22. August 2008
Business-Knigge 

Online-Stellenmarkt

Nicht alle Jobbörsen sind effektiv

Von Hilmar Poganatz




24. November 2003 
Für Arbeitssuchende sind sie inzwischen eine der ersten Anlaufstellen: Jobbörsen im Internet. Auch Unternehmen nutzen sie, um kostengünstig nach interessanten Bewerbern zu fahnden. Doch im Dschungel der 400 Online-Stellenmärkte kann nicht nur der Überblick verlorengehen, sondern auch die eigene Stellenanzeige.

Mit dem Einser-Examen in die Arbeitslosigkeit: So wie dem 29 Jahre alten Geschichtsstudenten Jurij Fichte ist es in den vergangenen Jahren vielen jungen Akademikern ergangen. Im Boom-Jahr 2000 hatte er zwar kurzzeitig eine Stelle als Anzeigenleiter gefunden. Nach der ersten Kündigungswelle stand Fichte jedoch schon wieder auf der Straße. Zu diesem Zeitpunkt wußte er noch nicht, daß er ein ganzes Jahr lang Zeit haben würde, alle erdenklichen Formen der Jobsuche auszuprobieren: "Das Arbeitsamt hat mir nicht weitergeholfen, da kommt man dann schnell auf die Idee, sich im Internet umzuschauen." Fichte suchte sich die Anbieter Monster.de und Jobscout24.de aus.

Wie bei jedem Stellenmarkt kann man auch bei den Internet-Jobbörsen nach Stellenanzeigen suchen und eigene Gesuche aufgeben. Darüber hinaus bieten sie verschiedene Extras. So haben die innovativeren Börsen in den letzten Jahren Zusatzfunktionen für das sogenannte Bewerbermanagement installiert - Funktionen, die das Profil des Jobsuchenden für Personalberater einfacher abrufbar machen oder erlauben, sein eigenes Profil mit wenigen Klicks in mehrere Jobbörsen gleichzeitig einzustellen. Bei über 400 in Deutschland tätigen Online-Jobbörsen wird es daher immer schwieriger, den Überblick zu behalten. Und lohnt es sich nach dem Abflauen der Internet-Euphorie überhaupt noch, den elektronischen Bewerbungsweg zu wählen?

17 Prozent aller Stellenangebote für Akademiker entfallen auf die fünf größten privaten Internet-Jobbörsen.

In der Tat ist der Trend, Stellenanzeigen im Internet zu veröffentlichen, in letzter Zeit rückläufig. Dem aktuellen Jobpilot-Index zufolge lag die Zahl der online geschalteten Stellen im Juli sechs Punkte unter dem Wert vom April. Damit sinke das Internet-Angebot nach einer Erholung im Frühjahr wieder auf das Niveau vom vergangenen Herbst, heißt es bei der Jobbörse Jobpilot.de, die den Index viermal jährlich in Zusammenarbeit mit dem Gelsenkirchener Institut Arbeit und Technik (IAT) erstellt. Seit nunmehr einem Jahr erfaßt der Index die größten Jobbörsen sowie die wichtigsten Unternehmens-Websites in Deutschland. Eine leichte Erholung ist hingegen auf den Stellenmärkten der Tageszeitungen zu beobachten: Der vom gleichnamigen Personal-Dienstleister erstellte Adecco-Index für Print-Stellenmärkte kletterte von April bis Juli um zwei auf 68 Punkte.

