Barack Obama
Auch in diesem Jahr hat das Friedensnobelpreiskomitee es wieder einmal geschafft: Das Publikum reibt sich die Augen. Barack Obama hatte kaum jemand auf der Rechnung. Will sagen: Der Mann hat noch überhaupt nichts von Gewicht oder Dauer erreicht, leider.
Das ficht die weisen Osloer nicht an. Auch für sie war es zu verführerisch, die Begeisterung über die Wahl des ersten schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten, wenn auch verspätet, zu teilen, indem sie ihn verfrüht auszeichneten. Als Leistung Obamas für den Frieden darf schon mal gelten, dass er nicht George W. Bush ist. Und so würdigt das Nobelpreiskomitee eben wortreich Obamas Einsatz für die „Stärkung der internationalen Diplomatie”, das „neue Klima in der internationalen Politik”, das er geschaffen, die Hoffnung, die er vermittelt habe.
Oft genug ist der Friedensnobelpreis eine Ermutigung für unfertige Friedensprojekte und fragile Friedensabkommen gewesen, ein diplomatischer Vorschuss auf Dinge, die der Preisträger noch gar nicht geschafft hatte; ja, der Preis war ein vorbeugender - „preemptive” hieß das bei Bush - Ritterschlag, eine Anerkennung für Versprechen, die lange ihrer Einlösung harren.
So gesehen, wären allerdings auch andere Männer und Frauen unseres herrlichen, wenn auch friedlosen Planeten ohne Zweifel würdige Preisträger und sollten zumindest in Oslo in der engeren Auswahl gestanden haben. Unsere Shortlist. (bpe./riw./phil./V.Z.)