31. März 2006 Welcher Unternehmer hätte nicht gerne solches Wachstum vor Augen? Die Frankfurter Pemeas Fuel Cell Technologies GmbH will den Umsatz verdreifachen, ausgehend von anderthalb Millionen Euro. Das ist die Wachstumsrate, die wir in den nächsten Jahren erwarten, sagt Geschäftsführer Horst-Tore Land. Das erste Quartal des laufenden Jahres hat sich gut angelassen. Wenn wir diese Umsätze fortschreiben, können wir das Ziel erreichen. Pemeas stellt das Herzstück von Brennstoffzellen her, die Strom und Wärme aus Wasserstoff und Luft erzeugen: eine Membran, an der sich jene elektrochemische Reaktion abspielt, bei der Energie entsteht. Dies wirkt angesichts der stark gekletterten Preise für Öl, Gas und Strom verlockend.
Die aus der Hoechst AG hervorgegangene Firma mit Sitz im Industriepark Höchst fertigt Membranen, die bei 80 bis 200 Grad betrieben werden können. Sie brauchen anders als übliche Membranen kein Wasser, sondern funktionieren mit Phosphorsäure. Die höhere Betriebstemperatur gestattet es, die Brennstoffzelle vergleichsweise klein zu bauen. Denn die bei Konkurrenzprodukten notwendige Aufbereitungseinheit zur Säuberung des Wasserstoffs kann entfallen. Zudem wird die Kühlung vereinfacht. Auch muß das Pemeas-Produkt nicht wie andere Membranen ständig befeuchtet werden, wie es heißt. Nicht zuletzt nimmt das Unternehmen für sich in Anspruch, kostengünstiger zu sein als die Konkurrenz.
Brennstoffzelle so klein wie ein Taschenbuch
Der Betrieb liefert die kritischste Komponente von Brennstoffzellen, wie Land erläutert und ist darauf angewiesen, daß andere Unternehmen in diese Alternative zu Öl, Kohle und Gas investieren. Und die Produkte der Höchster einbauen. Was auch der Fall ist: Vor allem in Japan, wo Öl ein reines Importgut ist, und in Südkorea treiben Konzerne die Entwicklung voran. So hat Pemeas schon 2005 einen starken Anstieg der Nachfrage gespürt. Die Zahl der laufenden Kundenprojekte beziffert der Geschäftsführer auf 30 bis 35.
Umsatztreiber sind die Membrane für kleine Brennstoffzellen, die Batterien ergänzen oder ersetzen sollen und Energie für Laptops, Navigationsgeräte oder auch Spielekonsolen liefern. Dieser Markt entwickelt sich sehr dynamisch, berichtet Land. So verarbeitet das kalifornische Unternehmen Ultracell Produkte von Pemeas in einer Brennstoffzelle von der Größe eines Taschenbuchs, die von der Armee der Vereinigten Staaten erprobt wird. Für 2007/2008 plant Ultracell, erste Produkte auf den Markt zu bringen. Und ein südkoreanischer Konzern sieht laut Land vor, eine Brennstoffzelle in ein Mobiltelefon zu packen. Bisher macht Pemeas die Hälfte des Umsatzes mit Asiaten. Aber diese Rate wird steigen, wie Land meint.
Büro in Tokio, Vertriebspartner in Korea
Angesichts der Konsequenz, mit der Unternehmen in Asien sich mit kleinen Brennstoffzellen beschäftigen, ist Pemeas selbst bei einer Fachmesse in Tokio aufgetreten - mit hervorragender Resonanz. Seit dem Spätsommer betreibt die Firma dort auch ein Büro. Wir überlegen, ob wir es ausbauen, erläutert der Geschäftsführer und denkt an ein anwendungstechnisches Labor. Zudem hat die Firma auch Vertriebspartner in Korea und in Taiwan.
Die von einem Brennstoffzellen-Kraftwerk mit Wärme und Strom versorgte Produktionsstätte von Pemeas befindet sich im Industriepark Höchst und wird auf absehbare Zeit auch alleine dort bleiben. In den nächsten ein bis zwei Jahren dürfte diese Fabrik ausreichen, um die erwartete Nachfrage zu bedienen. Das 50 Mitarbeiter zählende Unternehmen nimmt aber schon den Ausbau der Produktion ins Visier. In den nächsten zwölf bis 18 Monaten steht die Entscheidung an. Land muß dabei sein Ohr nah an den Kunden haben, um weder Wachstumschancen zu verpassen noch Überkapazitäten zu schaffen.
Ertragswende soll in zwei bis vier Jahren erfolgen
Und eine ganz wesentliche Frage lautet: Wo sollte eine neue Produktionsstätte am besten hochgezogen werden. Es gibt keinen Automatismus, daß unsere nächste Anlage wieder in Höchst stehen wird, hebt der Geschäftsführer hervor. Für einen Standort im Ausland könnte die Nähe zu Kunden sprechen. Allerdings sei der Industriepark nicht zuletzt wegen seiner Nähe zum Flughafen ein sehr guter Standort. Auch wären die Nähe zur Entwicklungsabteilung der schon bestehenden Fabrik von Vorteil - es muß am Ende nur wirtschaftlich vernünftig sein. Als Pluspunkt führt Land auch an, daß der Industrieparkbetreiber Infraserv einer der Investoren hinter der Pemeas ist, die inzwischen über 125 Patente verfügt. Die anderen Gesellschafter sitzen in Dänemark, Großbritannien, Kanada und der Schweiz - allesamt Risikokapital-Geber (Venture Capital). Die Zusammenarbeit nennt Land sehr professionell und konstruktiv.
Zu Jahresbeginn haben die Geber, die Pemeas 2004 mit 20 Millionen Euro versorgt hatten, zwei Millionen nachgelegt. Denn noch macht Pemeas keine Gewinne. Die Ertragswende soll in zwei bis vier Jahren erfolgen.
Text: @thwi
Bildmaterial: Bergmann, Ultracell