muss: gründlich recherchiert, wie ein Lexikon benutzbar, mit zahlreichen Adressen und Links. Für „internationale Bewerber“ ist der Ratgeber unverzichtbar. ++++

Carolin Lüdemann/Heiko Lüdemann: Fangfragen im Vorstellungsgespräch souverän meistern Redline Wirtschaft, 2008, 208 Seiten, 17,90 Euro

Carolin Lüdemann/ Heiko Lüdemann: Fangfragen im Vorstellungsgespräch souverän meistern
Redline Wirtschaft, 2008, 208 Seiten, 17,90 Euro
„Warum haben Sie so lange studiert?“ ist in Vorstellungsgesprächen eine ähnlich häufig formulierte Provokation wie „Ihre Partnerin hat keine Einwände, wenn Sie regelmäßig auf Geschäftsreisen sind?“. Derartige Fangfragen hat das bewährte Autorenduo Carolin und Heiko Lüdemann zum Thema ihres aktuellen Ratgebertitels gemacht. Wie so oft in der Karriereliteratur widmet sich ein nicht unbeträchtlicher Teil des Buches Randthemen, die andernorts schon unzählige Male behandelt wurden und offensichtlich nur als Seitenfüller dienen, wie zum Beispiel Körpersprache und die „richtige Kleiderwahl“.

Doch wo die Lüdemanns sich tatsächlich „Fangfragen im Vorstellungsgespräch“ widmen, überzeugt der Ratgeber mit einigen informativen Passagen. Auf die jeweilige Fangfrage folgt zur Analyse sowohl eine gängige Antwort, die Arbeitgeber nicht gerade vom Hocker haut, wie auch eine außergewöhnliche Replik, mit der man als Bewerber punkten kann. In die Tiefe geht das nicht, aber für die Vorbereitung auf ein Kreuzverhör reicht es. +++

Matthias Nöllke: Peinliche Situationen meistern Rudolf Haufe Verlag, 2008, 128 Seiten, 6,90 Euro

Matthias Nöllke: Peinliche Situationen meistern
Rudolf Haufe Verlag, 2008, 128 Seiten, 6,90 Euro
Wenn man im Geschäftsgespräch den Namen seines Gegenübers vergisst, auf einer superschicken Veranstaltung in Jeans auftaucht oder sich im Büro einen unpassenden Witz nicht verkneifen kann, dann ist der Moment gekommen, in dem vielen ein gemurmeltes „wie peinlich“ entfleucht. Peinlich keiten lauern überall im Arbeitsleben. Wie man mit ihnen umgeht und wie man auf die Peinlichkeiten anderer taktvoll reagiert, beschreibt Matthias Nöllkes Ratgeber im Pocketformat. Viele seiner Ratschläge sind aufgeblähte Selbstverständlichkeiten.

Und Tipps
wie jener, dass man bei Blähungen am Arbeitsplatz „das Weite suchen“ und sich „an einem stillen Örtchen Erleichterung verschaffen“ sollte, entbehren nicht einer gewissen Sinnfreiheit und Komik. Dennoch ist „Peinliche Situationen“ amüsante Lektüre, deren 128 Seiten in 90 Minuten geschafft sind und die zur allgemeinen Entkrampfung beiträgt. Und das ist bekanntlich der erste Schritt heraus aus der Peinlichkeit. ++

Susanne Reinker: Locker bleiben, Mädels! Die besten Rezepte für stressfreies Arbeiten Bildung und Wissen Verlag, 2008, 161 Seiten, 16,80 Euro

Susanne Reinker: Locker bleiben, Mädels! Die besten Rezepte für stress-freies Arbeiten
Bildung und Wissen Verlag, 2008, 161 Seiten, 16,80 Euro
Frauen haben prinzipiell mehr Stress im Beruf als Männer, behauptet Buchautorin Susanne Reinker. Das habe zwei Gründe: Erstens arbeiten Frauen für weniger Lohn. Und zweitens plagen sie sich stärker mit Zweifeln und mangelndem Selbstvertrauen im Job - während Männer mit Selbstbewusstsein und „Das schaff' ich schon“-Attitüde durch die Büros streifen. Abhilfe sollen diese „besten Rezepte für stressfreies Arbeiten“ schaffen: Tipps zur Arbeitsorganisation, Strategien gegen „Zeitkiller“, Regeln für den Umgang mit dem Chef oder Vorsorge gegen Burnout und Hamsterrad-Feeling.

Susanne Reinkers sympathisch gestalteter, schön geschriebener Rat geber reiht sich ein in die Masse vorhandener Stress-Lite ratur und ist auf jeden Fall eine Lektüre wert, präsentiert dabei aber nichts Neues. Auf den Auf hänger des Geschlechtsunterschiedes hätte man getrost verzichten können, denn die Tipps zum Stressabbau sind nicht frauenspezifisch - warum sollten sie das auch sein? „Locker bleiben, Mädels und Jungs!“. Dieser Titel wäre ehrlicher gewesen. +++

Text: Hochschulanzeiger Nr. 97, 2008, Seite 90