Trotz dieser jüngsten Tendenz fällt der Jahresvergleich zwischen Print und Internet für die Online-Märkte positiver aus: Sie verloren übers Jahr nur fünf Prozent ihres Angebots, die Zeitungen annähernd ein Drittel. "Das Internet ist weiterhin ein beliebtes Instrument für Unternehmen, die passenden Absolventen zu finden", schätzt Joaqun Molina, Projektleiter der Studie "Trainee 2003" bei der Personalberatung Kienbaum, die Situation ein. Der Grund dafür liege nicht zuletzt in den niedrigen Kosten. Tatsächlich hat der Arbeitsmarkt-Informationsservice (AMS) der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Bonn (ZAV) herausgefunden, daß heutzutage bereits 17 Prozent aller Stellenangebote für Akademiker auf die fünf größten privaten Internet-Jobbörsen entfallen. "Dabei haben wir die Jobportale Jobpilot, Jobs, Stellenanzeigen, Stellenmarkt und Stepstone ausgewertet", berichtet AMS-Mitarbeiterin Beate Raabe. Allein im Internet machen diese fünf Jobbörsen nach Berechnungen der ZAV fast ein Viertel aller Stellenangebote aus. Trotz der imposanten Quote rät Raabe dazu, die Internet-Jobbörsen realistisch einzuordnen: "Es gibt viele andere Möglichkeiten, die erfolgreicher sein können." Wer Erfolg haben möchte, müsse sich zunächst einmal einen Überblick verschaffen.

Arbeitsamt mit größter Jobbörse
Die mit Abstand größte Jobbörse ist das Stelleninformationssystem (SIS) des Arbeitsamtes mit einem Marktanteil von zwei Dritteln und rund 300.000 gelisteten Angeboten. Sein Nachfolger VAM (Virtueller Arbeitsmarkt) soll im Dezember online gehen und noch umfangreicher werden. Mehrere hundert Jobbörsen will die Bundesanstalt für Arbeit im VAM zusammenfassen und erstmals auch in die Vermittlung von Fach- und Führungskräften einsteigen. An diesem Punkt stoßen sich jedoch die kommerziellen Jobbörsen, die eigentlich mit dem Arbeitsamt-System vernetzt werden sollen. Da bis Dezember weder eine Einigung noch eine technische Lösung zu erwarten ist, wird das Angebot des Arbeitsamtes wohl zumindest in diesem Wintersemester noch zu der Gruppe der branchenübergreifenden Jobbörsen gehören. Einer Untersuchung der Fachzeitschrift Personal-Magazin zufolge zählen auch die Sites monster.de und stellenanzeigen.de zu dieser Gruppe. Seit drei Monaten gehört auch die Neugründung jobstairs.de in die Kategorie: Jobstairs dient als Portal für 50 Konzerne, das Jobsuchende über seine Suchmaske direkt an die teilnehmenden Unternehmen vermittelt. Konzerne wie Bosch oder BMW übermitteln ihrer gemeinsamen Jobbörse zwar nicht alle Stellenangebote ihrer firmeneigenen Sites; die Anzahl der publizierten Angebote ist jedoch seit Gründung bereits um mehr als ein Drittel gewachsen. Dies sei noch kein Grund zum Jubeln, wie der Branchendienst Crosswater Systems urteilt, denn "wenige florierende Branchen und jede Menge Einsteiger- und Praktikantenangebote kennzeichnen das Bild."

Der Trend geht bei den Jobbörsen insgesamt allerdings eher in Richtung Spezialisierung. Mit der Einführung eines separaten Stellenmarkts für "Bildung, Wissenschaft und Forschung" hat inzwischen Monster einen ersten Schritt in diese Richtung getan. Der ausgetretene Pfad zu den großen Jobbörsen ist für viele Bewerber nicht mehr der Königsweg. Der langzeitarbeitslose Student Fichte erinnert sich: "Ich habe damals einfach die Anbieter mit den meisten Angeboten genommen." In diesem sehr allgemein gehaltenen Umfeld habe er mit den Online-Formularen jedoch seine Probleme gehabt: "Man hat kaum Flexibilität, sein Profil interessant zu machen." Dies gelte besonders für Geisteswissenschaftler. "Außer Newslettern habe ich dann auch keine Resonanz bekommen."

