FAZ.NET-Spezial

Die Nobelpreise 2008

Die Nobelpreis-Medaille

Die Nobelpreis-Medaille

08. Oktober 2008 Die neuen Träger des Nobelpreises in den verschiedenen Disziplinen stehen fest. FAZ.NET nennt die Namen der Preisträger und beleuchtet ihre herausragenden wissenschaftlichen und kulturellen Leistungen. Berücksichtigt werden auch der alternative Nobelpreis und die Ig-Nobelpreise für „unsinnige“ Forschung.

Medizin:

Mit dem Heidelberger Krebsforscher Harald zur Hausen wurde in diesem Jahr erstmals seit 1999 wieder ein deutscher Forscher mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. Zur Hausen erhält den Preis für die Entdeckung des so genannten Papillom-Virus, das gefährlichen Gebärmutterhalskrebs bei Frauen auslösen kann. Mit seiner Forschung schuf zur Hausen die Grundlagen für einen heute bereits angewandten Impfstoff. Zur Hausen teilt sich die höchste Auszeichnung seines Fachs mit den Franzosen Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinoussi, die das Aidsvirus entdeckt haben. Der lange als Nobelpreiskandidat gehandelte amerikanische Aidsforscher Robert Gallo geht hingegen leer aus. (siehe Nobelpreis für Medizin: Die Früchte eines Doppellebens)

Physik:

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an zwei japanische und einen amerikanischen Forscher. Die Physiker Yoichiro Nambu (Vereinigte Staaten), Makoto Kobayashi (Japan) und Toshihide Maskawa (Japan) erhalten die höchste Auszeichnung ihres Faches, weil sie bedeutende
Erklärungen zur Existenz des Universums lieferten. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mit. Die Vorhersagen und Rechnungen der Physiker lieferten entscheidende Bausteine für das Standardmodell, mit dem die moderne Physik den Kosmos erklärt. (siehe Physiknobelpreis: Die gebrochene Symmetrie des Mikrokosmos)

Chemie:

Der Nobelpreis für Chemie wird in diesem Jahr an einen Japaner und zwei amerikanische Forscher verliehen. Der Chemiker Osamu Shimomura, der Neurobiologe Martin Chalfie und der Physiologe Roger Tsien erhalten die Auszeichung für die Entdeckung und Entwicklung des Grün fluoreszierenden Proteins (GFP), das ursprünglich in Quallen vorkommt. Als Leuchtmarker habe sich dieses „zu einem der wichtigsten Werkzeuge“ in der Biologie entwickelt, begründete die Nobelpreis-Jury ihre Wahl. Mit seiner Hilfe können Zellen und Zellteile im lebenden Organismus für das menschliche Auge sichtbar gemacht werden. Die Laborforschung wurde so revolutioniert, weil sich biologische Prozesse beobachten lassen, die zuvor unsichtbar waren, etwa die Entwicklung von Nervenzellen im Gehirn oder die Streuung von Krebszellen. (siehe Nobelpreis für Chemie: Grünes Licht für die Molekularbiologie)

Literatur:

Damit hatten in der Literaturszene vergleichsweise wenige gerechnet: Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an den französischen Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio. Der 68-jährige Autor sei ein „Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase“, ein „Erforscher einer Menschlichkeit außerhalb und unterhalb der herrschenden Zivilsation“, begründete die Nobelpreis-Jory ihre Wahl. Damit gingen die amerikanischen Autoren Don DeLillo, John Updike und Philip Roth, die neben anderen zu den Favoriten auf den Preis zählen, abermals leer aus. (siehe Der Literaturnobelpreis 2008 geht an Franzosen Le Clézio)

Frieden:

Den Friedensnobelpreis erhält in diesem Jahr der frühere finnische Präsident Martti Ahtisaari. Der 71-jährige Diplomat wird für zahlreiche internationale Vermittlerdienste zur Beendigung von Kriegen und Konflikten geehrt, unter anderem im Kosovo. Als Ahtisaaris wichtigste Leistung gilt die Beendigung des Bürgerkriegs in der indonesischen Unruheprovinz Aceh 2005. Der Preis ist mit umgerechnet einer Million Euro dotiert. (siehe Nobelpreisträger Ahtisaari: Gefragter Krisendiplomat)

Wirtschaft:

