Handel

Verschlossene Tüten sollen Duty-free-Geschäft retten

Von Jochen Remmert

Für Nordamerika-Reisende zur Zeit nur unter erschwerten Bedingungen möglich: Duty-free-Einkäufe

Für Nordamerika-Reisende zur Zeit nur unter erschwerten Bedingungen möglich: Duty-free-Einkäufe

17. August 2006 Wenn Nordamerika-Passagiere selbst nichts mehr im Handgepäck mitnehmen dürfen, dann bringen wir ihnen die Duty-free-Einkäufe eben direkt ins Flugzeug - in fest verschlossenen Tüten. Diesen Entschluß haben der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport AG und die Hamburger Gebr. Heinemann KG gefaßt. Zuvor hatten amerikanische Sicherheitsbehörden ein Mitnahmeverbot für jegliche Flüssigkeiten in die Kabine von Passagierflugzeugen verhängt - in Reaktion auf die in Großbritannien vereitelten Terroranschläge. In Frankfurt ist der neue Service zumindest für alle Flüge der Lufthansa und der Condor in die Vereinigten Staaten von Amerika nunPraxis.

Die amerikanischen Fluggesellschaften akzeptieren dieses Verfahren allerdings derzeit nicht, den Angaben zufolge gilt bei diesen nach wie vor das strikte Flüssigkeitsverbot. Und das, obwohl die zuständige Transportation Security Administration, eine Abteilung des amerikanischen Heimatschutz-Ministeriums, die Frankfurter Regelung ausdrücklich akzeptiert hat.

Daß Fraport und die Firma Gebr. Heinemann, die am Frankfurter Flughafen alle 17 Duty-free-Läden betreibt, größtes Interesse daran haben, alles zu vermeiden, was Kunden die Kauflust nimmt oder ihnen den Konsum sogar verwehrt, ist rasch erklärt: Zwei Drittel der 71 Millionen Euro, die die Fraport AG mit dem Einzelhandel am Flughafen zuletzt im Jahr erwirtschaftet hat, kommen aus den Duty-free- und Markendiscount-Läden, die die Hamburger jenseits der Sicherheitskontrollen betreiben.

Wenig Verständnis für die Beschränkungen

„Wir sind froh, diesen Weg anbieten zu können, aber er kann nur eine Übergangslösung sein“, meinte ein Sprecher des Hamburger Unternehmens. Denn für den Transport der Waren, von denen traditionell ein Großteil Parfüms und Spirituosen sind, müsse man zusätzliches Personal beschäftigen - was auf Dauer natürlich den Ertrag belaste. Auch bei Fraport gilt das Verfahren vor allem deshalb nicht als Dauerlösung, weil jeder einzelne potentielle Kunde erst einmal gefragt werden müsse, mit welcher Fluglinie er fliege, um ihm dann womöglich sagen zu müssen, daß die ausgesuchten Waren gar nicht mit an Bord dürften.

Daß derzeit gerade die amerikanischen Fluggesellschaften den Bring-Service am Frankfurter Flughafen nicht akzeptieren, erstaunt manchen in der Branche um so mehr, als dieser für Amerikaner überhaupt nichts Neues ist. In den Vereinigten Staaten ist das Verfahren üblich, um zu verhindern, daß zollfrei erworbene Güter auf den amerikanischen Markt kommen.

Es wird spekuliert, daß amerikanische Fluggesellschaften deshalb gar nicht so sehr betrübt darüber sein könnten, daß die Sicherheitsauflagen das Duty-free-Geschäft an Flughäfen in Europa erschweren, weil ihr eigenes Duty-free-Geschäft an Bord davon profitiere. Nicht nur bei Fraport und bei Heinemann, sondern auch bei der Barig, der Vereinigung von insgesamt mehr als 100 Fluggesellschaften, die in oder auch von Deutschland aus tätig sind, hält sich das Verständnis für die derzeitigen Beschränkungen in recht engen Grenzen.

Premiummarken zu Discountpreisen

Generalsekretär Martin Gaebges gab im Gespräch zu bedenken, daß alle Duty-free-Geschäfte innerhalb des Sicherheitsbereichs seien und daher auch sämtliche darin angebotenen Waren die vorgeschriebenen Kontrollen passiert haben müßten - genauso wie die in den Flugzeugen servierten Getränke und Speisen. Daher sei nicht einmal der Service, der nun in Frankfurt angeboten würde, nötig.

In der Branche herrscht derzeit weitgehend Einigkeit darüber, daß die derzeitigen Vorgaben keinen Gewinn an Sicherheit bringen, dafür aber erhebliche Einnahmeeinbußen verursachen. Fluggesellschaften denken schon über Schadenersatzklagen nach. Daß es tatsächlich zu einem dauerhaften Verbot für Flüssigkeiten im Handgepäck auch innerhalb der Europäischen Union kommen könnte, wie es Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) in die Diskussion gebracht hat, hielt gestern ein Fraport-Sprecher für recht unwahrscheinlich. Vom Ministerium in Berlin waren keine weiteren Auskünfte dazu zu erhalten.

Käme es aber dazu, hätte sowohl Fraport wie auch Heinemann auf Dauer mit ganz massiven Einnahmeeinbußen zu rechnen. Denn mit dem Fall der Zollschranken in Europa ist zwar das Duty-free-Geschäft verschwunden. Dafür hat sich aber an den Flughäfen sehr gut florierendes Geschäft mit Premiummarken zu Discountpreisen etabliert, wie der Sprecher der Gebr. Heinemann KG bestätigt. Sein Haus betreibt dieses Geschäft - auch in Frankfurt - unter dem Namen „Travel Value“.

Text: F.A.Z., 18.08.2006

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