Finanzplatz

Deutsche Börse zieht nach Eschborn

11. Januar 2008 Die Deutsche Börse AG zieht mit fast allen Mitarbeitern von Frankfurt nach Eschborn. Dadurch will das Unternehmen seine Gewerbesteuerlast senken, wie es mitteilte. Schon bis zum Sommer soll die Hälfte der 2000 Mitarbeiter, die derzeit in der Neuen Börse in Hausen arbeiten, in eine Übergangsunterkunft nach Eschborn ziehen. Wie aus der Immobilienbranche zu hören ist, wird die Börse hierfür den Gebäudeteil 5 der „Häuser der Mode“ nutzen. Bis 2010 will das Unternehmen einen Neubau mieten, die übrigen Mitarbeiter aus Hausen sollen dann folgen. Der Sitz der Gesellschaft und der Parketthandel sollen am Börsenplatz in Frankfurt bleiben. Dort beschäftigt das Unternehmen allerdings nur noch etwa zehn Mitarbeiter.

Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) wurde erst kurz vor Presse und Anlegern von der Deutschen Börse über ihre Entscheidung informiert. Sie bezeichnete den Umzug als „Folge eines nicht gerechtfertigten Standortvorteils“ und bezog sich damit auf den relativ niedrigen Gewerbesteuerhebesatz Eschborns, den sich die Kommune nur leisten könne, weil es die attraktive Infrastruktur von Frankfurt mitnutze. Sie werde sich mit Nachdruck für eine Umkehr der Entscheidung des Unternehmens einsetzen, so Roth.

Eschborner Bürgermeister erfreut über den Zuzug

Die Senkung des Frankfurter Hebesatzes von 490 auf 460 Punkte zu Beginn 2007 bezeichnete sie als Schritt in die richtige Richtung. Sylvia Weber, wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD im Römer, wertete die Entscheidung der Börse hingegen als Beleg dafür, wie wenig die Absenkung gebracht habe. Die guten Standortqualitäten des Main-Taunus-Kreises sieht der Erste Kreisbeigeordnete Hans-Jürgen Hielscher (FDP) bestätigt, der derzeit Landrat Berthold Gall (CDU) vertritt. Er appellierte an andere Kommunen, ebenfalls ihre Gewerbesteuersätze zu überdenken. Hans-Joachim Tonnellier, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, interpretierte die Entscheidung der Deutschen Börse AG für Eschborn als dauerhaftes Bekenntnis zum Standort Frankfurt/Rhein-Main und zum Finanzplatz Frankfurt.

Der Eschborner Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (CDU) zeigte sich erfreut über den Zuzug des Dax-Unternehmens, sprach aber auch von einer großen Herausforderung für die Infrastruktur. Das Gewerbegebiet Süd solle über eine zusätzliche Straße erschlossen werden. Mit dem Land sei man im Gespräch über einen zweispurigen Ausbau der Abfahrt von der A 66 aus Richtung Wiesbaden.

Auf welchem Grundstück der Neubau für die Deutsche Börse errichtet werden soll, ist noch nicht bekannt. Dem Vernehmen nach wäre das ehemalige Grundstück der Heidelberger Druck an der Mergenthaler Allee im Gewerbegebiet Eschborn-Süd geeignet; als weitere Kandidaten gelten frühere Flächen der Deutschen Bank an der Alfred-Herrhausen-Allee, die inzwischen im Besitz von Blackstone sind. Auch Investor Otmar Kehrer, dem das „Haus der Mode“ gehört, könnte wohl eine ausreichend große Fläche an der Düsseldorfer Straße anbieten. Er soll ein weiteres geeignetes Areal im Gewerbegebiet Eschborn-West besitzen. Der Platzbedarf wird in Maklerkreisen auf knapp 50.000 Quadratmeter geschätzt.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Wolfgang Eilmes

 
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