09. April 2008 Nicht weniger als 80.000 Autos verwaltet die in Frankfurt ansässige Bahn-Tochter DB Fuhrpark für die eigene Konzernmutter. Dabei handelt es sich vor allem um Dienstwagen, über die ein demnach veritabler Teil der zuletzt gut 237.000 Mitarbeiter von Bahnchef Hartmut Mehdorn verfügt. Ein Viertel dieser Wagen wird nach Angaben eines Konzernsprechers in jedem Jahr wieder verkauft, wofür die Auto-Tochter der Bahn zwei große Gebrauchtwagenzentren unterhält, eines davon in Frankfurt, das andere in Berlin.
Ein Blick in die Angebote des Unternehmens zeigt, dass es sich dabei meistens um Wagen handelt, die ein bis zwei Jahre alt sind – also junge Gebrauchte“. Leasingangebote hat die Bahn-Tochter auch gleich parat, eine Gebrauchtwagengarantie gibt es obendrein und selbst der gesamte Werkstattservice wird versprochen.
In Frankfurt sind die Eisenbahner mit ihren Autos gerade von Griesheim an die Mainzer Landstraße gezogen und bieten dort vor allem 5er BMW, Mercedes der E-Klasse und andere Wagen an, wo früher das Autohaus Georg von Opel seinen Hauptsitz hatte. Ganz neu an der Mainzer Landstraße ist DB Fuhrpark allerdings nicht, sie hatte bis vor kurzem dort schon einen kleinen Stützpunkt.
Autobranche bleibt entspannt
Für die Autohäuser und Werksniederlassungen der Autobauer in der Region stellt ein Gebrauchtwagenanbieter mit einer solchen Kapazität eine durchaus ernstzunehmende Konkurrenz in diesem Teil des Autogeschäfts dar. Die noblen Wagen der Bahn drängen auf einen Gebrauchtwagenmarkt, der durch die Rabattschlachten, die sich die Hersteller im Neuwagenabsatz liefern, ohnedies schon am Boden liegt.
Trotzdem bleibt die Autobranche in Rhein-Main angesichts der Aktivitäten der Bahn weit abseits ihres Kerngeschäfts recht entspannt, wie Claus Kapelke, Hauptgeschäftsführer der Kraftfahrzeuginnung Frankfurt/Main-Taunus-Kreis versichert. Natürlich sei zwar jedes Fahrzeug, das aus dem Bundesgebiet zusätzlich auf den regionalen Gebrauchtwagenmarkt komme, eine Belastung. Er ist sich aber sicher, dass die Kunden gerade beim Gebrauchtwagenkauf lieber auf die Dienste eines etablierten Autohauses zurückgriffen. Wir sehen das insgesamt recht gelassen“, sagt Kapelke.
Bahn mit Expertise beim Flottenmanagement
Das Angebot, mit dem die Bahn auf dem Markt abseits der Schiene aktiv ist, erschöpft sich keineswegs im Gebrauchtwagenverkauf und den Wartungsdienstleistungen. Vielmehr bietet sie auch die im eigenen Konzern erworbene Expertise beim Flottenmanagement Fremdfirmen an und berät Unternehmen in derlei Fragen. Alles in allem beläuft sich der Umsatz, den die DB Fuhrpark 2007 erwirtschaftet hat, nach Angaben des Konzerns auf 220 Millionen Euro. Dabei ist allerdings sowohl der aus den Geschäften mit der Mutter Deutsche Bahn erwirtschaftete Umsatz eingerechnet, wie auch der aus den Geschäften mit Fremdfirmen. Detaillierte Angaben zur Umsatzverteilung in diesem Geschäftszweig macht der Konzern grundsätzlich nicht.
Unter dem Dach der DB Fuhrpark obliegt es der DB Fuhrpark Service GmbH, die Bahn selbst und die mit ihr verbundenen Unternehmen mit Fahrzeugen zu versorgen und diese Autos zu verwalten. Das Flottenmanagement als Dienstleistung für Fremdfirmen anzubieten, ist eine der Aufgaben der DB Rent GmbH, die ebenfalls in Frankfurt ihren Sitz hat. Beide Töchter zusammen beschäftigen rund 330 Mitarbeiter.
Call a Bike und Mietwagen von DB Rent
Die DB Rent ist auch die Betreiberin der Gebrauchtwagencenter. Sie bietet außerdem einen Voll-Service-Leasing, das alle Fahrzeugkosten beinhaltet, das Mietfahrradsystem Call a Bike“ sowie Mietwagen an. Das DB Carsharing“ betreibt die Bahn-Tochter inzwischen mit rund 1600 Autos in 90 Städten Deutschlands. Und mit dem Werbeslogan Reisen in der 1. Klasse: Mehr Platz. Mehr Service. Mehr Genuss“ wirbt DB Rent nicht etwa für die Fahrt in neuen komfortablen Zugabteilen, sondern für das bei ihr buchbare Reisen in einem vom Chauffeur gesteuerten Mercedes Benz der S-Klasse oder in einem anderen Wagen der automobilen Oberklasse.
Inzwischen ist die Bahn-Tochter mit der BW Fuhrparkservice GmbH auch der Bundeswehr beim modernen Flottenmanagement behilflich und bietet zudem über die Mobility Solution AG, zusammen mit der Schweizer Post, das Flottenmanagement für Schweizer Firmen an. Das Volumen wird mit zurzeit 20.000 Fahrzeugen beziffert.
In Deutschland nennt die Auto-Tochter der Bahn, neben ihren Gebrauchtwagenzentren, auch schon zwei komplette Autohäuser ihr Eigen. Im September hat sie ein Opelhaus in Cloppenburg übernommen. Ein Ford-Haus in Schweinfurt gehört schon länger zum Bestand. In beiden Fällen hat die Bahn die Markenvertretung übernommen, hat aber das Angebot jeweils um Gebrauchtwagen aus dem eigenen Unternehmen erweitert. Zumindest kurzfristig sind den Angaben zufolge keine weiteren Übernahmen geplant.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Tobias Schmitt