„Es gibt spezielle Jobbörsen für fast jeden Berufszweig, zum Beispiel für Biologen oder für Chemiker, für Juristen oder Umweltberufe.“

Erfolgversprechender sei es, sich bei den vielfältigen branchenspezifischen Stellenmärkten umzusehen, sagt Raabe: "Auch wenn es viele nicht wissen: Es gibt spezielle Jobbörsen für fast jeden Berufszweig, zum Beispiel für Biologen oder für Chemiker, für Juristen oder Umweltberufe." Eine wertvolle Übersicht über diese kleinen, berufsspezifischen Stellenbörsen liefert das Arbeitsmarktportal des Arbeitsamtes (Link s.u.). Der Hersteller von Recruiting-Lösungen "HR4YOU" verdeutlicht am Beispiel des Gesundheitswesens, daß die großen Jobbörsen zwar auf den ersten Blick das größere Angebot haben, bei näherem Hinsehen den Spezialstellenmärkten wie health-job.net jedoch klar unterlegen sind. Crosswater Systems nennt in einer Marktübersicht die führenden Jobbörsen für 26 Branchen. Obwohl die Liste auf Daten des vergangenen Jahres basiert, handelt es sich um die einzige umfassende Übersicht mit eingebauter Ranglisten-Funktion. Hier erfahren Juristen unkompliziert, daß rechtsfinder.de für sie im Regelfall die meisten Angebote auflistet, während Naturwissenschaftler auf die Jobbörse science-jobs.de stoßen.

Die richtige Online-Strategie hängt jedoch nicht einzig mit der gesuchten Branche zusammen. Denn heutzutage haben es Hochschulabsolventen nach Einschätzung von Kienbaum-Experte Molina besonders schwer, auf die Listen der Personalberater zu kommen. Aus diesem Grund ist es wichtig, Jobbörsen mit einem gut entwickelten Bewerbermanagement auszuwählen, das kompatibel für den Datenaustausch mit anderen Jobbörsen und Unternehmensdatenbanken ist. Im Regelfall handelt es sich dabei um den xml-hr-Standard, den zum Beispiel die Jobbörsen Monster, Berufsstart, Jobs, Stellenanzeigen und Jobware nutzen. Andere Börsen wie Jobpilot sind mit einer ASP-Schnittstelle erfolgreich: Laut einer Umfrage der Zeitschrift Capital durchforstet jeder zweite Headhunter die Bewerberprofile bei Jobpilot. Jobscout24 und Worldwidejobs gehören hingegen zu den Stellenmärkten, die der Untersuchung im Personal-Magazin zufolge keine Bewerbermanagement-Schnittstelle benutzen.

Daß aber auch solche Börsen für manchen interessant sein können, macht Marcellus Menke vom Kölner Universitäts-Career-Service KIQ deutlich: "Wenn man sich in verschiedenen Bereichen bewirbt oder aus einem festen Job heraus, sollte man vorsichtig sein mit der Preisgabe seiner Daten." Auch seien Personendaten ein begehrtes Handelsgut. Wer die Datenschutzbestimmungen aufmerksam liest, findet Zeilen wie bei Jobstairs, die auf einen "Transfer Ihrer personenbezogenen Daten in Gebiete außerhalb der Europäischen Union" hinweisen. Menkens Tip: "Oft erfährt man auch ohne die Eingabe des Lebenslaufes, welche Firma eine Stelle ausschreibt." Danach sei es ein Leichtes, den Job auf der Unternehmens-Website zu finden und sich direkt zu bewerben.

Die Strategie der aktiven Bewerbung hatte am Ende auch bei Jurij Fichte mehr Erfolg als die Online-Suche. Seine Schlußfolgerung: "Man darf sich eben auf keinen Fall allein auf die Internet-Stellensuche verlassen." Diese könnte in naher Zukunft allerdings ohnehin viel unkomplizierter werden. Glaubt man einer Trend-Analyse des Branchendienstes Crosswater, wird der Konzentrationsprozeß der Jobbörsen fortschreiten, so daß am Ende nur drei bis fünf große Anbieter auf dem derzeit überbesetzten Markt übrig bleiben werden.

Weitere Informationen unter:

www.arbeitsamt.de

www.crosswater-systems.com

www.personal-magazin.de

Text: Hochschulanzeiger Nr. 69, 2004
Bildmaterial: Anke Kuhl, Labor