Der amerikanische Wissenschaftler Paul Krugman erhält in diesem Jahr den Nobelpreis für Wirtschaft. Zur Begründung nannte die Königlich-Schwedische Akademie Krugmans „Analyse von Handelsmustern und die Ansiedlung ökonomischer Aktivitäten“. Krugman ist Professor an der Universität Princeton und ein ständiger Kolumnist der „New York Times“. Er gilt als Kritiker der Bush-Regierung. Es ist bereits das neunte Mal in Folge, dass der Wirtschaftsnobelpreis in die USA geht. (siehe Ökonomie: Ein politischer Nobelpreis)

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP

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Nobelpreis für Medizin

Die Früchte eines Doppellebens

Sein größter Erfolg war die Entwicklung eines Impfstoffs gegen jene Human-Papillomviren, die zu Gebärmutterhalskrebs führen können. Aber auch als Wissenschaftsmanager leistete er Bedeutendes. Heute erhielt Harald zur Hausen den Nobelpreis für Medizin. Von Reinhard Wandtner

Nobelpreis für Physik

Die gebrochene Symmetrie des Mikrokosmos

Yoichiro Nambu, 1921 in Tokio geboren, ist emeritierter Professor an der Universität von Chicago und amerikanischer Staatsbürger.

Den Nobelpreis für Physik teilen sich drei Physiker, die den Symmetriebrüchen in der Arena der Grundkräfte und Elementarteilchen auf die Spur gekommen sind: Yoichiro Nambu, Makoto Kobayashi und Toshihide Masakawa. Von Manfred Lindinger

Nobelpreis für Chemie

Grünes Licht für die Molekularbiologie

Für ihre Arbeiten an einem Protein, mit dem man Zellen und ganze Organismen zum Fluoreszieren bringen kann, wurde drei Wissenschaftlern von der Stockholmer Akademie der diesjährige Nobelpreis für Chemie zugesprochen. Von Reinhard Wandtner

Literaturnobelpreis an Le Clézio

Der Jäger der verlorenen Träume

Die logische Wahl im transatlantischen Kulturkampf: Le Clézio

Spezial In seinem Werk mischt sich Zivilisationskritik mit den Traumresten des untergegangenen französischen Kolonialreiches: Dafür erhält Jean-Marie Gustave Le Clézio den Nobelpreis für Literatur. Von Joseph Hanimann

Nobelpreisträger Ahtisaari

Gefragter Krisendiplomat

Er wusste Gelegenheiten zu nutzen

In Indonesien führte sein diplomatisches Geschick zu einem Abkommen, das bis heute hält. Serbiens Herrscher Milosevic rang er den Rückzug aus dem Kosovo ab. Martti Ahtisaari war lange für den Friedensnobelpreis gehandelt worden - nun bekommt er ihn. Von Michael Martens, Jochen Buchsteiner, Jasper von Altenbockum

Ökonomie

Ein politischer Nobelpreis

Der Amerikaner Paul Krugman erhält den diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften

Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht an den Amerikaner Paul Krugman. Politisch brisant ist die Entscheidung vor dem Hintergrund des amerikanischen Wahlkampfs, da der 55 Jahre alte Ökonom als kämpferischer Unterstützer der Demokraten auftritt. Von Philip Plickert

Gespräch mit dem Virologen Reinhard Kurth

Brauchen wir eine Reform bei den Nobelpreisen?

Der Virologe Reinhard Kurth hält eine Reform des Nobelpreis-Auswahlverfahrens für notwendig

Zahlreiche Wissenschaftler haben schriftlich ihre Verwunderung darüber bekundet, dass der amerikanische Aidsforscher Robert Gallo beim Medizin-Nobelpreis leer ausgegangen ist. Ein Gespräch mit dem Virologen Reinhard Kurth über die Notwendigkeit einer Nobelpreis-Reform.

Auszeichnungen

Fünf Preise zum Wohle der Menschheit

Begründete die bekannteste Auszeichnung der Welt: Alfred Nobel (1833-1896)

Er erfand das Dynamit und konnte nicht verwinden, dass mit seiner Entdeckung Krieg geführt wurde: Alfred Nobel. Deshalb vermachte er sein Vermögen einer Stiftung und begründete den Nobelpreis, um fortan Forscher auszuzeichnen, die sich zum Wohle der Menschheit verdient gemacht haben.

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Alfred Nobel (1833 - 1896)

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