Von Petra Kirchhoff
15. November 2007 Spielen kann gefährlich sein. Verbotene Weichmacher in Kunststoffkugeln haben soeben zu einer neuen Rückrufaktion für Spielzeug aus China geführt. Kinder waren beim Umgang mit den Kugeln ins Koma gefallen. Nach einem aktuellen Bericht der Zeitschrift Ökotest“ ist auch beim Kuscheln mit Plüschtieren Vorsicht geboten, weil sie leicht lösbare Fasern oder bedenkliche Inhaltsstoffe in zu großen Mengen enthielten. Verbraucher sind verunsichert. Wie sollen sie gutes von schlechtem, gefährliches von ungefährlichem Spielzeug unterscheiden?
Das CE-Kennzeichen, das jedes Spielzeug, das innerhalb der EU auf den Markt kommt, als Beweis dafür tragen muss, dass es den Vorschriften der EU-Spielzeugrichtlinie entspricht, ist in der Regel ziemlich wertlos, da es sich um eine Selbstauskunft des Herstellers oder Importeurs handelt. Außerdem sind die Kontrollen der zuständigen Gewerbeaufsichtsämter und Ämter für Arbeitsschutz nur sehr lax, wie Verbraucherschützer monieren. Das Gesetz ist in der Diskussion und soll überarbeitet werden, was den Verbrauchern in diesem Weihnachtsgeschäft allerdings wenig nützt.
Mangelhafte Produkte aus China
Aussagekräftiger sind die Label unabhängiger Prüfstellen, bei denen Hersteller ihr Spielzeug gegen Gebühr freiwillig untersuchen lassen. Der TÜV Rheinland etwa prüft mit seiner Nürnberger Tochter LGA jährlich viele tausend Spielzeuge bis ins kleinste Detail. Dabei geht es – je nach gewünschtem Zertifikat – nicht nur um die Entflammbar- und Belastbarkeit von Teddys und Spielzeugtraktoren, geprüft werden auch Inhaltsstoffe und die Produktionsstätten, etwa in China.
Dorthin verlagern immer mehr Unternehmen, auch namhafte Firmen, aus Kostengründen ihre Produktion. Von 200 Mitgliedern, die dem Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie angeschlossen sind, fertigen nach dessen Angaben nur noch 40 in Europa.
Nicht ohne Grund unterhält der TÜV Rheinland inzwischen mehr als 50 Niederlassungen in Fernost, wie ein Sprecher sagt. Jedes zweite mangelhafte Produkt in Deutschland stammt nach einer Studie des TÜV Südwest aus einem China-Import. Ute Klaus, Sprecherin der Verbraucherzentrale Hessen, empfiehlt Spielzeugkäufern daher zu prüfen, ob es nicht ein vergleichbares deutsches Produkt gibt“.
Unbedenkliche Kuscheltier-Hersteller
Sie haben dann die Wahl zwischen einem 70 Zentimeter großen Tiger für 9,99 Euro bei Norma und einem 40 Zentimeter großen für 160 Euro, handmade in Germany“ aus der Kösener Spielzeug Manufaktur in Sachsen-Anhalt, wie Helmut Schache, Sprecher der Traditionsfirma, die Situation selbstironisch auf den Punkt bringt.
Der frühere Firmenchef, der sein Unternehmen inzwischen an die Tochter übertragen hat, glaubt nicht daran, dass sich die jüngsten Skandale auf das Käuferverhalten auswirken. Wir hatten einen Gammelfleischskandal, und was ist passiert? Gar nichts.“ Gleichwohl ist die kleine Firma, die ihre Tiere auch über den Edelversender Manufactum verkauft, um Aufklärung bemüht und veranstaltet seit neuestem Führungen durch die Produktion. Marketing zum Anfassen“ nennt Schache das. Dadurch werde das Portemonnaie zwar nicht größer, aber es weitet den Geist“.
Wer in den Spielzeugabteilungen von Karstadt und Kaufhof in Frankfurt nach einem unbedenklichen Kuscheltier für ein Kleinkind fragt, wird an bekannte Hersteller wie Siggikid und Steiff verwiesen, die in der Regel hierzulande produzieren und sich dies auch durch unabhängige Prüfstellen haben zertifizieren lassen. Beide Marken haben auch im Plüschtier-Test von Ökotest“ mit gut“ abgeschnitten. Bei der Beratung außen vor bleiben dagegen die Hausmarken der Warenhäuser, die deutlich günstiger sind und nach Angaben des Personals mit Sicherheit“ in China hergestellt werden – was im Übrigen auf keinem Etikett zu lesen ist.
Stofftiere im Selbstversuch testen
Das muss nichts heißen. Nicht alles, was aus China kommt, ist schlecht“, betont eine Verkäuferin im Frankfurter Fachgeschäft Wohnen & Spielen, das Wert auf einwandfreies Spielzeug legt und nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit Händlern und Herstellern steht. Die beliebten Schleich-Tierfiguren etwa würden auch in China hergestellt. Darüber stutzten manche Kunden. Die Verbraucher sind kritischer geworden. Es gibt eine neue Aufmerksamkeit“, sagt die Verkäuferin.
Der TÜV Rheinland wie auch die Verbraucherzentrale Hessen empfehlen Kunden, sich Spielzeug sehr sinnlich zu nähern, ruhig einmal daran zu ziehen und zu gucken, ob die Nähte halten, wie das Spielzeug riecht, ob Reste von Leim oder eventuell noch scharfe Kanten zu erkennen sind. Wenn Sie kein gutes Gefühl haben, stellten Sie es besser ins Regal zurück“, rät der TÜV-Sprecher.
Der Selbstversuch bei einem Teddy für drei Euro, ein Sonderangebot bei Karstadt, funktioniert. Schon bei leichtem Zupfen löst sich der Pelz. Ob Schadstoffe drin sind, lässt sich nicht erschnuppern. Grundsätzlich empfehlen Verbraucherschützer, Plüschtiere noch vor dem ersten Kuscheln in die Waschmaschine zu stecken. Das entferne zumindest einen Teil der Schadstoffe.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa